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Reise und Tourismus

17. Oktober 2017 | 00:18 Uhr

Kanada : Geschichten aus Hummerland

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Tiefe Wälder prägen die kanadische Seeprovinz. Dort geht es nach Akadien, auf Bärensafari und manchmal auch auf unfreiwillige Elchpirsch.

svz.de von
erstellt am 15.Jul.2016 | 16:00 Uhr

Am frühen Morgen lacht der Himmel in strahlendem Blau über den schier endlosen, dichten Wäldern New Brunswicks. Ahornbäume und Tannen wachsen dort oft so dicht, dass sie ein Hindernis für die mächtigen Geweihe der Elche sind. Vielleicht deshalb steht dann auch ein solches Prachtexemplar plötzlich mitten auf der Straße. Ron, der Reiseleiter und Fahrer, bremst seinen Van gekonnt ab. Erschreckt nimmt das mächtige Tier reißaus und verschwindet hinter einem dieser alten, meist unbewohnten kanadischen Holzhäuser, die in der Einsamkeit verrotten.

Dieses weite, dünn besiedelte Land im Osten Kanadas besitzt neben tiefen Wäldern aber auch hübsche kleine Fischerdörfer, die vom Hummerfang und den Touristen leben. Die Besucher kommen meist aus benachbarten US-Staaten und fallen durch ihre gigantischen Wohnmobile auf, die hinten noch einen PKW angehängt haben.

In Shediac an der Shediac Bay, das sich Welthauptstadt der Hummer nennt, lebt Donald Clements. In dem kleinen Fischgeschäft von Denis Breau schmeißt Donald wie am Fließband stattliche Prachtexemplare von Hummer in ein riesiges kochendes Wasserbecken. Serviert werden sie im Restaurant dann meistens etwas nüchtern in einer Plastikschale. So wie bei Steve Bezeau auf Miscou Island. Bekannt ist Miscou nicht nur für Hummer, sondern auch durch die Sängerin Sandra Le Couteur, die stimmgewaltig französische Chansons ihres einst unterdrückten Volkes der Akadier präsentiert. Diese Nachfahren der französischen Einwanderer, die heute noch ungefähr ein Drittel der Bevölkerung von New Brunswick ausmachen, sind wirklich einen Besuch wert.

Dazu fahren wir an die Küste Le Pays de la Sagouine, wo eine Art Märchendorf der französischen Ureinwohner versteckt liegt. Die Siedler, die im 17. Jahrhundert aus Frankreich in die damalige französische Kolonie Akadien eingewandert waren, hatten nach der späteren Eroberung durch die Engländer kein angenehmes Leben. Viele wurden deportiert. Einige flüchteten in die tiefen Wälder. Wenige kamen Jahrzehnte später wieder in ihr Akadien zurück. Erst im Laufe des 19. Jahrhunderts kam es zu einer akadischen Renaissance, die darin gipfelte, dass New Brunswick heute der einzige kanadische Staat ist, der offiziell zweisprachig geführt wird. Im lebendigen Museumsdorf in der Nähe von Caraquet an der Chaleur-Bucht wurden 40 historische Häuser aus dem ganzen Land zusammengetragen.

Hier bekommen Besucher auf Höfen und Werkstätten einen guten Eindruck vom früheren Leben und Arbeiten der Akadier wie auch beim jährlich im August stattfindenden Kulturfest der Akadier, dem „Grand Tintamarre“, in Caraquet. Nach dem Fest legt sich wieder Stille über Akadien, ein Land mit vielen freundlichen Menschen, das geprägt ist von tiefen Wäldern, wunderschönen Küsten, Lagunen und Salzwiesen.

Weitere Infos: www.kanada-presse.de
Museumsdorf der französischen Ureinwohner: 57, rue Acadie, Bouctouche, (abseits Rte 134), E4S 2T7 Canada, geöffnet Ende Juni-August tgl. 10-17.30 Uhr, Eintritt 17 Dollar, www.sagouine.com/en/
Historisches Akadiendorf: www.villagehistoriqueacadien.com; Festival der Akadier „Grand Tintamarre“ findet immer Anfang August in Caraquet statt: www.festivalacadien.ca/en



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