Whisky Trail Schottland : Der Weg zum Wasser des Lebens

Der Malt Whisky Trail führt durch die Highlands von Grantown-on-Spey. Hier wächst Gerste und fließt weiches Wasser – beides unverzichtbare Zutaten für die Herstellung eines guten schottischen Tropfens.
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Der Malt Whisky Trail führt durch die Highlands von Grantown-on-Spey. Hier wächst Gerste und fließt weiches Wasser – beides unverzichtbare Zutaten für die Herstellung eines guten schottischen Tropfens.

In Schottland gibt es einen Pfad, der zum flüssigen Gold führt: Auf dem Malt Whisky Trail öffnen acht Destillerien ihre Tore für Besucher.

svz.de von
01. Mai 2017, 09:00 Uhr

Whiskyduft liegt in der Luft, Hammerschläge hallen durch die kahle Fabrikhalle: Arbeiter der schottischen Böttcherei Speyside Cooperage fertigen Holzfässer für die Destillerien entlang des Flusses Spey. Die Männer in dem Dorf Craigellachie beherrschen ihr altes Handwerk, sie schuften im Akkord, Tag für Tag neun Stunden lang.

Craigellachie liegt mitten im Whiskydistrikt und ist der Ausgangspunkt für den Besuch in einer der über 40 Destillerien. Acht der Brennereien haben sich zusammengeschlossen und bilden den Malt Whisky Trail. Das ist allerdings kein Wanderpfad durchs schottische Hochland, wie man bei diesem Namen vermuten könnte. Vielmehr führt die gut ausgeschilderte Route über schmale Landstraßen zu den einzelnen Brennereien und liegt im Zentrum der Speyside zwischen den Städten Inverness und Aberdeen.

Jede der acht Destillerien bewahrt ihre eigene Tradition. Strathisla in Keith wurde bereits 1786 gegründet und ist damit die älteste Whiskybrennerei in Speyside. Ihre Geschichte ist eng verbunden mit den Brüdern James und John Chivas, die im 19. Jahrhundert als eine der Ersten das Blending entwickelten. Dabei werden mehrere Malt Whiskys aus Gerstenmalz und Grain Whiskys aus gemälzter Gerste und anderem Getreide mit unterschiedlich langen Reifezeiten gemischt, um so einen Whisky mit einzigartigem Aroma und Geschmack zu komponieren. Mit ihrem flüssigen Gold erlangten die beiden Brüder ziemliche Berühmtheit: Queen Victoria ernannte die Chivas-Brüder 1843 zu königlichen Hoflieferanten. 1891 schufen sie ihren Chivas Regal-Whisky, der heute zu den traditionsreichen Blends zählt.

Die Geschichte der Whiskybrennerei Strathisla ist eng verbunden mit den Brüdern James und John Chivas, die im 19. Jahrhundert das Blending entwickelten.
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Die Geschichte der Whiskybrennerei Strathisla ist eng verbunden mit den Brüdern James und John Chivas, die im 19. Jahrhundert das Blending entwickelten.
 

In Schottland muss Whisky mindestens drei Jahre lang lagern und reifen, bevor er das Prädikat Scotch Whisky tragen darf. Manche Single Malts reifen 12, 15 Jahre und noch viel länger in den Eichenfässern. Es sind Fässer, die zuvor üblicherweise Sherry, Port – oder Madeirawein, Brandy oder Rum enthalten haben. So verleiht jedes Fass dem Whisky während der Reifezeit eigene Geschmacksnoten.

Scotch Whisky ist eine Wissenschaft für sich – und hat eine lange Geschichte aufzuweisen. Denn bereits 1494 gab es der Überlieferung nach in Schottland erste schriftliche Nachweise zum Whisky. Dessen Name soll sich ableiten von dem gälischen Wort uisge-beatha, was so viel heißt wie „Wasser des Lebens“. Für dieses Wässerchen sind die Ausgangsprodukte stets gleich: schottische Gerste, Hefe und weiches Wasser. Doch beim Wasser beginnt bereits der Unterschied – je nach Standort des Brunnens in der Speyside-Gegend. Wie weich ist das Wasser? Welche Mineralien sind enthalten? Gibt es Torfspuren? Der große Rest sind Wissen und sehr viel Erfahrung der Masterblender, deren Arbeit und Verantwortung mit den Kellermeistern beim Wein vergleichbar ist.

Ein paar Zahlen verdeutlichen den Stellenwert des schottischen Nationalgetränkes: 10000 Arbeitsplätze sind direkt mit der Whiskyherstellung verbunden, Whisky wird in 200 Märkte weltweit exportiert. „Rund 20 Millionen Eichenfässer lagern in den Reifehallen der Brennereien“, erklärt Gill Reid, Leiterin des Besucherzentrums der Speyside Cooperage in Craigellachie.

Die kleine Brennerei Benromach produziert Single-Malt-Whisky.
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Die kleine Brennerei Benromach produziert Single-Malt-Whisky.

Von dort sind die Brennereien am Malt Whisky Trail mit dem Auto in maximal 90 Minuten erreichbar. Durch das einsame Hochland von Grantown-on-Spey über den Flecken Dava führt die Route etwa nach Forres zur Brennerei Benromach. Unterwegs umrahmen knallgelbe Ginsterbüsche die kurvige Landstraße, Nieselregen hängt über der moorigen Hochfläche am Lochindorb-See.

Vom Laien zum Experten – wie lange dauert das auf dem Malt Whisky Trail? „Mindestens fünf Jahre“, schätzt Rachel Keane von der Glenfiddich Destillerie in Dufftown, einer der größten Single-Malt-Brennereien. Nach dem Rundgang vorbei an Gärbottichen und Brennblasen präsentiert sie ihren Gästen bei einer Probe fünf unterschiedliche Whiskys – vom frischen, fruchtigen Zwölfjährigen bis zum 30 Jahre lang gereiften Single Malt mit dem Geschmack dunkler Schokolade. „Jeder wird bei den Proben seinen persönlichen Favoriten herausfinden“, meint Rachel. Und das müsse nicht mal unbedingt der älteste und damit auch teuerste Single Malt sein. So tröstet die Whisky-Kennerin ihre Gäste, die bereits an gerupfte Bankkonten und glühende Kreditkarten dachten. Immerhin bringt es eine Flasche der 50 Jahre lang gelagerten Edition von Glenfiddich auf den respektablen Preis von 22  850 Pfund – das sind knapp 30  000 Euro.

Bernd F. Meier

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