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Tourismus unter der Erde : Im Untergrund von Paris

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In den Katakomben der französischen Hauptstadt: Schon die ersten Meter bieten eine beeindruckende Erfahrung.

svz.de von
erstellt am 20.Feb.2016 | 16:00 Uhr

Die Wartezeit schreckt ab. Drei Stunden kann es dauern, bis man in die Attraktion, nahe dem Friedhof von Montparnasse, vorgelassen wird. Während man draußen wartet, sollte man sich schon auf die neue Umgebung einstellen. Eine Jacke etwa, denn unterhalb von Paris ist es 14 Grad kühl. Handyempfang gibt es nicht.

Ist die Geduldsprobe überstanden, geht es steil abwärts. 132 Stufen lassen ein erstes Schaudern aufkommen, ehe sich eine Einführung in die Gänge des für Besucher geöffneten Labyrinths bietet. Wenn man bedenkt, dass eine Strecke von rund 250 Kilometern unterhalb von Paris existiert, dann ist man froh, dass man nun nur 1,7 Kilometer vor sich hat. Nach ein paar Abzweigungen hat man die Orientierung verloren. Doch schon die ersten Meter bieten eine beeindruckende Erfahrung.

Zuweilen ist es rutschig, es tropft von der Decke. Kleine Lampen sorgen für spärliche Beleuchtung, und noch befindet man sich im angenehmen Teil – 20 Meter unter der Erdoberfläche. Kalksteine aus einem Steinbruch, auf dem Paris aufgebaut wurde, bilden die Basis. Inschriften weisen darauf hin. Lautet die etwa „5 J 1847“, dann ist der Pfeiler der fünfte einer Serie, die 1847 unter dem Kommando eines Steinbruchinspektors von 1842 bis 1851 errichtet worden ist. „J“ ist sein Initial.

Dass man damit auch Kunst erschaffen konnte, beweist die Arbeit des Franzosen Decours. Er schnitzte im 18. Jahrhundert in die Steine ein Relief, auf das er jahrelang sehen musste, als er im Gefängnis saß. Er starb, als die Decke über ihm einbrach.

Der Name „Katakomben“ stammt von den unterirdischen Begräbnishäusern in Rom und Neapel, und bald weiß man auch warum. „Das Imperium der Toten“ beginnt. Man ist von Skeletten umringt, die zwei Meter hoch gestapelt den Weg säumen. Knochen und Schädel wechseln sich ab. Sporadisch gibt es einen Brunnen oder eine Gruft. Ein Text lässt innehalten: „Denke am Morgen daran, dass du vielleicht nicht den Abend erlebst, und am Abend, dass du vielleicht nicht den nächsten Morgen erlebst.“ Die perfekte Kulisse für einen Film.

Genau so sah das auch John Erick Dowdle, dessen Thriller „Katakomben“ dort spielt und 2014 in die Kinos kam. Doch es war kompliziert, stöhnt John: „Keine Toiletten, kein Telefon, Walkie Talkies funktionieren nicht“. Die Bereiche mit den Skeletten wurden im Studio nachgebaut. Darsteller Ben Feldman war froh, aus der „düsteren, kalten Umgebung“ wieder nach oben zu kommen.

Dem Besucher geht es nach rund zwei Stunden ähnlich, auch wenn wieder Stufen zu überwinden sind – schlappe 83. Die Ruhe vor dem Handyklingeln war angenehm, aber das Leben um einen herum ist nicht zu verachten – auch wenn es nur eine SMS ist.

  • Die Katakomben sind täglich außer montags von 10.00 bis 17.00 Uhr geöffnet, letzter Einlass 16.00 Uhr.
  • Der Eingang befindet sich an der 1, avenue du Colonel Henri Rol-Tanguy in 75014 Paris.
  • Die Metrostation an der RER mit dem Buchstaben „B“ lautet: Denfert-Rochereau.
  • Der Eintritt beträgt 10 Euro. Ein Audioguide in Englisch oder Spanisch kostet 3 Euro.
  • Infos: www.catacombes-de-paris.fr
     
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