Livigno : Im Powder-Paradies

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Livigno im Hochtal der Alpen ist ein Geheimtipp für Ski- und Snowboardfahrer

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26. Januar 2019, 16:00 Uhr

Livigno | Wenn etwas einzigartig ist, dann sucht der Mensch nach Vergleichen. Im Falle von Livigno klingen diese Vergleiche so: das Tibet Italiens oder Klein-Kanada in den Alpen.

Warum Tibet? Die Luft in Livigno ist ähnlich trocken, das Hochtal liegt auf 1816 Metern, seine Gipfel auf knapp 3500 Metern. Die Aussicht auf die höchsten Berge der Ostalpen ist ähnlich spektakulär. Die Anreise erfordert Ausdauer, denn Livigno gehört zwar zu Italien und zur Provinz Lombardei, liegt aber mitten in den Schweizer Alpen. Bis 1951 war es im Winter sogar völlig von der Außenwelt abgeschnitten. Und die 6000 Einwohner sprechen eine eigene Sprache, den Dialetto Livignasco.

Warum Kanada? Livignos Ähnlichkeiten mit Kanada machen jeden Ski- und Snowboardfahrer nervös: Neben den beiden Skigebieten mit 31 Bergbahnen und 115 Pistenkilometern erstrecken sich scheinbar endlose, unberührte Hänge. Hier ist Italiens Powder-Paradies, denn Livigno ist das erste Gebiet Italiens, in dem Freeriden offiziell erlaubt ist. Zu den Highlights für Tiefschneefans gehört auch das Heli-Skiing, welches in den Alpen jedoch nur in wenigen Skigebieten erlaubt ist – und Livigno darf sich stolz zu den Ausnahmen zählen.

Die vielen Freeride- und Tourenmöglichkeiten im freien Gelände haben eine weitere Besonderheit in dem kleinen Hochtal hervorgerufen: Die erste und eigene Lawinenkommission mit Echtzeit-Informationen ergänzt die täglichen Lawinenlageberichte aus Italien und der Schweiz. Chef ist Fabiano Monti, der am Institut für Schnee- und Lawinenforschung in Davos promoviert hat und vor Ort eine Art Testcenter für Lawinenforschung etabliert hat.

Und wenn wir schon bei Besonderheiten sind: Einen Flughafen gibt es in Livigno nicht, dafür aber Duty-Free-Shopping. Nach einer Bestimmung aus dem 17. Jahrhundert gehört Livigno nach wie vor zu den wenigen zollfreien Zonen Europas. Das heißt: Die italienische Mehrwertsteuer entfällt und Waren wie Spirituosen, Kaffee, Parfüm, Schmuck, Mode, Schuhe und Kraftstoffe kosten 22 Prozent weniger. In der autofreien Fußgängerzone gibt es 250 Duty-Free-Shops, die sich auf das günstige Shoppingvergnügen spezialisiert haben. Moderne Shopping-Malls oder Hochhäuser sucht man dennoch vergebens, denn die Architektur orientiert sich an den alten traditionellen Steinhäusern, die rustikalen und alpinen Charme verbreiten. So gibt es auch kein einziges Megahotel oder 5-Sterne-Haus in Livigno. Die insgesamt 13 000 Gästebetten sind auf kleinere Hotels verteilt, die durchaus modern sind, die alten Traditionen jedoch integrieren und leben.

Wie Cristina Bormolini, die 83 Jahre alt ist und jeden Mittwoch im Museum zeigt, wie man Wolle spinnt. Die alte Dame war vor drei Jahren bei der Eröffnung des Heimatmuseums die einzige Einwohnerin, die noch Wolle spinnen konnte. Mittlerweile sind es schon mehr als fünf Livignascas, die die alte Technik von Cristina gelernt haben.

Die Liste an modernen Aktivitäten in Livigno in der Winterzeit ist lang: Die Outdoor-Sportarten reichen von Langlaufen auf Loipen, die Weltklassesportler zum Höhentraining anziehen, bis zum Eisklettern an Wasserfällen; oder man kann auf einer eigens angelegten 20-Kilometer-Spur mit dem Fat-Bike auf extra breiten Reifen durch den Schnee strampeln. Zum Aufwärmen geht es dann in den Wellness-Park Aquagrande. Auf 10 000 Quadratmetern lassen sich die verschiedensten Formen von Entspannung, Relaxen und Spaß ausprobieren – ob beim Schwimmen, Rutschen oder Saunieren im stylischen Spa. Leibliche Genüsse gehören natürlich dazu. Früher gab es in Livigno zwar nur einmal im Jahr Obst zur Alltagskost Buchweizen, Rüben und Milchprodukten. Doch mit den Zufahrtstraßen ist auch das typisch italienische Dolce Vita in dem gemütlichen Dorf angekommen – feines Essen und guter Wein wird von den Berghütten bis zu den Restaurants im Tal serviert.

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