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Reise und Tourismus

21. November 2017 | 22:37 Uhr

Hudson Bay : Eisiges Schnorchelglück

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Beim Schnorcheln in der Hudson Bay in Kanada kommt man Beluga-Walen zum Greifen nah und kann mit ihnen singen.

So viel Wasser, so viel Himmel. Kanada ist groß, die Hudson Bay riesig. Churchill hingegen, die kleine Siedlung im hohen Norden der Provinz Manitoba ist nur ein winzig kleines Senfkorn in dieser unermesslichen Weite, über der sich ein azurfarbener Himmel spannt und das Wasser der Hudson Bay türkisfarben schimmert. Doch die Farben, die an palmenbewachsene Lagunen erinnern, sind trügerisch. Die Wassertemperatur der Bay beträgt selbst im August nicht mehr als 3 Grad, am Horizont treibt Packeis.

Auf der Bay wiegen Gummischlauchboote im Auf und Ab der Wellen. Auf einem sitzen wir, eingezwängt in dicke Neoprenanzüge, so genannten „Arctic Suites“. Die sollen vor der Kälte schützen. Jetzt sitzen wir im Schlauchboot, Schnorchelmasken in der Hand, konzentriert und angespannt.

Dann sehen wir sie, die elfenbeinfarbigen Leiber der Beluga-Wale. Jeden Sommer bevölkern Tausende von ihnen die Bay. Von dort schwimmen sie ins wärmere Wasser des Churchill River, um ihre Jungen zur Welt zu bringen. Belugas sind nicht so elegant wie Delphine, aber genauso neugierig und verspielt.

„Kanarienvögel des Nordens“ werden sie genannt, weil sich die Laute anhören wie das Zwitschern der Vögel. Unser Guide von Sea North Tours stoppt das Boot und schaltet den Motor aus. Und tatsächlich, wir hören sie. Ein hohes Pfeifen und Tschirpen dringt aus der Tiefe. Blasen steigen auf, wir sehen ihre eleganten weißen Rücken, ganz nah sind sie, dann taucht die Gruppe unter dem Boot hinweg. Soll ich wirklich springen? Wie werden sie reagieren? Ich zögere. Weitere Wale nähern sich pfeifend und gluckernd dem Boot. Ich springe. Mit einem satten Platsch lande ich im schillernd grünen Wasser. Im ersten Augenblick fühle ich nichts. Dann trifft mich die Kälte der Hudson Bay mit der Wucht eines elektrischen Schlags.

Adrenalin rauscht durch meinen Körper. Die Kälte ist vergessen. Jetzt will ich Belugas sehen. Und mit ihnen singen. Durch den Schnorchel hole ich tief Luft und presse die Lippen zusammen. Blubbernd imitiere ich das Pfeifen der Belugas. Ob sie mich wohl hören? Ja, doch, das Fiepen wird lauter. Ich gebe mir Mühe, wechsle von hohen zu tiefen Tönen, brumme und summe was meine Lungen hergeben. Bis ich erschöpft auftauche. Und mit einem Mal kommen sie! Ich sehe ihre weißen Rücken zwischen den Wellen und sie steuern direkt auf mich zu. Ich tauche meinen Kopf unter Wasser und rücke den Schnorchel zurecht.

Ein großer Wal schwimmt direkt unter mir. Als er mich entdeckt dreht er sich auf den Rücken und beäugt mich neugierig. Andere kommen, gleiten neben mir, drehen keck ihre Köpfe mir zu. Sanfte Riesen sind es, die mich vorsichtig umschiffen. Trotz ihrer unförmigen Köpfe und massigen Körper schweben sie wie grazile Elfenwesen durch das Wasser. Rundherum tschirpt und piepst es, als sängen wir Choräle in einen Unterwasserchor.

Als ich wieder zu den anderen ins Boot steige, zittere ich. Vielleicht vor Kälte, die ich völlig vergessen habe. Aber mehr wohl vor Freude über die wohl ungewöhnlichste Begegnung meines Lebens.

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