Kiew : Die Mutter der russischen Städte

Die prächtige Andreas-Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Hierher führt Kiews bekannteste Straße – der Andreas-Steig.
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Die prächtige Andreas-Kirche aus dem 18. Jahrhundert. Hierher führt Kiews bekannteste Straße – der Andreas-Steig.

Kiew, die vielleicht spannendste Metropole Osteuropas, wird immer jünger und schöner.

svz.de von
06. Mai 2017, 10:00 Uhr

Vom 9. bis 13. Mai 2017 ist die ukrainische Hauptstadt Gastgeberin des 62. Eurovision Song Contests. Wer sie besucht, trifft eine junge, freundliche und verblüffend gut gelaunte europäische Metropole. In den Clubs dauern die Partys bis zum nächsten Mittag, doch wer viel von Kiew sehen möchte, reißt sich beizeiten los, um sich noch etwas fit zu schlafen für das Höhlenkloster mit seinen unterirdischen, lebenden und toten Mönchen, den Handwerker- und Künstlerkiez rund um den Andreas-Steig, für das Goldene Tor und Mutter Heimat, die Sophienkathedrale, Chreshtshatyk, Oper und die vielen wunderbaren Streetart-Werke, die die letzten Reste des verschlissenen Sowjetanstrichs der Stadt endgültig mit einem frischen, kreativen, weltgewandten Outfit unter sich begraben.

„Möchtest du?“ fragt Alexej. Der Student hat bunten Schnaps und bunte Häppchen. In der Probierbar „PigXel“ am Eingang zum Bessarabska-Markt lässt er seine Gäste diverse Specksorten und Wodkas miteinander kombinieren. Hinter Gemüse-, Obst- und Käsepyramiden liegt Kiews angesagtester veganer Foodcourt. Dort schmeckt es nicht nur tierisch lecker, sondern ist auch angenehm gesellig und obendrein fast peinlich günstig. Wowa (26), Chef des „Green 13“, sieht in seinem Strickpullover nicht aus wie ein Unternehmer mit 20 Leuten Personal. „Wir wollten mal was Neues machen“, kommentiert er beinahe schüchtern. An manchen Tagen hat er bis zu 500 Gäste.

Check-in im „Ukraina“. Der 16-stöckige Stalin-Protzbau aus den 1950ern steht am Maidan Nezalezhnosti. Zentraler schlafen, baden, brunchen geht nicht. Das schönste City-Panorama inklusive. Ein Blick auf den Platz der Unabhängigkeit, Gedanken an die Orangene Revolution von 2004 und die Euromaidan-Proteste vor drei Jahren. Ringsum erinnern Blumen, Kerzen, Bilder an die über 80 Menschen, die den Sturz des korrupten Präsidenten Viktor Janukowitsch mit dem Leben zahlten. Unterm Maidan, wo 2013/14 revolutionäre Feuer loderten, zelebriert das Restaurant „Die letzte Barrikade“ die Auferstehung der ukrainischen Hausmannskost.

Unglaublich viel hat sich getan in Kiew. Die Metropole am Dnipro-Fluss, im Mittelalter eine der größten und reichsten Europas, als Hauptstadt des ersten russischen Reiches (Kiewer Rus) auch „Mutter der russischen Städte“ genannt, hat ihre sowjetische Vergangenheit abgestreift. Trotz aller politischen und wirtschaftlichen Probleme im Land strotzt sie vor Optimismus und Lebensfreude, verblüfft ihre Besucher mit Dynamik und ansteckender Leichtigkeit.

Einreise: Für EU-Bürger genügt der gültige Reisepass. Wer nicht länger als 90 Tage bleiben will, braucht kein Visum.
Währung: Ratsam ist es, sich direkt nach Ankunft und Passkontrolle Bargeld zu besorgen – entweder per EC-Karte an einem Automaten (Gebühr inkl.der der eigenen Bank ca. 6 Euro) oder man tauscht an einem Wechselschalter noch kostengünstiger Euro in ukrainische Hrywni um.
Transfer ins Zentrum: Die Sky Busse (www.skybus.kiev.ua) pendeln rund um die Uhr zwischen dem Flughafen Boryspil und dem Bahnhof Pivdenny. Die komplette Fahrt kostet 80 Hrywen (2,80 Euro). Am schnellsten und bequemsten kommt man jedoch ins Zentrum, wenn man mit dem Sky Bus nur bis zur ersten Metrostation „Kharkivska“ fährt.
Hotel-Tipp: Eines der coolsten Hotels Kiews ist das „Ukraina“ (4 Sterne) direkt am Maidan Nezalezhnosti. Der Protzbau diente während der revolutionären Ereignisse rund um den Euromaidan 2013/14 als internationales Medienzentrum und Lazarett. Heute sind das Haus und seine 375 Zimmer saniert und neu möbliert. Das einfache Doppelzimmer mit Bad gibt es ab 42 Euro inkl. Frühstück.
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