Luxemburg : Hochofen im Herzogtum

Das Freizeitzentrum Coque in Kirchberg wurde von dem Architekten Roger Taillibert entworfen.
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Das Freizeitzentrum Coque in Kirchberg wurde von dem Architekten Roger Taillibert entworfen.

Das kleine Land Luxemburg lockt mit moderner Architektur und Industrieromantik.

svz.de von
20. August 2016, 12:00 Uhr

Schwarzgeld und Steueroasen, das verbinden viele mit der kleinen Nation. Und wenn man dem etwas Positives abgewinnen will: einige der schicksten Gebäude existierten sicher nicht ohne die Finanzindustrie. Allem voran die von Francois Valentiny entworfene Fassade der KPMG im Stadtteil Kirchberg, von Einheimischen liebevoll Apfelstrudel genannt. Der Stadtteil, der in den 1950er Jahren vor den Toren der City hochgezogen wurde, steht für den Aufschwung Luxemburgs. Damals reichte der Platz in der Innenstadt weder für die expandierenden Banken noch für die Institutionen der Europäischen Union, also ging es raus aufs Land. Oder wie es der Bankangestellte Henri Juda, 68, formuliert: „In Kirchberg war früher nix. Das war Land, welches noch nicht einmal die Bauern wollten.“

Das hat sich mittlerweile geändert: Heute kostet dort der bebaute Apartment-Quadratmeter 9000 Euro. Interessant ist nicht nur das Bankenviertel, insgesamt residieren im Herzogtum rund 145 Banken, sondern auch das muschelförmige Freizeitcenter Coque, das Museum für Moderne Kunst Mudam und die Philharmonie. Christian de Portzamparc entwarf das rund 110 Millionen Euro Konzerthaus, 2005 wurde es eröffnet. Von außen mutet das spitz zulaufende Gebäude mit 823 Säulen wie ein riesiger Ozeandampfer an, im Innern verstärkt der schräge Boden das Gefühl, sich auf einem schwankenden Schiff zu befinden. Das Museum Mudam, entworfen von Ieoh Ming Pei, beherbergt mit Werken des Belgiers Wim Delvoye eine Maschine, die schön, aber sinnfrei ist: Die „Cloaca“ simuliert die menschliche Verdauung – mit allem, was dazu gehört.

Im Süden an der Grenze zu Frankreich liegt Rümelingen. Bis in die 1960er Jahre schufteten dort die meisten Männer im Bergbau. Geschichtslehrer Denis Klein bringt als ehrenamtlicher Führer im Nationalen Bergbaumuseum Besuchern auf eindrückliche Art den „Pfeilerbruchbau“ näher. Besonders hart waren die Arbeitsbedingungen vor dem Zweiten Weltkrieg, Helme oder Sicherheitsschuhe gab es nicht, die Bergarbeiter waren Subunternehmer und arbeiteten im Akkord auf eigene Rechnung. Klein: „Die letzte Mine schloss 1981, insgesamt starben 1477 Arbeiter während eines Jahrhunderts Eisenerzabbau in Luxemburg.“ Auch in Belval („schönes Tal“), einem Stadtteil von Esch-sur-Alzette, prosperierte einst Luxemburgs Eisenerzindustrie, übrig geblieben sind nur noch die Hochöfen. Um das Industrieerbe herum hat sich eine neue Siedlung samt Universität gebildet. Die Architektur mutet futuristisch an, die einzige Bank residiert in knallrot – im größten Gebäude des Viertels.

Allgemein: www.visitluxembourg.com, die Luxemburg-Card enthält den Eintritt in über 70 Museen und die Nutzung aller Busse und Bahnen des Landes, inkl. ist auch das Sportbad www.coque.lu/ www.visitluxembourg.com/de/luxembourg-card
Sehenswert: 2std. Führung inkl. Fahrt mit dem Zug in die Mine im Nationalen Bergbaumuseum (9,50 Euro), www.mnm.lu. Besuch der stillgelegten Hochöfen Belvals (5 Euro), geführte Tour (7 Euro). www.belval.lu/de/belval/geschichte, www.fonds-belval.lu
 
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