Tourismus : Die letzten Berghirten Spaniens

Rinder dürfen hier mit gutem Recht Hörner tragen. Für die landschaftliche Schönheit am Enol-See haben sie aber kein Auge.
1 von 2
Rinder dürfen hier mit gutem Recht Hörner tragen. Für die landschaftliche Schönheit am Enol-See haben sie aber kein Auge.

Den Sieg im Kampf Mensch gegen Natur werden in Kantabrien ausnahmsweise nicht die Menschen davontragen.

von
28. März 2015, 07:29 Uhr

Fünfzig Zweitausender formen im Nationalpark Picos de Europa eine famose Berglandschaft. Sein westlicher Teil wurde bereits 1918 durch König Alfonso XII zum ersten Nationalpark Spaniens erklärt. Hier trifft man heute noch echte Berghirten.

Man kann das Meer von hier oben sehen und andersrum. Der Name „Picos de Europa“ (Spitzen Europas) stammt von den Seefahrern. Die schroffen Gipfel der kantabrischen Bergkette von bis zu 2600 Metern Höhe waren das Erste, was sie bei ihrer Heimkehr vom Festland sahen. Das Meer ist für Antonio Valle nah und fern zugleich. Seine Tiere erlauben es nicht, einfach mal kurz an den Strand zu fahren, wie dies andere tun.

Von Frühjahr bis weit in den Herbst wohnt der 60-Jährige als einer von nur noch drei Schäfern auf der Alm und führt ein Leben, das sich heute wenige vorstellen können: ohne Fernsehen, ohne Internet oder Handy. Nachrichten und Unterhaltung bringen allein Freunde und Familie, die ihn regelmäßig besuchen kommen und mit Sachen aus dem Tal versorgen. Die Tage sind geprägt von Arbeit und von einem Leben im Einklang mit der Natur.

Um fünf Uhr morgens beginnt der Tag. Zuerst müssen die Käse im Lager gewendet, dann die Ziegen, Schafe und Kühe gemolken werden. Während die Nutztiere danach völlig frei auf der weiten Hochebene grasen, stellen Antonio, seine Schwester Covadonga und ihr Mann Manuel aus der reichhaltigen und unpasteurisierten Milch einen der besten Käse der Welt her, den Gamonéu. Geschmacklich erinnert er an Parmesan und durch den Blauschimmel auch an Gorgonzola. Nur vier bis fünf Käse entstehen pro Tag.

Es gibt nur noch wenige, die den Käse nach alter Art direkt auf der Alm herstellen. „Mit der Familienschäferei geht es zu Ende“, ist sich Valle sicher. Viele Besucher interessieren sich zwar für sein Handwerk, aber den Beruf möchte heute keiner mehr ausüben: „Wer will schon monatelang nur Ziegen und Schafe sehen?“ So gewinnt im Nationalpark die Natur mehr und mehr die Oberhand.

Seit den 1990er Jahren gibt es bereits mehrere große Wolfsrudel. Um seine Ställe hat Antonio vor zwei Jahren einen Zaun gezogen. „Seitdem kann ich besser schlafen, muss nicht mehr im Nachthemd raus, um die Wölfe zu vertreiben.“ Letzten Sommer haben die Valles nur zwei Kälber verloren. Die Regierung ersetzt den Verlust, wenn nachgewiesen werden kann, dass Wölfe das Tier gerissen haben. Manchmal ist das nicht so einfach. Auch Bartgeier sind in den Picos wieder heimisch. Sie vertilgen selbst die Knochen.

Den Sieg im Kampf Mensch gegen Natur werden hier ausnahmsweise nicht die Menschen davontragen. Das kann man jedoch erst erahnen, wenn die Tagestouristen, die gerne rauf zum azurblauen Enol-See kommen, abends wieder im Tal sind. Die weite Karstebene gehört im goldenen Glanz der untergehenden Sonne dann nur noch denen, die hier oben leben: Valle und seinen Tieren, Geiern und Wölfen.


Anreise: Mit dem Flugzeug, Umstieg in Madrid oder Barcelona nach Asturias.
Übernachten: Casa Cipriano, Sotres de Cabrales s/n, 33554 Cabrales, Tel.: +34 985 94 50 24, www.casacipriano.com. Hotel La Corte de Lugás; Lugas s/n 33391 Villaviciosa, Tel.: +34 985 890 203; www.lacortedelugas.com.
Infos: www.casadelamontana.com; www.spain.info

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen