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Reise und Tourismus

19. November 2017 | 11:41 Uhr

Kreta : Liebesnest des alten Zeus

vom
Aus der Onlineredaktion

Wer den Spuren der Minoer auf Kreta folgt, stellt fest, dass nicht nur in der Göttersage die Kultur des Abendlandes auf der Insel ihren Anfang nahm.

svz.de von
erstellt am 31.Mär.2017 | 21:00 Uhr

Was mag die phönizische Prinzessin Europa gedacht haben, als sie auf dem Rücken eines schwimmenden Stieres nach Kreta kam? Mit weit geöffneten Felsenarmen, lang ins Lybische Meer hinausgestreckt, empfing die Bucht von Matala das Paar im Abendland. Und Göttervater Zeus, kein andrer war das liebestolle Rind, machte die Schöne aus dem Orient zur Namenspatronin des neuen Erdteils.

Matala mit seiner Steilküste diente lange als natürlicher Hafen und Lebensraum. Bis heute sind in der nördlichen Felswand aus gelbem Sandstein Wohnhöhlen aus der Jungsteinzeit zu besichtigen. Doch Zeus und Europa blieben nicht am Strand. In Gestalt eines Adlers trug der Gott die Angebetete nach Gortis, wo Nymphen schon das Liebesnest unter einer schattigen Platane gerichtet hatten. Der mächtige Baum wächst und wurzelt dort noch heute vor sich hin. Von der antiken Metropole, die ihre Blütezeit unter den Römern erlebte, sind die beeindruckenden Ruinen von Titus-Kirche und Odeon erhalten.

 

Aus der Liaison des göttlichen Paares gingen drei Söhne hervor. Der erste und berühmteste war Minos. Nach ihm benannte man die minoische, die früheste europäische Hochkultur. Geherrscht haben soll der Stammvater der Minoer in Knossos, Kretas vermutlich größter Metropole des Altertums. Die Reste einer gewaltigen Palastanlage künden bis jetzt von der Macht und Pracht der einstigen Königsstadt nahe Iraklio. Spuren der minoischen Epoche führen auch in die Paläste von Malia an der Nordküste und die von Festos und Agia Triada nahe dem Lybischen Meer oder in die Diktäische Grotte. In dieser bereits vor 4  800 Jahren von den Minoern als Kultstätte genutzten Höhle in einem Berg über der Lasithi-Ebene soll Zeus geboren und von der Ziege Amaltheia gestillt worden sein. Die magische Ausstrahlung der bizarren Tropfsteingebilde wird durch Farblicht effektvoll verstärkt.

Welchen Platz in der griechischen Mythologie die Samaria-Schlucht einnahm, ist nicht bekannt. Vielleicht war ja den antiken Göttern der 17 Kilometer lange, meist steinige Weg durch das enge Felsental viel zu beschwerlich. Die haben doch viel lieber am blauen Voulismeni-See in Agios Nikolaos gemütlich Wein getrunken, sind nachts in Malia durch die Klubs gezogen und haben dann in Vai am Strand abgehangen.


Reisezeit: Zum Wandern (ohne Samaria-Schlucht – die wird in der Regel erst im Mai geöffnet) sind März und April die besten Monate, zum Baden Mai bis Oktober. Tipp: Mietwagen sind recht preiswert. Die Küstenorte erreicht man bequem per Bus.


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