Lake Michigan : Die Dünen der schlafenden Bärin

Uferspaziergang auf Old Mission Peninsula: Der kleine hölzerne Leuchtturm an der Nordspitze der Halbinsel wurde 1870 gebaut.
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Uferspaziergang auf Old Mission Peninsula: Der kleine hölzerne Leuchtturm an der Nordspitze der Halbinsel wurde 1870 gebaut.

Die 60 Kilometer langen Sleeping Bear Dunes am Michigan-Sees haben ihren Namen von den Anishinabe-Ureinwohnern bekommen.

svz.de von
24. April 2015, 14:12 Uhr

Die Warnung ist deutlich: „Genießt den Ausblick lieber von hier!“, schreit das Schild in großen Buchstaben den Besuchern entgegen. „Riskiert keine Verletzungen oder das Zahlen von Rettungsgebühren!“ Für nicht wenige Touristen am Lake Michigan Overlook scheint die Hinweistafel jedoch mehr Ansporn als Mahnung zu sein: Auch jetzt am Abend machen sich einige auf den Weg hinab zum Ufer, das gut 135 Höhenmeter tiefer liegt.

Ob der Blick unten wirklich genauso grandios ist wie hier oben? Kaum vorstellbar, denn der Lake Michigan Overlook bildet so etwas wie den Höhepunkt des Höhepunktes für Besucher in der Region Traverse City im US-Bundesstaat Michigan. Keine andere Stelle des Pierce Stocking Scenic Drive fasziniert so sehr wie der Blick von hier über die Weite des Michigan-Sees. Der Scenic Drive, eine in den 1960er Jahren gebaute einspurige Straße durch die Dünen, ist wiederum der eindrucksvollste Ort, um die Sleeping Bear Dunes zu erkunden. Und dieses vom US-Nationalparkservice verwaltete Schutzgebiet schließlich ist die Attraktion Nummer eins für viele Touristen, die in den Norden der Unteren Halbinsel Michigans reisen.

Über mehr als 60 Kilometer erstrecken sich die Sleeping Bear Dunes entlang des Michigan-Sees. Ihren Namen haben die Dünen von den Anishinabe-Ureinwohnern bekommen, die in den Sandbergen eine schlafende Bärin sahen. Diese war der Legende nach mit ihren zwei Jungen durch den See geschwommen, doch der Nachwuchs ertrank – und wurde zu den Inseln North und South Manitou. Noch immer, so erzählt es die Sage, wartet die schlafende Bärin darauf, dass die Jungen am rettenden Ufer ankommen.

Bei guter Sicht sind die Inseln vom Lake Michigan Overlook aus zu erkennen. Ansonsten gibt es in Richtung Westen nur eines: Wasser. Die Erdkrümmung verhindert, dass man die „Käseköpfe“ am fast 87 Kilometer entfernten Westufer des Sees winken sieht, heißt es in der Besucherbroschüre des US-Nationalparkservice. Dort im Westen liegt der Nachbarstaat Wisconsin, bekannt für seine Milchwirtschaft. Whiskey aus der Flasche trinken, seltsames Kraut rauchen, als junger Mann die Liebe entdecken: Davon sang Kid Rock 2008 in seinem Nummer-Eins-Hit „All summer long“ – und ließ keinen Zweifel daran, wo das alles passiert sein soll: „It was summertime in Northern Michigan“. Vielleicht spielte der Song eine Rolle, als der US-Fernsehsender ABC drei Jahre später die Zuschauer der Sendung „Good Morning America“ darum bat, online über die allerschönsten Orte im Land abzustimmen. Die Sleeping Bear Dunes landeten auf Platz eins, noch vor dem Cape Cod in Massachusetts und Lanikai Beach auf Hawaii.

In Traverse City verbringen amerikanische Familien seit Jahrzehnten ihren Urlaub. Im Frühjahr blühen Millionen Kirschbäume in der von vielen kleinen Seen geprägten Landschaft – ganz unbescheiden nennt sich Traverse City auch „Welt-Kirschhauptstadt“. Golfplätze, Routen für Mountainbiker, Campingplätze: All das ist vorhanden rund um die Stadt und auf den Halbinseln Leelanau und Old Mission.

Auch Wein wird hier angebaut, allein auf Leelanau gibt es mehr als 20 Produzenten. Mancher Winzer überrascht zumindest europäische Gäste dadurch, dass er in seinen Verkostungsstuben einige Rotweine gekühlt und Weißweine bei Zimmertemperatur lagert. Neben Riesling und Chardonnay ist auch Kirschwein zu haben. Für nicht-alkoholische Stopps auf den Halbinsel-Rundfahrten bieten sich der 1870 gebaute Leuchtturm an der Nordspitze der Halbinsel Old Mission Peninsula sowie der Museumshafen Fishtown im schmucken Örtchen Leland auf Leelanau an.

Wer auf einer längeren Große-Seen-Tour unterwegs und in Traverse City nur auf der Durchreise ist, wird sich jedoch sicher in den Dünen der schlafenden Bärin aufhalten. Die meisten Touristen zieht es zum Dune Climb südwestlich des Urlauberortes Glen Arbor, wo sie scharenweise die Sandhügel erklimmen. Am Pyramid Point im Norden gibt es einen weiteren schönen Wanderpfad zur steilen Küste.

Ein besonderes Erlebnis ist ein Ausflug mit „Riverside Canoe Trips“ im Süden des Schutzgebietes: Jedermann kann sich hier ein Kanu, Kajak oder auch einen großen Gummireifen mieten und auf dem Platte River, der eher ein etwas breiterer Bach ist, bis zum Michigan-See paddeln. Die leichte Strömung hilft dabei, doch viele Ausflügler haben es gar nicht eilig. Irgendwo machen sie einen Stopp, stellen ihre Kühlboxen ans Ufer und baumeln mit den Beinen im Wasser. Lachen ist zu hören, Summertime.

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