Reisetipp : Madagaskar – Land der Lemuren

Lemuren bevölkern die Wälder der Insel. 80 Arten des Primaten sollen es hier geben.
1 von 4
Lemuren bevölkern die Wälder der Insel. 80 Arten des Primaten sollen es hier geben.

Von der Natur ist die Insel reich beschenkt: Dennoch gibt es nur wenig Tourismus, denn nicht überall ist es hier paradiesisch.

von
28. März 2015, 07:28 Uhr

Die Stars leben ein bisschen versteckt. Auf einem Ast sitzen sie und schauen nach unten auf den Fluss. „Das sind schwarzweiße Vari, eine der sieben Lemurenarten, die hier im Park leben“, sagt unser Führer Hanja Ramahefa. Bis zu 80 Arten soll es auf Madagaskar geben. „Alle diese Tiere scheuen das Wasser.“ Der Parque de lémuriens, einen Tagesausflug von der Hauptstadt Antananarivo entfernt, ist ein guter Einstieg in die Welt der Lemuren. In den Wäldern der Küstenregionen, sind sie schwieriger zu sichten.

Die Tiere zählen zu den Primaten wie die Menschenaffen, sind aber viel älter. Und auch die Affen leiden unter der schlechten Wirtschaftslage der Menschen. „Die Löhne sind mickrig, Fleisch ist teuer“, sagt der Taxi-Fahrer Rakoton Dramanana. Und so landet mancher Lemur im Kochtopf. Da helfen Verbote und Appelle leider wenig.

Alles ist ein bisschen Abenteuer auf Madagaskar, das anderthalbmal so groß wie Deutschland ist, auch die Fahrt vom Airport in die Hauptstadt, die nur kurz Tana genannt wird. Bis zu 80 Minuten dauern die 30 Kilometer. Es geht vorbei an Reisfeldern, an Zäunen hängen Blusen und Hosen zum Trocknen. Ochsenkarren ziehen Wagen mit Bambus und Bruchholz. Monsieur hält kurz, sichert die klappernde Tür seiner Ente mit Draht: „Pas de problème.“

Am Stadtrand beginnt der Stop-and-go-Verkehr. Händler klopfen ans Fenster. Weil fast überall und immer Markt ist, stöhnt Tana unter Staus und Abgasen. Polizisten regeln hier – 1400 Meter hoch in den Bergen – mit Trillerpfeife und kräftigem Armfuchteln das tägliche Chaos. Tourismus gibt es in Madagaskar nur wenig. Frühere politische Unruhen, die schlechte Infrastruktur und die Gefahr von Überfällen schrecken ab. Doch mit Umsicht, Toleranz und ein wenig Französisch lässt sich problemlos reisen. Das Eiland ist für viele magisch.

Um von einem Ende ans andere zu kommen, bieten sich Inselflüge an, die auf organisierten Gruppenreisen meist Teil des Programms sind. So gelangt man zügig von Tana ins 700 Kilometer entfernte Morondava im Westen an der Straße von Mosambique. Die Stadt ist Drehscheibe für Ausflüge, etwa zur Straße der Affenbrotbäume. Hier ist es besonders spektakulär, wenn die Sonne zwischen den mächtigen Stämmen mit den kleinen Kronen aufgeht oder versinkt. Weitere Ziele sind der Trockenwald Kirindy und das Welterbe Tsingy de Bemaraha mit einem „Wald“ aus Kalksteinnadeln. In dem Nationalpark mit viel Karstland, Mangroven und ein paar Seen leben auch Lemuren, Madagaskar-Seeadler und Ringelschwanzmungos.

Wer Zeit hat, fährt mit den „Taxi Brousse“ genannten Bussen. Die Fahrten können sehr lang sein, von Tana nach Tamatave zum Beispiel ist man sieben Stunden unterwegs. Also gilt es, ganz früh zu starten und lange Strecken in Tagesabschnitten zu fahren. Das Auswärtige Amt rät, nach Sonnenuntergang in den Städten unbedingt ein Taxi zu nehmen. Fahrrad-Taxis, Pousse-pousse genannt, sind langsam und offen, die motorisierten Tuk Tuk-Taxis haben keine Türen. Sein Minibus-Ticket kauft man am besten im Voraus, etwa bei dem Unternehmen „Cotisse“.

Es ist Sonntag am Strand von Tamatave. Insulaner picknicken mit Kind und Kegel, Fischer holen die Netze ein. Familientag. Auf dem Markt feilschen Kreuzfahrt-Touristen um Pfeffer, Schnitzereien und T-Shirts. „Die Insel bietet viel, hat aber zu wenige Touristen“ sagt Daniela Ranarison von „Mada Tour Antoka“. Denn leider ist es nicht überall so paradiesisch. Auf dem Beach-Eiland Nosy Be ist der Sextourismus den Einheimischen ein Dorn im Auge. Das Auswärtige Amt mahnt wegen möglicher Gewalt und früherer Touristenmorde zu erhöhter Vorsicht.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen