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Reise und Tourismus

13. Dezember 2017 | 10:13 Uhr

Spitzbergen : Im Königreich des Eisbären

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Toll aber gefährlich: Eine Fahrt mit Hurtigruten zur Inselgruppe Spitzbergen

Welch ein Glücksgefühl im Zauber der Arktis. Im Liegestuhl an Deck der MS Nordstjernen sitzen und zum mächtigen Monacogletscher hinüberschauen. Dabei dem kleinen weißen Eisbären in der Ferne zusehen, der hinter seiner Mutter tollpatschig hertapst.

Jetzt nach dem arktischen Sommer haben sie noch für kurze Zeit die Möglichkeit, auf dem dünnen Meereseis vor der gut 30 Meter hohen Gletscherkante – bevor es schmilzt – zu einem Eisloch zu gehen, das von einer Robbe zum Luftholen offengehalten wird. Hier wird die Königin der Arktis stunden- oder tagelang geduldig warten, bis die Robbe auftaucht. Dann schlägt sie gnadenlos mit ihren Krallen blitzschnell zu und zieht ihr Opfer auf die Eisfläche, um es zu verspeisen.

So ein kleines Eisbärbaby kann auch für Menschen schon eine tödliche Gefahr darstellen, erfahre ich später am Nachmittag von Heiko, unserem Expeditionsleiter. Da steht er, mit einem Großwild-Gewehr und einer Signalpistole bewaffnet, neben unserer Reisegruppe nach der Anlandung an der alten Trapperstation Camp Zöe im Krossfjorden und hält aufmerksam Ausschau nach den äußerst gefährlichen Raubtieren. Dabei kann einer dieser mächtigen, 350 bis 700 Kilogramm schweren, hungrigen Eisbären hinter einem Hügel oder Eisbuckel auf der Lauer liegen.

Gut beschützt von Heiko und seinen sechs bewaffneten Mitstreitern, schaue ich mir die Trapperhütte hier in der absoluten Wildnis an. Sie wurde von Henry Ruid, dem „Eisbärkönig“, im Jahre 1911 erbaut und diente als Jagd-Außenstation für den charismatischen englischen Geschäftsmann Ernest Mansfield.

Der hatte auf Blomstrandhalvøya im Kongsfjord gegenüber von Ny-Åles Marmor gefunden und in London für den Abbau Geld gesammelt.

Mit Dampfschiffen brachten er und seine Mannschaft die notwendigen Gerätschaften nach Svalbard, wie Spitzbergen seit 1920 offiziell heißt. Und als die erste Ladung in London eintraf, da war der Permafrost entwichen und der kostbare Marmor in kleine Stücke zerfallen. Heute erinnern nur noch verrostete Maschinen, zwei Hütten sowie der Verladekran an diese nutzlose Unternehmung.

Wie wir dann hinüber nach Ny-Ålesund mit ihrer Bergwerksvergangenheit und heutigen internationalen Forschungsstationen schippern, muss ich im Liegestuhl an die vielen armen Menschen denken, die bis vor kurzer Zeit noch unter unmenschlichen Bedingungen in Kohlebergwerken schuften mussten.

Barentsburg am Grønsfjord ist noch heute ein Beispiel dafür. 1912 von Norwegern errichtet und heute überwiegend von Russen und Ukrainern bewohnt, wandeln wir zwischen alten, verfallenen Gebäuden und modernen, grell und bunt gestrichenen Plattenbauten.

Ein Musik- und Tanz-Ensemble im riesigen Kulturpalast lenkt vom schweren Alltag in den Kohlegruben ab. Da denke ich doch lieber an das herumtollende Eisbärbaby vor dem gigantischen Monacogletscher im kurzen arktischen Sommer.

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