Indonesien : Insel der fröhlichen Toten

Zu der Totenfeier gehören auch wunderschöne Tänzerinnen.
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Zu der Totenfeier gehören auch wunderschöne Tänzerinnen.

Im Süden der drittgrößten Insel Indonesiens pflegt das Volk der Toraja eine Kultur, die sich allein ums Jenseits zu drehen scheint.

svz.de von
03. April 2015, 20:25 Uhr

Wer Sulawesis Hauptstadt Makassar in Richtung Hochland verlässt, hat das Meer noch lange im Blick. Die Westküste entlang, durch die Stadt Pare-Pare und Fischerdörfer, an Reisäckern und Krabbenteichen vorbei. Stets dahinter: die Gipfel der Dreitausender. Bei Enrekang steigt die Straße an, windet sich durch Terrassenfelder und Kaffeeplantagen. Ein Stopp am malerischen „Vagina-Gebirge“ Gunung Noa. „Das bringt Glück und Fruchtbarkeit“, verspricht Eman Suherman, der Reiseführer.

In Salabarani beginnt das Land der fröhlichen Toten. Hier lebt das Volk der Toraja, die sowohl an Gott als auch an Ahnengeister glauben. Das Eingangstor in ihr Siedlungsgebiet ziert das Symbol ihrer Kultur: ein stark geschwungenes Hausdach, dessen Form einem Schiffsrumpf und zugleich dem Gehörn eines Wasserbüffels ähnelt.

„Tongkonan“ heißen die mit farbenprächtigen Schnitzereien und Büffelhörnern geschmückten Pfahlbauten. „Sie erfüllen praktische wie spirituelle Zwecke“, erklärt Eman. Denn der Ahnenkult, um den sich bei den Toraja alles dreht, werde vor allem zu Hause praktiziert. „Hier nehmen die Lebenden Kontakt zu den Geistern ihrer Verstorbenen auf. Und hier leben sie auch tatsächlich mit den Toten“, so der Guide. Die Leichen werden einbalsamiert, im Hause aufbewahrt und wie Schlafende behandelt. Da die Toraja ihren Aufenthalt auf der Erde nur als Zwischenphase auf dem Weg in die Glück verheißende Welt der Toten betrachten, gilt ihnen der Eintritt ins Jenseits bei der Bestattungszeremonie als wichtigstes Ereignis im Leben. Martina Tapu schloss vor drei Jahren mit 87 für immer die Augen. Seitdem wartet sie auf ihr zweites Ableben. Auf Bitten ihrer Tochter sagen wir der toten Oma ein freundliches Hallo und alles Gute.

Am anderen Tag hat sie es geschafft. Alle sind vor Freude außer sich. Massenhafte Büffel- und Schweineopfer sollen der Verstorbenen Wohlstand, Macht und Reichtum garantieren. Und weil sie einer vornehmen Familie entstammt, darf ihr Körper in einer Felshöhle ruhen. Auf einem Balkon davor steht ihr Tau-Tau, eine hölzerne Puppe. Einfache Verstorbene werden im Sarg an eine Felswand gehangen, tote Babys in Bäumen „beerdigt“. Totenfeiern dauern mehrere Tage, werden von Stier- und Hahnenkämpfen und anderen Ritualen begleitet. Weil bis zu mehrere Tausend Leute daran teilnehmen, kosten sie ein Vermögen. Auch das erklärt die Wartezeit bis zur Grablegung. Kaum jemand hat das Geld sofort parat. In Kete Kesu berichtet der Adlige Palidan Sarungallo vom Totenfest seiner Mutter. Dabei wurden 65 Wasserbüffel und 600 Schweine geopfert.

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