Eine Stunde weniger - Mini-Jetlag hat kaum negative Auswirkungen

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28. März 2008, 02:08 Uhr

Braunschweig - Eigentlich können gar keine Pannen passieren. Trotzdem wird Dirk Piester in der Nacht zum Sonntag (30. März) seinen Funkwecker kontrollieren, ob er tatsächlich um 2.00 Uhr früh auf 3.00 Uhr vorspringt und die Mitteleuropäische Sommerzeit (MESZ) anzeigt. Piester und seine Kollegen garantieren im Zeitlabor der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) den reibungslosen Ablauf der europaweiten Zeitumstellung. Die PTB wurde vor 28 Jahren im „Gesetz über die Zeitbestimmung“ als gesetzliche Hüterin der Zeit bestimmt und ist damit für die Umstellung der Uhren auf Sommerzeit am letzten Märzwochenende zuständig. „In der Nacht selbst müssen wir aber gar nicht viel tun“, sagt Piester.

Die hochkomplexen Atomuhren, unter ihnen die Masterclock CS2, sind auf Jahre so vorprogrammiert, dass sie den Langwellen-Sender DCF77 in Mainflingen bei Frankfurt am Main dazu veranlassen, um 2.00 Uhr das entsprechende Signal auszustrahlen. „Das Signal hat eine Reichweite von 2000 Kilometern und wird somit in ganz Europa empfangen“, erklärt Piester. „Selbst wenn in der entsprechenden Nacht deutschlandweit der Strom ausfällt, geht die korrekte Zeit nicht verloren.“ Die geräuschlosen, supergenauen Uhren laufen in diesem Fall mit Hilfe einer Batterie oder eines Generators weiter.

So beruhigend es ist, dass die korrekte Zeit nicht verloren geht, so bitter empfindet mancher den Verlust der Stunde. Immer wieder wird diskutiert, ob der Mini-Jetlag negative Auswirkungen hat. So gibt es beispielsweise die These, die Milchleistung von Kühen werde nach der Umstellung auf die Sommerzeit geringer.

„Nein, auf das Tagesgemelke hat diese eine Stunde, die früher gemolken wird, keinen Einfluss“, stellt Frank Zerbe vom Friedrich- Loeffler-Institut in Celle klar. Der Wissenschaftler am Institut für Tierschutz und Tierhaltung erklärt, wichtig sei nicht die konkrete Melkzeit, sondern ein gleichmäßiger Zeitabstand zwischen dem Melken. Das bestätigt auch Landwirt Harald Steen, der im ostfriesischen Osteel einen Betrieb mit 40 Kühen hat. „Ein früheres Melken verkraften die Kühe gut, zu spät ist eher problematisch, weil die Euter dann schon so prall gefüllt sind, dass sie auslaufen“, sagt er. „Kühe sind schon Gewohnheitstiere, aber eine Stunde verkraften sie gut.“

Prof. Dr. Gregor Eichele vom Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie in Göttingen sieht auch keine negativen Auswirkungen des Mini-Jetlags auf Menschen: „Es ist gerade das Besondere, dass wir uns an kleine Veränderungen, und eine Stunde ist eben eine kleine Veränderung, anpassen können.“ Der Wissenschaftler erforscht innerhalb von 24 Stunden immer wiederkehrende Veränderungen in unserem Körper, sogenannte zirkadiane Rhythmen. Eine Vielzahl biologischer Prozesse ist an den Tag-Nacht-Rhythmus gekoppelt, unter ihnen der Schlaf-Wach-Zyklus, der Blutdruck oder die Aufmerksamkeit.

Die meisten Europäer trauern ohnehin nicht der verlorenen Stunde Schlaf am letzten Märzwochenende hinterher. Sie sehen die Vorteile - etwa dass es abends länger hell bleibt. Der EU-Kommission zufolge plant kein Mitgliedsstaat, die Sommerzeit abzuschaffen oder die Bestimmungen der geltenden Richtlinie zu ändern. Im Abschlussbericht zu den Regelungen der Sommerzeit vom vergangenen November heißt es: „Abgesehen von der Begünstigung unterschiedlichster Freizeitaktivitäten und der Erzielung geringfügiger Energieeinsparungen fallen die Auswirkungen der Sommerzeit kaum ins Gewicht.“

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