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Tätowierkunst der Maori : Geschichten aus Nadelstichen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Ta moko, die traditionelle Tätowierkunst in Neuseeland, erlebt seit Jahren eine Renaissance.

svz.de von
erstellt am 22.Jul.2017 | 16:00 Uhr

„Tätowierungen sind für mich wie Lebensgeschichten“, sagt Gordon Toi. „Wenn ich jemanden ohne Tattoo sehe, ist er für mich wie ein weißes Laken. Ich frage mich: Hat er keine Geschichte, die er mir erzählen kann?“ Der vom Unterschenkel bis zum Kinnbart tätowierte Maori streicht sich über den reich verzierten Oberarm. Gordon Tois Haut kann viele Geschichten erzählen. „Als ich Ende der 80er-Jahre begonnen habe, Ta moko, die Körperkunst der Maori zu lernen, war darüber kaum etwas bekannt“, sagt Toi. Seine Künstlerkarriere begann als Holzschnitzer. „Jahrhundertelang wurde die Kultur der Maori von Kolonisierung und Religion unterdrückt“, sagt Toi. „inzwischen erlebt die alte Kunst eine wahre Renaissance. Immer mehr Leute wollen ein Ta moko und werden so zu Botschaftern in aller Welt.“ Gordon Toi wirkte als Schauspieler und Künstler auch an den Filmen „Das Piano“ und „Whale Rider“ mit.

Gemälde von Gottfried Lindauer, 1890.
Gemälde von Gottfried Lindauer, 1890. Foto: Schumacher

Vor der Ankunft der Europäer trugen fast alle hochrangigen Maori Tattoos. Koru, das häufigste Motiv, das einen sich entrollenden Farnwedel zeigt, ist zum Symbol für das neue Selbstbewusstsein der Neuseeländer geworden. Ob als Spirale oder entfaltetes Blatt: Der Silberfarn ist mittlerweile in Neuseeland allgegenwärtig – längst nicht mehr nur als Motiv auf den Oberarmen und Waden.

Wer das Neuseeland kennenlernen möchte, das die Maori einst entdeckten, als sie mit ihren Kanus in Aotearoa, dem „Land der langen weißen Wolke“ strandeten, erkundet am besten die Südinsel. Im Kahurangi-Nationalpark im wilden Nordwesten hat sich der ursprüngliche Farnwald fast wie zur Zeit der ersten Eroberer erhalten. Wer es abenteuerlicher mag, steigt auf die schneebedeckten Gipfel in Fiordland, im Mount Aspiring-Nationalpark oder erklimmt gleich den majestätischen Mount Cook, mit 3724 Metern der höchste Berg des Landes. Nicht selten landen begeisterte Neuseeland-Touristen vor ihrer Rückreise noch schnell in einem der Tätowier-Studios wie dem von Gordon Toi. Euphorisch von all den neuen Eindrücken und Begegnungen lassen sie sich vor ihrer Abreise zurück in den Alltag noch ein Stück neu entdeckter Lebensgeschichte in die Haut stechen. Es braucht längst keine Kanus mehr, um die Kunst der Maori bis ans Ende der Welt zu tragen.

Prachtexemplar des Silberfarns im Kahurangi-Nationalpark.
Prachtexemplar des Silberfarns im Kahurangi-Nationalpark. Foto: Schumacher
 

Reise-Informationen:

  • Anreise: Zum Beispiel mit Air New Zealand, der nationalen Fluglinie der Kiwis, über London und Los Angeles nach Auckland, www.airnewzealand.com
  • Wanderungen: Neuseeland ist bekannt für seine Great Walks, neun bestens in Stand gehaltene und gut ausgeschilderte Wanderwege in den schönsten Naturlandschaften. Der Heaphy Track führt durch einen der ursprünglichsten Farnwälder des Landes und entlang der wilden Nordwestküste im Kahurangi-Nationalpark, www.greatwalks.co.nz. Wer seinen Proviant nicht selber schleppen und dabei noch mit bester regionaler Küche verwöhnt werden möchte, ist bei Southern Wilderness Guided Gourmet Walks richtig, www.southernwilderness.com
  • Ta moko: Gordon Tois Maori-Tätowier-Studio „House of Natives“ im Aucklander Vorort Mangere steht auch Touristen offen, www.houseofnatives.gpcsupport.com
  • Weitere Infos: www.newzealand.com
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