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Reise und Tourismus

24. September 2017 | 23:21 Uhr

Mallorca : Keine Toleranz für Sauftouristen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Immer wieder Prügeleien und Alkoholexzesse an Mallorcas Playa de Palma – Bürgermeister Antoni Noguera will sich das nicht länger ansehen.

svz.de von
erstellt am 29.Jul.2017 | 05:00 Uhr

Prügeleien zwischen Touristen, ein Hammer-Angriff, ein ins Koma geschlagener Deutscher – seit Wochen gibt es am Ballermann auf Mallorca immer wieder Krawall. Auslöser ist meist Alkohol, denn auch im Sommer 2017 boomt der Sauftourismus an der Playa de Palma.

Dass viele auf die Baleareninsel reisen, um sich hemmungslos zu betrinken und zu feiern, ist auch an Souvenirständen zu sehen: T-Shirts mit Aufschriften wie „Ich bin nur zum Saufen hier“ gelten als Kassenschlager. Dem Image Mallorcas ist dies wenig zuträglich, weiß auch der neue Bürgermeister von Palma, Antoni Noguera. Er hat die Negativ-Schlagzeilen satt und lud die deutsche Konsulin Sabine Lammers zu einer Lagebesprechung ins Rathaus.

Seit Wochen redet Noguera Klartext, nannte die sturzbetrunkenen Krawallmacher „Abschaum“ und betonte: „Diese Art von Urlauber ist hier nicht willkommen.“ Dabei ist der 38-jährige Sozial- und Jugendpädagoge erst seit Anfang Juli im Amt. Er hat aber bereits deutlich gemacht, dass er das Image Palmas nicht länger beschmutzen lassen will. „Ich glaube, wir sind uns alle einig, dass Orte wie die Schinkenstraße und ihre Umgebung keine positiven Auswirkungen weder für die Stadt noch für den Tourismus haben“, betont er. In der Straße, in der auch das berühmte Lokal „Bierkönig“ liegt, war im Juni eine Massenschlägerei unter Deutschen entbrannt, ein Großaufgebot der Polizei musste anrücken. Wenige Tage zuvor hatten Neonazis im „Bierkönig“ eine Reichkriegsflagge gehisst.

Auch im Juli kam es zu gewalttätigen Zwischenfällen. In einem Fall wurde ein Deutscher ins Koma geprügelt, weil er versucht haben soll, einer Frau zu helfen. Sie war am Morgen an einem Imbiss belästigt worden. Im zweiten Fall wurde ein Urlauber ohne ersichtlichen Grund mit zwei Hämmern attackiert und leicht verletzt.

Trotz dieser Vorfälle fühlen sich die Touristen an der Playa aber weitgehend sicher. „Wir haben zwar kleinere Prügeleien gesehen, aber im Grunde ist alles recht friedlich“, sagt Wladimir aus dem Saarland, der mit Freund Jan auf „Malle“ Urlaub macht. Sie haben einen Eimer dabei – sind sie also auch zum berühmten „Eimer-Saufen“ hier? „Nein, darin halten wir unsere Getränke kühl, getrunken haben wir daraus nicht.“

Auch Noguera räumte ein, dass es sich bei den Sauf- und Krawall-Touristen um eine Minderheit handelt. „Wir sind nicht gegen den Tourismus, im Gegenteil. Aber wir wollen Urlauber, die in ihrer Zeit auf Mallorca den Strand und die Freizeit-Angebote genießen.“ Zu diesem Zweck will er in Absprache mit Konsulin Lammers Kampagnen starten. Vor allem sollen Feierwütige über die auf der Insel erwünschten Verhaltensregeln aufgeklärt werden. Details nannte Noguera zunächst nicht. Mit Blick auf Skinheads kündigte er aber „null Toleranz“ an.

Nicht nur die Stadt Palma, auch die Regionalregierung der Balearen will helfen, das Image aufzupolieren und das exzessive Trinken einzudämmen. In Läden, die Eimer und Alkohol verkaufen, soll es Inspektionen geben. Da der Verkauf von Spirituosen und Plastikbehältern aber nicht illegal ist, wird stattdessen geprüft, ob etwa Eiswürfelpackungen korrekt etikettiert sind. Zudem ist der Alkoholkonsum auf offener Straße an der Playa de Palma bereits seit 2016 verboten. Bei Verstößen kann es zu Strafen bis zu 3000 Euro kommen. Die Kontrollen gelten aber als lasch.

Vom Sauftourismus genervt sind auch die Hotelbesitzer am Ballermann. Francisco Marín, Sprecher des Hotelierverbandes an der Playa de Palma, hat eine Plattform aus Nachbarschaftsverbänden, Restaurants und Jacht-Clubs gegründet. „Damit wollen wir politischen Druck ausüben. Es kann nicht sein, dass es zwar Gesetze gibt, dass unzivilisiertes Verhalten aber dann nicht geahndet wird.“ Laut Marín hat sich das Problem noch verschlimmert. „Betrunkene hatten wir hier schon immer – aber jetzt dauert die Saison dieser Art von Tourismus immer länger.“

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