Jordanien : Im wilden Dana Tal

Mohamad Abu Khalil bereitet den Kaffee in seinem Beduinen-Dorf zu.
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Mohamad Abu Khalil bereitet den Kaffee in seinem Beduinen-Dorf zu.

Wandern mit Beduinen durch ein jordanisches Naturreservat – mit einer Kaffeezeremonie im Gästezelt

„Ahlan Wa Sahlan!“, Herzlich Willkommen, begrüßt uns Ali Hassan auf einer Aussichtsplattform am Rande des kleinen Örtchens Dana. Der 28-jährige Guide der Dana Nature Preserve will uns durch das Wadi Dana führen, einige Stunden lang durch eine wilde Natur. „Hier bin ich geboren, in einem winzigen Dorf“, er zeigt unbestimmt nach Süden „und hier arbeite ich jetzt“ sagt Ali und breitet lächelnd beide Arme aus.

Vorbei an leerstehenden Steinhäusern, nur noch ein Dutzend Familien leben in dem abgelegenen Dorf aus osmanischen Zeiten, geht es den abschüssigen Pfad ins Tal. Vor uns ein Panoramablick, der sich in der Ferne dunstig verliert, mit steilen Felswänden und verwitterten Hängen aus weißem, hellgelbem und rotem Sandstein. Nur kleine, kräftige Büsche mit nadelartigen Blättern können hier leben.

Inzwischen ist die Sonne langsam den Himmel hochgeklettert. Ali hat sein rot-weiß geschecktes Beduinentuch um den Kopf geschlagen, auch die Wandergruppe läuft längst gut behütet durch das Wadi. Der steinerne Abdruck eines Schneckenhauses auf dem Felsen fordert eine Erklärung. „Meeresschnecken gibt es hier schon lange nicht mehr, aber in uralten Zeiten muss in diesem Gebiet ein Ozean gewesen sein“, weiß unser Guide. Auch wenn die Gegend unwirtlich wirkt, ist sie doch voller Leben. Erstaunliche 600 Wildpflanzen- und rund 200 Tierarten, darunter Adler, Eidechsen, Wölfe und Hyänen, gedeihen und leben in den unterschiedlichen Klimazonen des Wadis. Einige von ihnen kündigen sich gerade unüberhörbar mit hellem Gebimmel an.

Eine Ziegenherde nähert sich, geduldig die ledrigen Blätter von Büschen kauend. Ihr Hirte, mit wettergegerbtem Antlitz und weißem Vollbart auf einem schwarzen Esel sitzend, stellt sich als Dschamil vor. Auch wenn er Tag und Nacht mit seiner Herde verbringt, ist er doch über die Weltpolitik informiert und schnalzt anerkennend, als er hört, dass die Wandergruppe aus demselben Land wie die Kanzlerin Merkel stammt.

Letzte Etappe im Kies eines trockenen Flussbetts, zu beiden Seiten begrenzt durch hohes Schilf. Ein Hinweis auf zumindest gelegentliche Feuchtigkeit. Rund 400 Beduinen leben im über 300 qkm großen Areal des Dana Naturreservates. Viele sind im Sommer bei den Tieren in der Natur, im Winter leben sie in festen Häusern im Tal. Auch die Kinder sind in den Sommerferien dabei und erfahren so viel von der traditionellen Lebensweise. Ali selbst hat nach der Schule Archäologie und Touristik studiert und ist froh, dass er bei seiner Arbeit in der Natur und mit Besuchern aus vielen Ländern weltoffene Gastfreundschaft mit der Kultur der Beduinen verbinden kann.

Im Schneidersitz auf einem Teppich mit Sitzkissen unter dem Sonnensegel lässt sich die überlieferte Kaffeezeremonie im Gästezelt seiner Familie bestens verfolgen. Die grünlichblauen Kaffeebohnen aus dem Jemen, „das sind die Besten“, werden in einer Pfanne über dem Feuer geschüttelt und gerührt, bis sie goldbraun geröstet sind, dann kommen sie in einem kupfernen Mörser bis sie, fein gestoßen, in einer Kanne mit Wasser aufgekocht werden. Auch einige im Mörser zerkleinerte Kardamomkapseln werden darübergestreut. In der Kaffeekanne kurz aufgekocht, geben sie dem Mokka sein typisches süßlich-scharfes Aroma. Beim Trinken hilft Ali, denn es gilt einige Regeln zu beachten. Der Gastgeber nippt an der ersten Tasse und demonstriert, dass der Mokka gut geraten ist. Sind mehrere Gäste da, wird von ihm aus zunächst links serviert. Ein Tässchen trinkt jeder, um die Annahme der Gastfreundschaft zu demonstrieren. Wer keine zweite möchte, schüttelt die Tasse leicht und sagt „Daima“, was so viel bedeutet, wie „Danke, es reicht“. Wer sie akzeptiert, geht allerdings die Verpflichtung ein, den Gastgeber in Not mit dem Schwert zu unterstützen, gegen wilde Tiere oder Feinde. „Das war zumindest früher so“ ergänzt Ali schnell, „heute könnte man vielleicht mit dem Mobiltelefon Hilfe rufen“.

Eine dritte Tasse trinkt man, wenn die Stimmung gut ist, eine vierte lehnt man freundlich ab, denn zu viel zu trinken gilt als unhöflich. Wir dagegen sind höflich, verabschieden uns und schlendern belebt und um eine Erfahrung reicher in die benachbarte Feynan Öko-Lodge, unsere einfache und doch komfortable Unterkunft für die Nacht, auch von Beduinen der Dana Nature Preserve betrieben. Nach einem ganzen Wandertag durch die wilde Schönheit des Wadi schlafen wir hier besser als in jedem Luxusresort.

Infos allgemein: http://de.visitjordan.com
Reisezeit: Beste Reisezeiten sind Frühjahr oder Herbst bis November. Von November bis April herrschen im Süden Temperaturen zwischen 16 – 22 Grad C.
Sicherheitshinweise: Auswärtiges Amt in Berlin www.auswaertiges-amt.de/





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