Smögen : Eiland mit zwei Gesichtern

Die Seebrücke Smögenbryggan ist die Hauptattraktion von Smögen.
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Die Seebrücke Smögenbryggan ist die Hauptattraktion von Smögen.

Felsige Insel im Schärenmeer vor Westschweden – eine pittoreske kleine Welt.

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06. Juni 2015, 10:00 Uhr

Aberhunderte Inseln, allesamt meisterlich modelliert von Mutter Natur, drängen sich vor der Küste von Bohuslän. Längst haben Urlauber aus dem In- und Ausland das Potential der west-schwedischen Region, die von Göteborg bis zur norwegischen Grenze reicht, erkannt und nutzen die dramatisch schöne Kulisse ihrer Schärengärten für ausge-dehnte Paddeltouren, einsame Sonnenbäder auf steinigem Grund oder eine Promenade durch filmreife Fischerdörfer. Es sind kleinere und größere Eilande, die sich hier im Wellenschlag von Nord- und Ostsee für ein Bilderbuchmotiv zusammenfin-den. So wie Smögen, ein Flecken Land mit langer Geschichte.

Kurz bevor der Autoverkehr in der Ortschaft Kungshamn das Festland über die Smögenbron Richtung Insel verlässt, bietet ein kleiner Parkplatz am Brückenkopf die Gelegenheit für ein ers-tes Kennenlernen des Reiseziels – mit einem herrlichen Panoramablick: auf das Meer, das sich als schmaler Keil zwischen die Landmassen schiebt, und auf das bucklige Ufer dahinter. Die felsige Haut Smögens ist narbig und grau, gesprenkelt mit dürftigem Grün. Farbe ins Bild bringen nur die bunten Häuser des Ortsteils Hasselösund, die sich im Vordergrund um einen Hafen scha-ren. Doch die touristische Musik spielt nicht hier, im Schatten der Smögenbrücke, sondern am anderen, am südlichen Ende der Insel.

Smögen – wie die Insel heißt auch ihr Ort, eine Idylle dicht platzierter Häuschen, die erst kurz vor dem Fischereihafen ihre Unschuld verliert. Da wird aus Ruhe Betriebsamkeit, da rücken statt Blumenkübeln Stände mit Souvenirs vor die Tür. Mittendrin: die Fischhalle, die jede Menge Meeresgetier anbietet und an den alten, wichtigen Erwerbszweig der Insel, die Fischerei, erinnert, dem seit Ende des 19. Jahrhunderts der Tourismus als zweites wirtschaftliches Standbein Gesellschaft leistet. Heute durchmischen sich Tradition und Gegenwart ganz selbstverständlich – etwa wenn die Fischerboote mit dem Fang des Tages ankommen und sich Fremde neben Einheimischen zum Schauen und Kaufen auf dem Hafenkai versammeln.

In Fischhallennähe nimmt die Smögenbryggan ihren Anfang, die Hauptattraktion des Ortes. Wie eine Seebrücke aufs Wasser gebaut, folgt der hölzerne Steg dem felsigen Ufer, auf langen Metern hofiert von vertäuten Segelbooten auf der einen Seite, auf der anderen begleitet von schmucken Holzhäusern, die das gängige Schwedenromantik-Klischee perfekt verkörpern. Gestrichen in Ochsenblutrot, Karibikblau oder Zitronengelb, bilden die Bauten ein zauberhaftes Bühnenbild für einen Spaziergang und beherbergen ganz nebenbei eine Reihe Restaurants und Geschäfte, wo es von der Sonnenbrille bis zum maritimen Streifenpulli alles gibt. Das Flair des Sommers wirkt hier wie eine Droge: Warme Luft streichelt die Haut, es riecht nach Meer, Sonnencreme und gebratenem Fisch.

Wer den hochsaisonalen Trubel scheut, der sollte seinen Besuch auf Frühling oder Herbst verlegen. Oder er wendet sich anderen Ecken der Insel zu, stilleren. Besonders schön: das Naturreservat, das Wanderer nicht weit hinter der Touristinformation empfängt. Oberhalb einer Badestelle startet ein Pfad in das geschützte Gebiet. Hier gibt es nichts als Natur. Strahlend blau und leicht gekräuselt liegt der Sandöfjord da, wie angeknabbert vom schroffen Fels, der das Wasser umschließt. Alles ist reduziert. Der nackte Stein, das Meer so schweigsam, ein paar Tupfer Grün. Aber es ist mehr als genug.

Infos: www.westschweden.com

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