Kyoto : Japanische Traditionen und Innovationen

Die junge Maiko zelebriert die Teezeremonie.
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Die junge Maiko zelebriert die Teezeremonie.

17 Kulturstätten, 13 buddhistische Tempel, drei shintoistische Schreine und die Shogun-Burg: Wer das Historische sucht, sollte nach Kyoto fahren.

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25. April 2015, 06:00 Uhr

Es braucht nur 140 Minuten mit dem Shinkansen Zug von Tokio nach Kyoto. Wer das historische Japan sucht, sollte hierher reisen. Immerhin zählt die alte Kaiserstadt 17 Kulturstätten, 13 buddhistische Tempel, drei shintoistische Schreine und die Shogun-Burg. Den berühmten Zen-Garten Ryoan-Ji kennt jeder Japaner. 15 Steine sind dort wie zufällig auf einem geharkten Kieselmeer verteilt. „Egal, wo man steht, man wird nie alle 15 Steine gleichzeitig sehen, es ist wie im Leben alles eine Frage der Perspektive“, erklärt unsere Begleiterin Chika Yoshida. Sie hat uns sehr früh hergebracht, damit wir in aller Stille Garten, Tempel und Park erleben können.

Was ist naheliegender, als in Kyoto in einem Ryokan zu übernachten. Unsere Gastgeberin im Yoshida Sanso ist Tomoko Nakamura, die uns im Kimono willkommen heißt. In diesem traditionell japanischen Hotel sind die Böden mit Tatami-Matten ausgelegt, die Räume haben Schiebetüren, der Gast schläft auf dem Boden auf Futons. 1932 für den Kaiser erbaut, gehört dieses Haus in dritter Generation der Familie Nakamura. Bevor wir das Haus betreten, müssen die Schuhe ausgezogen werden, Hausschuhe stehen bereit. Das Dinner wird in einem separaten Raum serviert und besteht aus einem neungängigen Menü, kunstvoll zubereitet. Eine Kalligraphie schmückt den Tisch, gezeichnet von Kyoko, der Mutter der Hausherrin.

Im Stadtteil Gion ist die Architektur traditionell, die Häuser klein, die Straßen eng. Flatternde Stoffbahnen mit Schriftzügen sind die einzige Werbung für Restaurants und Teehäuser. In einem der Teehäuser sind wir mit einer Meiko verabredet.

In einem kleinen Raum warten wir auf die Geisha in Ausbildung. Als sie dann in vollem Ornat, weiß geschminkt mit gesenktem Blick den Raum betritt, stockt uns der Atem. Sie ist wie ein Wesen aus einer anderen Welt.

Es beginnt die traditionelle Teezeremonie. Mit bedächtigen Bewegungen wird der Tee in der Hocke zubereitet, die Teepaste mit einem Bambusbesen geschlagen, um danach in kleinen Tassen mit gesenktem Blick gereicht zu werden. Dann ertönt traditionelle Musik, voller Anmut beginnt sie langsam zu tanzen, rezitiert ein Gedicht, demütig ohne Blickkontakt.

Der japanischen Grazie und Schönheit so zu begegnen ist ein großes Erlebnis. Wir erfahren, dass sie Englisch spricht, da sie in Neuseeland gelebt hat. Ihr Alter verrät Tomytsuyu nicht, wir schätzen sie auf 18 Jahre. Sie hat schon früh entschieden, eine traditionelle Geisha zu werden.

„Wir Geishas werden geschult, auf höchstem Niveau zu unterhalten und zu bedienen. Fünf Jahre müssen wir abgeschieden von der Familie uns ganz dieser Ausbildung widmen. Durch die Medien entscheiden sich heute wieder mehr Mädchen für diesem Beruf.“ Weiter erfahren wir, dass sie nur halb sitzend schlafen kann, um die Haarpracht nicht zu zerstören. Einmal die Woche wird die Frisur neu hergerichtet, was Stunden dauert.

In Kyoto lebt nicht nur die Tradition, durch die Universität ist es auch eine junge Stadt. Der Seika Uni ist ein großes Mangamuseum angeschlossen, ein Muss für jeden Comic-Fan. Zu jedem Thema, zu jeder Lebenssituation gibt es hier die unterschiedlichsten Comiczeichnungen. Mangas sind Kult in Japan, denn es ist auch ein Ventil für die japanische Gefühlswelt. Auch das Performancetheater GEAR ist von Mangas inspiriert. Es ist eine Mischung aus Technomusik, Licht-und Bühnentricks. Sehr speziell und innovativ.

>> Japan-Infos allgemein auf Deutsch unter www.jnto.de; Infos zu Kyoto: www.kyoto.travel

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