Volldigitaler Check-in : Ende der Zettelwirtschaft

Auslaufmodell? Künftig könnte sich an der Hotelrezeption einiges ändern.  Foto: Srt
Auslaufmodell? Künftig könnte sich an der Hotelrezeption einiges ändern. Foto: Srt

Neues Gesetz: Ab kommendem Jahr muss der Hotelgast beim Einchecken nicht mehr vor Ort auf Papier unterschreiben

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09. November 2019, 16:00 Uhr

Hans-Werner RodrianWer kennt das nicht? Ein Reisebus stoppt am Hotel. Und schon drängelt sich alles an der Rezeption. Jeder Gast muss persönlich seinen Meldeschein unterschreiben - in dreifacher Ausfertigung: Ein Blatt bleibt beim Gast, eines beim Hotel, das dritte geht an die Touristinfo des Ortes. Denn die will schließlich ihre Kurtaxe oder Tourismusabgabe haben.

Amtsvordruck ade, die aufwendige Handarbeit hat ein Ende: Nach dem gerade vom Bundestag beschlossenen “dritten Entbürokratisierungsgesetz“ darf der Hotelier ab kommendem Jahr auf die eigenhändige Unterschrift des Gasts verzichten. Der noch ausstehende Bundesratsbeschluss gilt als Formsache. Zumal ein Bundesland schon vorgeprescht ist: Mecklenburg-Vorpommern erlaubt bereits seit Mai die digitalen Meldescheine.

Der v war überfällig. Denn mehr als 90 Prozent aller Buchungen gehen heute per Internet ein. Und so sind die Gästedaten dem Hotel längst bekannt. Auf diese Weise lässt sich auch viel Papier sparen.

Nach Schätzungen des Hotelverbands IHA wurden bisher in Deutschland rund 150 Millionen Meldescheine pro Jahr gedruckt. Ganz ohne Unterschrift wird es aber auch künftig nicht abgehen. Die darf allerdings ab kommendem Jahr digital geleistet werden. Konkret schreibt der Gesetzgeber ein „alternatives Identifizierungsverfahren“ vor. Das bieten zum Beispiel ein Fingerabdruckautomat oder der neue elektronische Personalausweis.

Sind diese Voraussetzungen erfüllt, dann muss nichts mehr gedruckt werden. Der digitale Meldeschein ist vom Hotelier zwölf Monate aufzuheben und dann zu löschen.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden von 2007 bis 2017 in Deutschland fast 1,45 Milliarden Meldescheine ausgefüllt. Von nur einem einzigen wurden laut Bundesregierung Fingerabdrücke für die Strafverfolgung genommen.

Fälle, dass Meldedaten Kriminelle hinter Gitter brachten, sind überhaupt nicht bekannt. Dagegen muss bislang jedes Hotel wenigstens einmal im Quartal händisch Meldescheine aussortieren und vernichten, weil sie ein Jahr aufzubewahren und danach binnen drei Monaten zu vernichten sind.

Vorerst wird die papierne Arbeitsbeschaffung allerdings noch nicht ganz aufs Altenteil geschoben. Denn kein Gast muss Fingerabdrücke leisten oder einen E-Perso besitzen. Auch werden nicht alle Hoteliers gleich auf den digitalen Meldeschein umsteigen. Die Umstellung kostet schließlich mehrere tausend Euro und ist auch technisch nicht ganz unkompliziert. So wird es die Papierversion weitergeben.

Trotzdem stehen die Umsteiger bereits in den Startlöchern. Ein einfacher Grund dafür ist neue EU-Zahlungsdiensterichtlinie PSD2, die seit Oktober Gesetz ist. Danach muss, wer nicht bar bezahlt, vom Hotel sowieso “streng authentifiziert“ werden, zum Beispiel ebenfalls über digitalen Fingerabdruck oder elektronischen Personalausweis. So lassen sich fürs Hotel gleich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Ketten wie Steigenberger, Lindner und Leonardo sind bereits vorgeprescht. Gemeinsam mit Dienstleistern wie Hotelbird sind schon bisher Check-in-Lösungen im Einsatz, bei denen der Gast vollelektronisch einchecken kann. Bisher musste er aber noch irgendwann im Lauf seines Aufenthalts an der Rezeption vorbeischauen, um seinen Meldeschein zu unterschreiben. Das fällt jetzt weg. Für die Hotelbranche ist die Änderung auch wichtig, weil sie mehr Automatisierung möglich macht.

Nachteil: Verbraucherverbände weisen darauf hin, dass auch im papierlosen Meldeverfahren keine zusätzlichen Daten preisgegeben werden müssen. Erlaubt sind ausschließlich diese: Datum der An- und Abreise, Familienname, Vorname, Geburtsdatum, Staatsangehörigkeit, Anschrift, Zahl der Mitreisenden und bei Ausländern auch die Ausweisnummer.

Weitere Gästedaten dürfen nur abgefragt werden, wenn sie für das Erheben von Kurtaxen nötig sind. Welche das sein können, bestimmt jedes Bundesland individuell.

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