Unterwegs in die Antarktis : Faszinierende Eis- und Tierwelt

Gigantisch: Über dem alten Walfängerort Grytviken auf Südgeorgien, wo der Harpunenwalfänger an früher erinnert, hat sich eine Wolkenformation aufgetürmt, die an Ufos am Himmel erinnert. Lenticularis nennen die Experten diese Wolken in Linsen-Formen.  Fotos: SIMONE FLÖRKE
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Gigantisch: Über dem alten Walfängerort Grytviken auf Südgeorgien, wo der Harpunenwalfänger an früher erinnert, hat sich eine Wolkenformation aufgetürmt, die an Ufos am Himmel erinnert. Lenticularis nennen die Experten diese Wolken in Linsen-Formen. Fotos: SIMONE FLÖRKE

Mit dem Expeditionsschiff vom südamerikanischen Ushuaia über die Falklandinseln bis zur Antarktischen Halbinsel

svz.de von
09. Februar 2019, 16:00 Uhr

Ushuaia | Die Lautstärke ist ohrenbetäubend. Der Geruch durchdringend. Der Anblick überwältigend: Königspinguine bis zum Horizont. Mehrere zehntausend Paare brüten hier in den Salisbury Plains auf Südgeorgien. Die Insel, von James Cook Ende des 18. Jahrhunderts nach seinem König benannt und auf dem Weg von den Falklandinseln zur Antarktis gelegen, ist ein Tierparadies.

Die aufwendige Vorbereitung für unseren Landgang mit den Schlauchbooten (Zodiacs) hat sich mehr als gelohnt. Hose, Jacke, Stiefel und Rucksack wurden zuvor im Salon auf dem Expeditionsschiff Plancius von rechts auf links gekrempelt und mit starken Staubsaugern gesäubert. Damit wir keine fremden Pflanzen, Saatgut oder andere Dinge einschleppen. Südgeorgien hat sich nach jahrzehntelangem Leiden unter fremden Arten erholt.

Kommen und Gehen

Hier wollen wir die großen Vögel sehen: Pinguine. Nachdem beim Stopp auf den britischen Falklandinseln schon die lautstarken Esels- und Felsenpinguine unsere Wanderwege gekreuzt hatten, sind es nun die größeren Könige mit ihren gelb- bis tieforangefarbenen und in der Sonne leuchtenden Zeichnungen auf dem Gefieder an Hals und Kopf.

Auch Jungtiere in ihrem hellbraunen Flauschgefieder stehen in der Gruppe. Andere sind mitten in der Mauser und dürfen bei dieser energiefressenden Phase nicht gestört werden. Immer wieder sehen wir schmunzelnd Vögel, denen die Natur in dieser Zeit eine besondere Frisur verpasst hat. Im Wasser davor ist ein ständiges Kommen und Gehen der Koloniebewohner, die durchs Wasser flitzen.

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Die Vögel haben keine Angst vor Menschen, marschieren im Gleichschritt einzeln oder in kleinen Gruppen an uns vorbei. Possierlich watschelnd, stolz im schwarzen Frack. Stundenlang können wir hier zuschauen, wie sich das Leben in der Kolonie abspielt. Doch wir müssen weiter. Nach Süden. Die Antarktis ist das Ziel.

Die Antarktis kann man nicht beschreiben. Die Antarktis ist ein Gefühl.

„Die Antarktis kann man nicht beschreiben. Die Antarktis ist ein Gefühl.“ Das sagt Andrew, der Expeditionsleiter aus Australien, der uns mit seinem Team von Wissenschaftlern und Lektoren die gut drei Wochen und mehr als 6.500 Kilometer von Ushuaia an der Südspitze Argentiniens über die Falklands, Südgeorgien, Südorkneys bis auf die Antarktische Halbinsel und zurück über die turbulente Drake-Wasserstraße begleitet.

Auf der 89 Meter langen Plancius, einem eisverstärkten Schiff des Polarexpeditionsanbieters Oceanwide Expeditions aus den Niederlanden. Auf den Spuren der Walfänger und Entdecker wie dem Briten Sir Ernest Shackleton, der hier in der Walfänger-Geisterstadt Grytviken begraben liegt

Auf historischen Spuren

Klar, dass wir an seinem Grab auf den „Boss“ anstoßen, der nach dem Scheitern seiner Endurance-Expedition mit fünf Kameraden von Elephant Island mit einem kleinen Boot durchs Südpolarmeer Richtung Südgeorgien aufbrach, um den Rest der Mannschaft zu retten.

Wir sind auf seinen Spuren, besuchen auch den Wasserfall nahe Stromness, an dem sich die verzweifelten Retter auf dem Weg zurück in die Zivilisation in diese Walfänger-Siedlung noch abseilen mussten. Dazu diese faszinierende Tierwelt, die immer wieder sprachlos macht: Buckelwale und Orcas, Pelzrobben, Seelöwen und Seeelefanten am Strand zwischen dem dunkelgrünen Tussock-Gras, Seeleoparden und Krabbenfresserrobben, Albatrosse und Sturmvögel sowie sechs Pinguin-Arten.

„Groß machen, laut werden“

Neugierig beäugt der Seelöwennachwuchs die Besucher. „Groß machen, laut werden“: So lautet der Rat des Expeditionsteams. Okay, aber nicht so einfach, wenn der nächste kleine Kerl schon wieder von hinten einen Angriff auf die Wandergummistiefel startet. Von den kleinen Zähnchen in den Mäulern der Seelöwen-Kids geht keine Gefahr aus. Aber die Mamas sind nicht weit. Und deren Zähne sind weitaus größer. Fünf bis zehn Meer Abstand halten zu den Tieren, so lautet die Maxime bei Landgängen.

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Der eisige Kontinent macht seinem Namen alle Ehre, als wir nach der Durchfahrt des faszinierenden Antarctic Sounds mit gigantischen Eisbergen am Brown Bluff den Fuß erstmals auf die Antarktis setzen: Es stürmt und schneit. An Land müssen wir uns zunächst zu Fuß durch Berge mehrjährigen Eises kämpfen, bis wir den breiten Küstenstreifen am Fuße der „Braunen Klippe“ erreichen. Dazwischen liegen Weddell-Robben und Seeleoparden, die sich haben einschneien lassen und von den braun-grauen Felsen drumherum kaum zu unterscheiden sind.

Orcas kreuzen den Weg

Nur bei den quirligen Adélie- und Eselspinguinen tobt auch bei diesem Wetter das Leben. Auf dem Weg zu den Frackträgern von Cuverville Island kreuzen dann noch einige Orcas unseren Weg und begleiten die Plancius fast eine halbe Stunde. Letzte Station auf dem aufgewühlten Südpolarmeer ist Deception Island: Ein ehemaliger aktiver Vulkan, dessen Magmakammer in der Mitte zusammengekracht ist und sich mit Seewasser gefüllt hat: Als wir uns durch Neptuns Blasebalg („Neptun“s Bellow“), den schmalen Zugang, mit dem Schiff hineinquetschen, wird die See in der Caldera schlagartig ruhig.

Von gefährlich bis niedlich: Von Orcas über Pelzrobben- oder Pinguin-Jungtier im Schneesturm: Auf der Antarktischen Halbinsel gibt es Tausende Fotomotive.
Von gefährlich bis niedlich: Von Orcas über Pelzrobben- oder Pinguin-Jungtier im Schneesturm: Auf der Antarktischen Halbinsel gibt es Tausende Fotomotive.
 

Wir wandern nach der Anlandung an der Telefon Bay hinauf auf die enormen Lava-Felder an den Rändern des alten Vulkans. Viel zu schnell müssen wir zurück, weil sich ein Sturm anbahnt – über die Drake-Passage mit 65 Knoten Wind und meterhohen Wellen. Die beruhigen sich auf dem zweiten Teil der Passage Richtung Südspitze Südamerikas. Und so erleben wir beides: Drake Shake und Drake Lake.

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