Granada : Ein Ort aus 1001 Nacht

Patio in den Gärten des Generalife – früher Sommersitz der Nasriden-Herrscher.
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Patio in den Gärten des Generalife – früher Sommersitz der Nasriden-Herrscher.

Im Herzen Andalusiens glänzt Granada mit außergewöhnlichen Kulturschätzen.

svz.de von
05. März 2016, 16:00 Uhr

Malerisch schlängelt sich das Flüsschen Darro zwischen grünen Ufern und begleitet wie ein dekoratives Accessoire den schmalen Pflasterweg der Carrera del Darro. Zu beiden Seiten des Wassers erheben sich mächtige Hügel, deren Bebauung den wohl spannendsten Teil aus Granadas Stadtgeschichte dokumentiert. Ein Kapitel, das geschrieben wurde zwischen 711, als die maurischen und arabischen Eroberer ins Land kamen, und 1492, da Granada als letzte islamische Hochburg fiel und die Rückeroberung Spaniens durch die Katholischen Könige ihren Abschluss fand. Knapp acht Jahrhunderte also, die ausreichen sollten, um aus einer unbedeutenden Siedlung eine strahlende Schönheit zu machen.

Ein ausgesprochenes Talent als frühe Stadtplaner bewies dabei die Dynastie der Nasriden, deren Begründer 1238 mit dem Wiederaufbau und der Erweiterung einer einstigen Festung den Grundstein legte für alkalat al-Hamrá, die aus roter Erde erbaute Burg. Generationen von Nasridenkönigen vervollkommneten die hoch auf dem südlichen der zwei Hügel thronende Alhambra, in deren Mauern neben der Zitadelle auch die Paläste der Sultane und eine heute nicht mehr existierende Stadt lagen.

Auch Jahrhunderte später ist der Zauber der „Roten Festung“ ungebrochen, was dem Unesco-gekürten Weltkulturerbe übers Jahr Massen an Besuchern beschert. Und die zieht es auf dem weitläufigen Gelände vor allem zu den Palacios Nazaríes, den Nasridenpalästen. Äußerlich unauffällig, erinnert deren Innenleben mit verwunschenen Patios und einer verschwenderischen Fülle an Dekor an einen orientalischen Traum. An ein Märchen aus 1001 Nacht, das in den etwas abseits platzierten Gärten des Generalife, des Sommersitzes der Nasriden-Herrscher, weitererzählt wird – wo die Hecken von Zypressen und Buchs Wasserbecken und sprudelnde Brunnen umrahmen, wo sich Rosenranken um zierende Bögen wickeln und Orangenbäume ihre Schatten auf blühende Beete werfen.

Von der Alhambrahöhe bietet sich ein wunderbarer Blick auf den Hügel gegenüber, auf dem das einstige Maurenviertel des Albaícin in einem dichten Aneinander seine strahlend weißen Häuser stapelt. Dazwischen immer wieder grüne Farbtupfer als untrügliches Indiz für die sogenannten Carmenes. „Der Begriff kommt aus dem Arabischen und lässt sich übersetzen mit Wein-traube oder Weinranke“, sagt Stadtführerin Cristina Carmona. Denn es ist das Laub der Reben, das die von Jasmin- und Geranienduft geschwängerten Innenhöfe dieser Häuser beschattet und ihnen den Namen Carmen gibt.

Hoch oben in dem Häusergewirr lässt sich selbst aus der Ferne mit wenig Mühe die Kirche des Heiligen Nicolás ausmachen, deren Vorplatz seinerseits mit besten Aussichten dient. Hier drängen sich die Leute an einer Brüstung, vor der Linse ihrer Kamera die Silhouette der Alhambra – wie ein wertvolles Gemälde eingerahmt von den schneegepuderten Gipfeln der Sierra Nevada.

Vom Mirador San Nicolás verlaufen die Gassen, die wie ein engmaschiges Netz Granadas ältesten Stadtteil überziehen, eilig bergab. Hinunter zum Darro. Oder etwa zur Plaza Nueva, wo das Flüsschen bereits wieder unter der Erde verschwunden ist. Nur ein paar Querstraßen von hier feiert sich das christliche Granada mit eindrucksvollem Pomp: Neben der Grabkapelle der Katholischen Könige entstand im 16. Jahrhundert am Platz einer früheren Moschee mit der Kathedrale ein Meisterwerk der spanischen Renaissance. Umlagert von alten Bauten mit vergitterten Balkonen und vielen Geschäften, thront der Kirchenbau mitten im Zentrum, wobei sich seine üppig verzierte Fassade an der Plaza de las Pasiegas wie ein opulentes Bühnenbild zwischen den Häuserfronten aufspannt und eine ganze Seite des Platzes besetzt.

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