Mekong : Flussreise von China nach Vietnam

Das Schiff kann hier direkt an den Felsen anlegen.
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Fotos: dpa

Mit der Magie des Mekong durch eindrucksvolle Landschaften und zu gastfreundlichen Menschen.

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05. Juni 2015, 16:36 Uhr

Wie ein Versprechen klingt für viele Reisende der Name Shangri-La, ein mythischer Ort paradiesischen Glücks. Doch dahinter verbirgt sich eine gewöhnliche chinesische Stadt in der Provinz Yunnan. Hier verlässt der Mekong, der große Strom Südostasiens, das tibetische Hochland. Dann bahnt er sich seinen Weg weiter durch den Südwesten Chinas.

Shangri-La ist nur eine von vielen Städten am Ufer. Bis 2001 hieß sie Zhongdian und war völlig unbekannt. Mit dem mythischen Namen wollen die lokalen Behörden Touristen anlocken. Aber das verschweigt Herr Hu, der Reiseführer, lieber. Immerhin lohnt der Besuch des Sungtseling-Klosters, hoch über der Stadt, in dem rund 400 buddhistische Mönche leben.

Erst ab Jinghong wird der Mekong schiffbar. Und das auch nur deshalb, weil die Chinesen Felsen aus dem Flussbett gesprengt und Staudämme gebaut haben. Später bildet der Fluss über 200 Kilometer eine natürliche Grenze zwischen Laos und Myanmar. Am Goldenen Dreieck, wo Thailand, Myanmar und Laos aneinandergrenzen, zeigt die Hall of Opium, wie Schlafmohn angebaut und zu Drogen verarbeitet wurde. Das vom thailändischen Königshaus gestiftete Museum ist Teil eines Projekts, das die Abhängigkeit der Menschen vom Schlafmohnanbau beenden und wirtschaftliche Alternativen ermöglichen soll.

Vom Goldenen Dreieck fließt der Mekong breit und ruhig dahin. Von hier starten auch kleinere Kreuzfahrtschiffe, und Touristen können einen der landschaftlich schönsten Flussabschnitte vom Boot aus genießen. „Der Mekong ist nicht leicht zu befahren“, erklärt Kapitän Khampet (Foto). Das Schwierigste sind die extrem unterschiedlichen Wasserstände: Der Pegel kann hier bis zu zwölf Meter schwanken. In der Trockenzeit gibt es nur schmale Fahrrinnen, in der Regenzeit müssen Stromschnellen umschifft werden. Rechtzeitig vor Einbruch der Dunkelheit sucht der Kapitän deshalb nach einer Sandbank zum Ankern. Dann ist Zeit für das Abendessen. Chefkoch Ti und seine Helfer haben Hühnersuppe mit Ingwer gekocht, dazu gibt es Reis mit Gemüse und einer scharfen Tjäo-Sauce.

Anker lichten, heißt es früh am Morgen. Der Dschungel reicht bis an die Ufer heran, und von Zeit zu Zeit sind auch die Hütten der in kleinen Dörfern lebenden Bauern zu sehen. Manchmal tauchen Elefanten auf – die Arbeitstiere bugsieren schwere Teakholzstämme ans Ufer. Ganze Hügel sind abgeholzt, weil Teak viel Geld bringt.

Bei Pak Tha ankert das Boot für einen Dorfbesuch. Hier scheint die Zeit im Mittelalter stehen geblieben zu sein. Aus den Bambushütten kommen halbnackte Kinder. Scheu bestaunen sie die Fremden und freuen sich, wenn sie ihr Konterfei in den Displays der Kameras betrachten. Einige Kilometer weiter flussabwärts werden die Gäste herzlich empfangen. Die Dorfältesten von Thanoon haben sich unter einem Bambusdach versammelt, ein Zeremonienmeister murmelt Gebete. Einheimische und Touristen berühren das Tablett mit aufgetürmten Opfergaben, schließlich bindet jeder jedem einen weißen Bindfaden ums Gelenk, eine Zeremonie nach einem alten laotischen Volksglauben. Der besagt, dass die guten Geister angebunden werden müssen, damit sie nicht aus dem Körper fliehen.

„Pak Ou!“, ruft der Kapitän und deutet auf einen Felsvorsprung. „Das müsst ihr Euch anschauen!“ Er legt mit dem Boot direkt an den Felsklippen an. Stufen führen steil nach oben. Hinter einem kleinen Eingang verbirgt sich in einer riesigen Kalksteinhöhle einer der wichtigsten Wallfahrtsorte des Landes. Tausende Buddha-Statuen schimmern im Dämmerlicht. „Sie bewachen den Fluss, seine Geister und seine magischen Kräfte“, so der Kapitän.

30 Kilometer flussabwärts liegt Luang Prabang, die alte Königsstadt von Laos. Schon am Morgen sind Hunderte Mönche mit ihren Bettelschalen unterwegs. Frauen kommen aus den Häusern und füllen Reis und andere Speisen in die Gefäße. Mit ihren goldglänzenden Tempelbauten, dem Königspalast und weiteren 600 denkmalgeschützten Häusern ist das zum Weltkulturerbe gehörende Luang Prabang einer der Höhepunkte am Mekong. In der heutigen Hauptstadt Vientiane, für die meisten Kreuzfahrten Endpunkt ihrer neuntägigen Passage, genügt ein Stadtbummel, um Sehenswürdigkeiten wie das Nationalheiligtum That Luang und den fotogenen Triumphbogen zu besichtigen.

In Vat Phou lohnen die von den Khmer angelegten Tempel einen Besuch. Der Wasserfall Khone Liphi/Khone Pha Phaeng ist der touristische Höhepunkt, bevor der Mekong seine Reise durch Kambodscha beginnt. Dort ist ein Ausflug nach Siem Reap Pflicht. Der letzte Flussabschnitt führt in den Süden Vietnams, wo sich der Mekong aufteilt und ins Südchinesische Meer strömt. Den Menschen im Delta bringt er ein Geschenk mit: Die Sedimente, die er mit sich führt, machen den Boden fruchtbar und sorgen für reiche Ernten.

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