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Reise und Tourismus

17. Dezember 2017 | 07:30 Uhr

Gipfel : Expedition Zugspitze

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Von Tirol nach Bayern – auf Deutschlands höchsten Gipfel.

svz.de von
erstellt am 26.Sep.2014 | 20:54 Uhr

Die Zugspitze ist mit 2 962 Metern nicht nur Deutschlands höchster Berg. Sie steht auch in dem Ruf, einer der launischsten zu sein. Eben strahlte der Gipfel noch freundlich in unschuldigem Weiß auf uns herab. „Das wird heute sicher nichts”, sagt Thomas Bader (50), Tiroler Bergführer mit jahrzehntelanger Zugspitz-Erfahrung skeptisch. Der Plan: da oben rauf, zu Fuß. Thomas weiß, dass sich das Wetter innerhalb der nächsten Stunden dramatisch ändern wird – deshalb baut er schon mal vor. „Nicht, dass Ihr nachher enttäuscht seid.“

Wir gehen trotzdem erstmal los. Start in Lermoos, Tirol. Der Berg, zumindest der obere Teil, ist längst in den Wolken verschwunden. Unten bläst ein leichter Nieselregen über Wiesen und Fichtenwälder. Oben auf knapp 3 000 Metern fällt die Temperatur schlagartig auf vier Grad minus, innerhalb weniger Stunden hat es 25 Zentimeter Neuschnee. Keine Chance, Gipfeltour auf morgen verschoben.

Bergführer Thomas hatte es ja geahnt, gewusst. „Dann zeig ich Euch jetzt meine Heimat“, sagt er. Ehrwalder Alm (1 502 Meter). das weiße Gebäude ein paar hundert Meter oberhalb der Seilbahnstation war früher Stützpunkt der Gebirgsjäger. Der Seebensee (1 657 m) leuchtet selbst jetzt, bei grauem Himmel. Weiß, türkis, tiefblau. Am Rande des Bergsees führt ein hölzerner Steg über das Wasser. „Bei schönem Wetter spiegelt sich hier sogar die Zugspitze drin“, sagt Thomas. Bei schönem Wetter. Man kann eben nicht alles haben.

Die Morgensonne lässt die gestern unsichtbaren Gipfel erstrahlen. Der Pfad windet sich über grüne Matten. Heute haben wir sogar zwei Bergführer. Thomas und Robert Krinninger (52), deutscher Kollege aus Garmisch-Partenkirchen. Beide arbeiten seit langem in der Region, sind einander bisher nie begegnet. Und verstehen sich auf Anhieb. Fast wie ein Sinnbild für das Zugspitz-Thema. Der Berg, der eigentlich zwei Berge ist. Der die beiden Nachbarn Deutschland und Österreich immer verband – aber gleichzeitig auch trennte. Der Gipfel gehört zu Deutschland, große Teile der südwestlichen Flanke zu Österreich. Es gibt eine bayrische und eine Tiroler Zugspitzbahn, jede Seite hat ihre eigenen Fremdenverkehrsorganisationen, ihre eigenen Bergführer und -retter. Ab sofort machen Bayern und Tirol - mit Unterstützung durch die EU - auch im Tourismus verstärkt gemeinsame Sache. Zugspitz Arena Bayern-Tirol heißt das. Kombi-Ticket für die Bergbahnen, gemeinsamer Skipass, grenzübergreifende Angebote.

Der Anstieg führt durch eine felsige Scharte zum Gatterl (2 024 Meter). Dieses kleine Felsentor ist tatsächlich mit einem Gatter versperrt. Hier endet Österreich, beginnt Deutschland. Hinter dem ovalen Grenzschild, schwarzer Adler auf gelbem Grund, erstreckt sich einer der wohl schönsten Blicke auf die Bundesrepublik. Das fantastische Panorama zeigt das ganze verschneite Zugspitzplatt mitsamt Gipfel und Jubiläumsgrat, eine bizarre Felsenkette. Knapp tausend Höhenmeter sind es noch bis nach oben. Erst über Geröll, dann Schnee. Die Sonne brennt. Ohne Kappe, Sonnenbrille und eine ordentliche Portion Sonnencreme ist man hier verloren.

Der Gipfel. Hier kommen die Wenigsten zu Fuß rauf. Die Tiroler und die Bayerische Zugspitzbahn katapultieren täglich bis zu viertausend (!) Touristen nach oben. Asiaten in Flipflops fotografieren, ihre Kinder rasten vor Freude über den Schnee aus. Plötzlicher Eisnebel hüllt die Souvenirbuden ein.

Thomas, der Tiroler Bergführer, und sein bayrischer Kollege Robert schauen ins Tal, fachsimpeln über Wanderrouten und -erlebnisse. Als würden sie schon ewig gemeinsam auf Tour gehen. Das Trennende verblasst, auch hier oben auf knapp 3 000 Metern wächst Europa auf ganz pragmatische Weise noch ein Stück mehr zusammen.


Reise-Informationen:

www.zugspitzarena.com,

www.gapa.de, www.grainau.de



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