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Reisetipp Halbinsel Shima : Im Reich der Meeresfrauen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Zu Gast bei den Freitaucherinnen von Ise-Shima in Japan.

svz.de von
erstellt am 25.Mär.2017 | 08:00 Uhr

Die Halbinsel Shima, rund 300 Kilometer südwestlich von Tokio, gilt Japanern seit jeher als umashikuni, als „Landstrich außergewöhnlicher Schönheit“. Gleichzeitig ist der zerklüftete Küstenstreifen auch spirituelles Zentrum des stolzen Inselreichs. Liegt hier mit dem Ise-jingu oder „Großen Schrein“ doch das bedeutendste Shinto-Heiligtum des Landes, das jährlich mehr als sechs Millionen Besucher anzieht – die Seele Japans.

Doch Shima ist nicht nur Hort der Spiritualität. Die ruhigen Küstengewässer sind auch für maritime Delikatessen wie Abalone und Langusten bekannt. Und die stehen bei Japans Feinschmeckern in solch hohem Ansehen, dass sie auf dem Tokioter Tsukiji Fischmarkt regelmäßig Höchstpreise erzielen. Ebenso berühmt wie die Meeresfrüchte aber sind die Menschen, die sie ernten – die „Meeresfrauen“ oder kurz Amas.

Zu ihnen gehören auch Chizuko Nakamura (64) und Sanayo Matsui (65), beide bereits seit über 40 Jahren im Geschäft. Heute gibt es allerdings nur noch knapp 2000 dieser Freitaucherinnen, denn die Arbeit ist hart und die natürlichen Ressourcen vor Japans Küsten durch Überfischung mittlerweile ernsthaft bedroht. Deshalb dürfen die verbliebenen Ama-san, traditionell in weiße Baumwollgewänder gehüllt, unter denen sie heute allerdings meist moderne Neoprenanzüge tragen, auch nur noch an 50 Tagen im Jahr auf Unterwasserjagd gehen. Mit dem Bewirten von Gästen verdienen sie sich außerdem ein Zubrot. Dank spezieller Atemtechnik erreichen Amas Wassertiefen von 5 bis maximal 20 Metern. Dort bleiben ihnen dann aber nur wenige Sekunden zum Einsammeln der Schalentiere.

Während Chizuko und Sanayo für unser Mittagsessen eine bunte Auswahl lebendfrisches Meeresgetier auf einem rot glühenden Holzkohlengrill drapieren – kein Anblick für Menschen mit zartem Gemüt –, erzählen sie von ihrem Alltag. Mit ein wenig Glück könne man als Ama manchmal in nur 1-2 Stunden umgerechnet 1000 Euro verdienen, flüstert Frau Nakamura dabei verschwörerisch. Trotzdem wollen auch ihre beiden Töchter nicht in ihre Fußstapfen treten.

Touristische Infos zu Shima (Englisch): www.iseshima-kanko.jp/en/

Hoteltipp: Oberhalb der Ago-Bucht wohnen Gäste des Amanemu in großzügigen Villen und Suiten, die den klassischen Baustil japanischer Minka-Bauernhäuser mit puristischem Design verbinden, www.aman.com.


 

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