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Reise und Tourismus

24. November 2017 | 16:17 Uhr

Singapur : Die glitzernde Stadt der Dörfer

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

China, Indien, der Nahe Osten und England: Vier Kulturen kann der Tourist in Singapur an einem Tag bereisen

Während man sich noch fragt, wie ein ganzes Einkaufszentrum nach Patschuli riechen kann, ruft Stadtführer Daniel schon zum Aufbruch. „Da“, sagt er mit ausladender Geste Richtung Verkehrschaos, „in dem Moment, in dem Sie diese Kreuzung passieren, startet Little India“. Zweifler überzeugt ein monströser Elefant, der über der Straße in Tausenden, regenbogenfarbenen Glühbirnen blinkt. Vorbei an Pashmina-Schals, Goldschmuck und Kissen geht es im „kleinen Indien“ zu einem Mini-Museum mit Hinterhofatmosphäre. Schwarz-weiß-Fotos zeigen die Anfänge der Siedlung.

„Das Leben begann am Singapore River“, sagt Daniel. Denn dort landete 1819 Sir Stamford Raffles. Der Brite startete einen profitablen Handelsposten und gilt als Begründer der modernen Metropole. „Wir sind alle Immigranten“, kokettiert Daniel. Tatsächlich sind drei Viertel der Bewohner des Fünfmillionen-Stadtstaats Chinesen, 14 Prozent Malaien, neun Prozent Inder, der Rest verteilt sich auf andere ethnische Gruppen. In kaum einer anderen Stadt der Welt lassen sich die unterschiedlichsten Kulturen auf so engem Raum erleben. In den Schaufenstern mehren sich religiöse Devotionalien. Tempelnähe. Mit einer Blumenkette für die Götter geht es hinein. Tempel, Moscheen und Kirchen finden sich oft in unmittelbarer Nähe. Singapur mit einer Gesamtfläche von etwa 715 Quadratkilometern lässt nur wenig Raum für religiöse Animositäten.

Es geht weiter nach Kampong Glam. Ins Viertel der Muslime. Auf dem Weg verhallen langsam die Klänge der Bollywood Musik, aus Saris werden Kopftücher. Schneidereien und Wellnessoasen weichen Tischen mit Wasserpfeifen und dem Duft frischen Pfefferminztees. Am Ende der Arab Street reckt die Sultan-Moschee ihre goldene Kuppel inmitten schillernder Minarette empor. Nächster Halt auf der Reise durch Singapurs Dörfer: Chinatown samt Korianderrausch. Im Restaurant grüßt eine goldene Katze mit Winkearm. Zwischen blutroten Wänden, goldumrahmten Spiegeln, lila Orchideen und den obligatorischen Lampions gibt es eine würzige Suppe, die nur ein Prädikat verdient: scharf.

Doch draußen zwischen Handyhüllen, Parfümplagiaten, Tigerbalm und eingelegten Schlangen wartet die nächste Erkundungstour mit Katherine. Während sie schnellen Schrittes voraneilt, berichtet die muslimische Fremdenführerin vom Chinatown des 19. und 20. Jahrhunderts, von Prostitution, Mord, Opium. Schuhe aus, nächster Tempel. Mönchsgesang und Räucherstäbchen wabern um Buddha-Statuen und Essensgaben. Überreich sind die Sinneseindrücke, als es per Wassertaxi Richtung Marina Bay geht. Kolonialbauten säumen die Ufer. Wieder zurück gekommen in Chinatown hält Erich am „letzten Würstelstand vor dem Äquator“ Sauerkraut, Bratwurst & Co. bereit. Seit 17 Jahren lebt er in Singapur. Und er hält immer noch die Traditionen der deutschen Küche hoch.

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