Reise-Tipp : „Game of Thrones“ auf der Spur

Die Schautafel erklärt, welche Filmarbeiten im Hafen von  Ballointoy stattfanden.
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Die Schautafel erklärt, welche Filmarbeiten im Hafen von Ballointoy stattfanden.

In Nordirland, wo Szenen der Fernsehserie aufgenommen wurden, entdecken Fans aus aller Welt noch weitere bekannte Drehorte.

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01. August 2015, 16:00 Uhr

Vor wenigen Jahren war es noch ruhig im Wald. Doch dann kamen die Krieger von Winterfell und schnell war es mit der Ruhe vorbei. Seit Szenen von „Game of Thrones“ im Tollymore Forest gedreht wurden, zieht der Ort Tausende von Touristen an, die in ihren Ferien gerne Drehorte der Fernsehserie aufsuchen. „Die Urlauber kommen aus der ganzen Welt zu uns“, sagt Andy Porter, Tour-Guide bei Winterfell Tours in Nordirland. Er hatte nicht geahnt, was der Erfolg der Serie für seinen Wald bedeuten sollte. Doch nun freut er sich über die vielen Besucher.

„Ok, auf geht’s zum nächsten Drehort!“ Während Andy Porter früher gewöhnliche Wandertouren begleitete, trägt er heute eine große Mappe mit Bildern durch den Wald. Darauf sind Szenenfotos zu sehen. „Genau hier stand Bran Stark“, sagt der Touristenführer und hält dabei das Foto hoch. Er weiß es ganz genau, weil er beim Dreh hin und wieder dabei war. Ein besonderes Privileg, weil die Drehorte ansonsten meistens abgesperrt werden. „Zehn Wochen lang hat das Team den Wald im September in ein Schneekleid gesteckt, um dann nur wenige Minuten der Serie zu drehen“, erzählt Porter, der erklärt, warum die Serie so beliebt ist: „Alles ist möglich! Auch Hauptcharaktere, mit denen man sich identifiziert, können sterben. Das macht die Serie so spannend.“

Dabei sein ist alles, gilt bei den Fans, die nach Nordirland kommen, nicht zwangsläufig. Eher: Dort gewesen sein, wo die Stars waren. Das reicht schon aus. Diese Art von Tourismus, bei der Schauplätze gesucht werden, die man aus Film und Fernsehen kennt, ist so alt wie das Fernsehen selbst. In Schleswig-Holstein weiß man zum Beispiel in Kappeln – auch bekannt als Deekelsen – seit über 20 Jahren ein Lied davon zu singen. Alle wollen die Praxis vom Landarzt sehen, auch wenn er mittlerweile nicht mehr praktiziert. In Nordirland lernt man den Drehort-Tourismus nun kennen – und man lernt ihn zu nutzen. Nicht nur Andy Porter bietet Touren an. Viele Reiseveranstalter fahren Fans mit Bussen durch das kleine Land im Norden der irischen Insel.

Der Tollymore Forest ist dabei nur ein Zwischenstopp von vielen. Besonders beliebt ist das nahe gelegene Castle Ward, das mittlerweile häufiger als Burg Winterfell bezeichnet wird. Das mittelalterliche Gebäude diente als Drehort des Herrschaftssitzes der Familie Stark. Hier können Touristen Kostüme anziehen und mit Pfeil und Bogen schießen, um sich wie die Helden von „Game of Thrones“ zu fühlen. Sicherlich bietet nicht nur dieser historische Ort eine gute Kulisse, aber warum entschied sich die Produktionsfirma, gerade in Nordirland zu drehen? „Alle Drehorte sind nahe der Hauptstadt Belfast und damit schnell zu erreichen“, erläutert Porter. Das sei wichtig, wenn man mit einem großen Filmteam arbeitet. Außerdem gibt es in Belfast eines der größten Filmstudios Europas, die Titanic Studios, wo zahlreiche Innenaufnahmen der Serie entstanden sind.

Und hier wird es auch für Touristen interessant, die mit der Fernsehserie „Game of Thrones“ nichts am Hut haben. Denn in Sichtweite des Filmstudios steht ein neues Ausstellungshaus, in dem der Mythos der Titanic präsentiert wird. Das legendäre Schiff wurde in Belfast gebaut, bevor es 1912 nach einer Kollision mit einem Eisberg im Atlantik versank. Nachdem man sich auf fünf Etagen darüber informiert hat, kann man an genau die Stelle treten, an der die Titanic entstanden ist. Ein bewegender Moment. Schiffsbau spielt in Belfast heute keine Rolle mehr. Die Werft Harland & Wolff, damals die größte der Welt, restauriert Schiffe mittlerweile nur noch und produziert Windräder. Ihre zwei Lastenkräne erinnern dabei stark an den Kieler Hafen.

Von Belfast aus, das in der Vergangenheit durch den Nordirlandkonflikt negative Schlagzeilen machte und nun neue Hoffnungen in den Tourismus setzt, sind alle anderen Orte Nordirlands in kurzer Zeit zu erreichen. Auch die Sehenswürdigkeit Giant’s Causeway, eine Steinformation aus Basaltsäulen am Atlantik, die bisher nicht als Schauplatz von „Game of Thrones“ verwendet wurde. Hier sollte man genug Zeit einplanen, denn sobald man die knapp 40  000 größtenteils sechseckigen Steine der Unesco-Welterbestätte sieht, steht man erst einmal minutenlang mit offenem Mund regungslos davor. Und auch wenn man weitergehen kann, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Natürlich sind die Säulen von der Natur geschaffen – vor rund 60 Millionen Jahren kühlte flüssige Lava nach einer vulkanischen Eruption an dieser Stelle ab und erstarrte zu den bizarren Gesteinsformationen – aber die alternative Entstehungsgeschichte, in der ein Riese sie ins Wasser warf, um eine Brücke nach Schottland zu bauen, um dort einen anderen Riesen anzugreifen, der ihn verhöhnt hatte, ist viel leichter zu verstehen.

Die vielen Eindrücke lässt man am besten bei einem gemütlichen Abendessen Revue passieren. Möglichkeiten dazu gibt es mehr als man denkt, denn die irische Küche hat sich enorm gemausert. Feine Fleisch- und Fischgerichte, dazu knackiges Gemüse und schmackhafte Kartoffeln.

Und wenn man am Tisch sitzt, spielt „Game of Thrones“ wieder eine Rolle, denn viele Restaurants bieten spezielle Menüs passend zu der Serie an. So etwa das Ballygally Castle (keine Angst vor dem Schlossgespenst) nördlich von Belfast oder die Gaststätte The Cuan, in der Nähe von Winterfell, beziehungsweise Castle Ward. Hier speisten und wohnten übrigens auch die Schauspieler der Serie während ihrer Dreharbeiten.

Sven Bohde

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