Myanmar : Im Land der leeren Strände

Am Teyzit Beach gibt es noch keine Touristen.
Foto:
Am Teyzit Beach gibt es noch keine Touristen.

Myanmars Tourismus boomt – nur der Süden des Landes träumt noch.

svz.de von
27. Mai 2017, 16:00 Uhr

Erst ist es eine passable Asphaltstraße, dann ein Sandweg, dann nur noch ein Pfad. Wir waten durchs Wasser, eine kleine Binnenlagune und dann das: der Teyzit Beach, ein Strand wie aus dem Paradies. Bucht um Bucht mit weiten Sandstränden schmiegen sich in Südmyanmar aneinander, mit Bergen, viel Grün, kleinen Fischerdörfern und vor allem ohne Touristen. Wer ein wenig Entdeckergeist mitbringt, den erwartet eine der aufregendsten, unerschlossensten und faszinierendsten Landschaften Südostasiens.

In der Provinzstadt Dawei mit ihren etwa 90  000 Einwohnern ticken die Uhren noch langsam. Aber man hofft und baut. Neue Hotels entstehen im Moment wie am Fließband. Aber sie konkurrieren nicht wirklich mit den prächtigen Holzhäusern. Zu schön, zu filigran ist die Hinterlassenschaft aus dem vergangenen Jahrhundert. „Die Häuser hier, das ist einmalig“, sagt Andre Schneegaß, sein Hemd ist halb aufgeknöpft, trotzdem schwitzt er. Es ist heiß in Dawei.

Der Deutsche ist Abenteurer und schult Reiseführer vor Ort. Viel gebe es zu entdecken, schwärmt er. Er erzählt von Canyons, Flüssen, Tieren und Stränden. Doch die Touristen, die sich hierher verirren, kann er noch an einer Hand abzählen. Doch er glaubt fest an die Zukunft der Region. „Das ist das Paradies“. Einst von der Welt abgeschnitten und noch immer schwer zu erreichen, wartet der Süden Myanmars auf Entdecker.

Schon Dawei wirkt wie aus der Zeit gefallen. Prächtige Kolonialvillen und Plätze mit Brunnen und Palmen machen diese Stadt wirklich sehenswert. Vor den Häusern baumeln Orchideen, durch die Straßen spazieren Mönche mit roten Papierschirmen, und in Eckcafes trinken Muslime süßen Kaffee. Ruhig und gelassen sind auch die Dörfer an der Küste, keine Hütten, sondern Holzvillen mit Schnitzereien versprühen den Charme von Bäderarchitektur wie an der Ostseeküste. Ganz anders als im Rest Südostasiens.

Ein kleiner Teil des Strandes hinter dem Dorf Maungmagan ist bereits übersät mit Ständen und Restaurants. Ein paar Hotels machen bereits gute Geschäfte, weitere sind in Planung. Einheimische machen hierher ihren Wochenendausflug, ein paar europäische Touristen gibt es auch. Doch dieser Ort ist weit entfernt von den glitzernden Strandorten Thailands. Er ist ruhig.

Die Küste hier in Myanmar erzählt den Besuchern noch immer ihre wahre Geschichte. Eine Geschichte vom kargen Leben in der Hitze Südmyanmars, von tropischen Paradiesen und unentdeckten Buchten. Am Teyzit Beach, wo am Strand der gefangene Fisch getrocknet wird, Hundewelpen durch die Dorfgassen tapsen und die Dorfjugend beim Billard entspannt, steht noch kein Hotel. Nur einen Kiosk gibt es.

Vor dem Strand glitzern zwei Inseln mit goldenen Pagoden, die Luft ist drückend heiß, und die Fischer gönnen sich am frühen Nachmittag schon mal eine gute Flasche Whiskey. Einsam und schön ist es hier, wahrscheinlich nicht mehr lange. Deshalb: Kommen Sie jetzt in das Land der leeren Strände.



zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen