Reisetrend : Das ruhige Mallorca

Sonnenuntergang bei Illetas.
Sonnenuntergang bei Illetas.

Jetzt im Frühling ist die schönste Zeit, die entspannende Seite des Urlaubsparadies zu genießen.

svz.de von
19. März 2016, 16:00 Uhr

Im Sommer ist Ca’n Picafort im Nordosten Mallorcas an der mit 17 Kilometern längsten Badebucht der Balearen total angesagt. Jetzt, im Frühling, ist das älteste Touristenzentrum der Insel verwaist, und ruhesuchende Urlauber finden einen paradiesisch leeren, feinsandigen Strand vor. Während um diese frühe Jahreszeit eine überwiegende Zahl von Restaurants und Geschäften im einstigen Fischerdorf noch geschlossen haben, freut sich Wanderführer Masio Vicenç darauf, Besuchern „sein“ Mallorca abseits der Touristenorte zu zeigen.

Als es dann mit einem Taxi losgeht, ist die erste Station am Wegesrand auf der Verbindungsstraße zwischen Ca’n Picafort und Arta die unscheinbar daliegende Finca Son Real. Jeder Fremde würde vorbeifahren an diesem alten Landgut mit seinem fast 400 Hektar großen Naturareal, das sich in öffentlichem Besitz befindet und noch heute mit traditionellem Pflanzenanbau und freilaufenden Nutztieren bewirtschaftet wird. In einem gut gestalteten Info-Center erfährt der Gast die ganze Geschichte der Insel. Bestaunt die archaischen Werkzeuge und erfährt, dass die Feldarbeiter Hüte mit großen Krempen auf dem Kopf und Frauen fest verknotete Kopftücher trugen gegen Ungeziefer, das bei der Mandelernte beim Schütteln von den Bäumen fiel.

Inmitten der Kiefern- und Sadebaumwälder und Dünenzonen können auch mit ausgeliehenen Fahrrädern archäologische Grabstätten von Steinzeitmenschen aus der Talayot-Kultur besichtigt werden. Es ist nachgewiesen, dass diese Ur-Mallorquiner auf der Insel von circa 1300 v. Chr. an friedlich miteinander lebten, bis die Römer 123 v. Chr. gewaltsam auf der Insel auftauchten. Sie zerstörten die einfachen Steinhäuser der Talayot-Kultur und bauten damit befestigte Städte. Auch wurden die Steine für die heute noch berühmten Trocken-Steinmauern zur Abgrenzung der seinerzeit schon intensiven Landwirtschaft der Römer verwendet.

Weiter geht es, und nach kurzer Fahrt lässt Masio den Wagen an einem unscheinbar abzweigenden Feldweg auf einer Landstraße bei Colònia de Sant Pere anhalten und öffnet das Gatter einer Viehweide. Als er dann mit schnellen Schritten inmitten eines Kornfeldes abrupt stehen bleibt, auf dem es nach wildem Lavendel, Rosmarin und Kamille duftet, da steht er vor riesigen Steinquadern, die zu einem Turm aufgestapelt sind. „Diese mächtigen Steine eines ehemaligen Beobachtungs- oder Wachturms“, dabei leuchten seine dunklen Augen, „konnte man nicht einfach abtragen wie die kleinen Steine der Talayot-Häuser. So sind sie uns bis heute erhalten geblieben und geben einen Einblick in die Lebensweise dieser Menschen“. Und mit einem Kopfnicken schwärmt er, dass jetzt mit dem Frühling die schönste Zeit des Jahres auf der Insel begonnen hat.

Weitere Infos: Unbekanntes Mallorca entdecken mit Wanderführer Masio Vicenç, www.grupotelnatur.com
Finca Son Real: www.de.balearsnatura.com/finca-publica-de-son-real/

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