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Reise und Tourismus

18. Oktober 2017 | 00:14 Uhr

Baskenland : Keine Fiesta ohne Pinchos

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Eine Radtour durchs Baskenland von Bilbao bis San Sebastían begeistert Feinschmecker, Kultur- und Naturinteressierte.

svz.de von
erstellt am 05.Aug.2017 | 10:00 Uhr

Als vor gut hundert Jahren das Eisenerz die Stadt Bilbao reich machte, wurden Jugendstil-Häuser, eine Art-Déco-Markthalle und Europas modernstes Theater gebaut. Im Niedergang seiner Industrie mutierte es zur hässlichsten Stadt Europas. Das Wunder gelang Frank Gehry mit dem sensationellen Guggenheim-Museum – die Touristen kamen zurück, die Stadt wurde Boomtown. Was die Kulinarik angeht, so sind die Basken nicht zu toppen. Nirgends auf der Welt gibt es mehr Sterneköche auf engstem Raum. Deren Ideen kopieren die Chefs der Tapas-Bars in der Altstadt, wo sich bis zum Morgen das feiernde Volk bei leckeren Pinchos, den Tapas, Bier und Sidra drängelt.

Nach Bilbao geht die Fahrt durch die drei baskischen Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Araba. In Portugalete setzt die höchste Schwebefähre der Welt, Unesco-Welterbe, über den Nervíon. Familien sind unterwegs, belagern die Tapas-Theken, probieren Häppchen mit Ei und Kräutern, Chorizo und Bacalao (Kabeljau).

Vorbei an der Hauptstadt Vitoria Gasteiz radeln wir in Ufernähe des Stausees Umbalse de Ullibarri. Auf 700 Meter müssen wir – ein Loblied auf das E-Bike! Wir „residieren“ in einem Renaissance-Palast – heute Parador, ein staatliches Luxushotel. Der Begleitbus bringt uns auf das Hochplateau der Sierra de Urbasa. Die Windjacke tut gut. Hinab geht’s konzentriert, über uns Gänsegeier. Wir rauschen an Kiefern, Buchen, Farnen vorbei. Wildpferde weiden zwischen Heidekraut und Herbstzeitlosen. Findlinge markieren die Grenze zu Navarra.

Nach langer Abfahrt mit Kiefernduft um die Nase der nächste Höhepunkt: in Puente de la Reina vereinigen sich die Jakobswege Camino Navarro und Camino Aragonés und führen über die sechsbogige Römerbrücke nach Santiago de Compostela. Im Ortskern stehen Jakobspilger staunend vor Adelspalästen mit mächtigen Portalen. Die Siesta unter Hibiskusbäumen tut gut, bevor es nach Olite geht, dem kleinen Ort mit der großen Burg. Carlos III. ließ vor über 400 Jahren über einem Meer von Rebstöcken sein Schloss errichten, eine rechte Disneyburg: Türmchen, Wehrgänge und Höfe ineinander verschachtelt, hängende Gärten. Abends im Parador tafeln wir zwischen Ritterrüstungen. Der Speisezettel: Fisch, Meeresgetier, Wildschwein, Ente und Lamm, Schafs- und Ziegenkäse, frische Langusten.

Wir radeln durch stille Dörfer, schnuppern Seeluft im französischen St. Jean de Luz am Golf von Biskaya. Genießen dort pralles savoir-vivre, bevor die letzte schweißtreibende Etappe auf den Monte Ulia führt: hier liegt uns die berühmte Concha-Bucht mit der Pracht von San Sebastían zu Füßen; die große Christusstatue hält schützend eine Hand über sie – und uns.

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