Memphis Tessessee : Eine Stadt und ihre Legenden

Legendär: Das Sun Studio
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Legendär: Das Sun Studio

Memphis ist die Wiege von Soul, Blues und Rock’n’Roll: Außerdem war die Stadt das Zuhause von Elvis Presley.

svz.de von
14. Dezember 2014, 17:09 Uhr

Jerusalem mag die Welthauptstadt von drei Religionen sein, dafür ist Memphis die Wiege von drei Musikstilen. Blues und Soul wurden hier geprägt, vor allem aber der Rock 'n' Roll nahm in der Stadt in Tennessee seinen Anfang. Dabei hat man hier am Mississippi den größten Ruhm einem Mann zu verdanken, der gar nicht hier geboren wurde: Elvis Presley. Er prägt nach wie vor Memphis – und lockt jährlich Millionen Touristen an.

Der 80. Geburtstag des „King“ im Januar wird hier gefeiert, als wäre er ein Heiliger. „Er war der King. Und er ist es noch“, sagt Brandon Cunning. „Stunning Cunning“ ist selbst Musiker und verehrt Presley, der mit
13 mit seinen Eltern nach Memphis zog. „John Lennon hat mal gesagt, dass vor Elvis nichts gewesen sei. Und so war es auch. Er hat die Welt revolutioniert und die Folgen spüren wir noch heute. Jeden Tag.“

Cunning spielt abends in der Beale Street. Die wurde vor kurzem zur belebtesten Straße der USA nach der Bourbon Street in New Orleans gewählt. Hier reiht sich ein Club an den anderen, und von irgendwo her kommt immer Livemusik, selbst mitten am Tag. B. B. King’s Blues Club ist einer der bekanntesten Läden hier und hat geholfen, Memphis wieder nach oben zu bringen. „Nach dem Attentat auf Martin Luther King ging es uns verdammt dreckig“, sagt Clubmanager Thommy Peters. „Damals standen Panzer hier in der Beale Street und der Mord hat unsere Stadt über Jahrzehnte gelähmt.“ Erst in den Neunzigern sei es wieder aufwärts gegangen. „In kaum einer anderen Stadt der USA leben heute Schwarze und Weiße so harmonisch zusammen“, sagt Peters. „Und ich meine wirklich zusammen, nicht nebeneinander. Und das liegt an der Musik.“

Das Studio, in dem Elvis seine erste Aufnahme machte, gibt es noch. Im Sun Studio nahmen auch B. B. King, Ike Turner und Johnny Cash ihre frühen Platten auf. „Sam Phillips war eigentlich Radiomoderator. Aber die Musik war ihm zu langweilig und so eröffnete er sein eigenes Tonstudio“, erklärt Lhana Deering. Die Musikerin macht ihre Aufnahmen in dem Studio – nachts. Tagsüber gehört es den Touristen. Wer will, kann sich mit dem Mikrofon fotografieren lassen, in das Elvis gesungen hat.

Das „Hotel Chisco“ ist heute längst kein Hotel mehr. Das Haus sieht baufällig aus, aber es ist eine Wallfahrtsstätte. Von hier aus machte Dewey Phillips eine Radiosendung und legte im Juli 1954 die Platte „It's alright“ von einem Lastwagenfahrer namens Elvis Aron Presley auf. Er bekam mehr als 200 Anrufe und sogar Telegramme: Nochmal! 14 Mal spielte er den Song in der Nacht und brach eine Weltrevolution los. Mit dem Ruhm kam das Geld und Elvis kaufte Graceland. „Das hat 100  000 Dollar gekostet“, sagt Cunning. Damals war das viel Geld, und Elvis steckte noch die gleiche Summe in einen Umbau. Das Ergebnis: ein maßgeschneidertes Haus, das viel über Elvis sagt – und über seinen Geschmack. Graceland ist heute ein perfekt organisiertes Millionenunternehmen, ein Disneyland des Rock'n'Roll.

Gleich gegenüber dem Anwesen sind mehrere Restaurants und elf Souvenirläden, die alle das Andenken an Presley vermarkten. Und alles dreht sich um einen Jungen, der arm aufwuchs. Armut war auch der Grund für einen Streik der vor allem schwarzen Arbeiter der Stadtreinigung von Memphis. Unterstützung bekamen sie von einem Friedensnobelpreisträger: Martin Luther King. Am 4. April 1968 ging er abends auf den Balkon seines einfachen Motels. Plötzlich traf ihn ein Schuss. Eine Stunde später wurde er für tot erklärt. Das „Lorraine Motel“ ist heute das Museum der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung und wurde gerade für rund 17 Millionen Dollar umgebaut. Es schildert den Kampf der Schwarzen von ihrer Versklavung vor 400 Jahren bis heute. So erinnern heute ein Bus und ein Wrack – die durch geschickten Lichteinsatz zu brennen scheinen, an das Jahr 1961, als Wahlhelfer von Rassisten angegriffen wurden.

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