Claude Monet : Das Mekka des Malers

Der Atelier-Salon im Monet-Haus.
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Der Atelier-Salon im Monet-Haus.

Eintauchen in die Wunderwelt des Claude Monet in Giverny. Von Frühjahr bis zum späten Herbst ist das Paradies für Besucher geöffnet.

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23. September 2017, 16:00 Uhr

Ein Sommersonntag in Giverny: Überall grünt und blüht es. Auf den Bildern in den Galerien ebenso wie entlang der Dorfstraße, die allein dem Defilé der Flaneure dient. Der Hitze wegen schlendern sie in Zeitlupe, tragen Hüte wie einst, lagern auf dem Rasen der öffentlichen Gärten im Obstbaumschatten beim Picknick mit Früchten, Brot und Wein: Ein Déjeuner sur l’herbe fast wie auf dem Gemälde. Es fehlt nur die Nackte, die bei diesen Temperaturen nicht frösteln müsste.

Doch es geht hier nicht um Manet, sondern um Monet, der seinen Malerkollegen allerdings sehr schätzte. Denn Giverny ist Monet, so lautet die einfache Gleichung. 1883 lässt sich Claude Monet in dem normannischen Weiler unweit der Seine nieder. „Sicherlich der schönste Flecken auf Erden “, notiert der Künstler. Im Schlepptau hat er seine Familie: Zwei Söhne aus der Ehe mit der verstorbenen Camille, sechs weitere Kinder, die seine zweite Frau Alice mit in die Ehe bringt. Der Maler findet ein rosarotes Anwesen mit Platz für die vielköpfige Schar. Hier bleibt Monet für immer, bis zu seinem Tod.

„Außer zum Malen und zum Gärtnern, tauge ich zu gar nichts“, so der Meister des Impressionismus. In Giverny kümmert er sich zuerst um den großen Hausgarten, der bald nicht nur der Versorgung, sondern vor allem der Erbauung dient. Rosen ranken üppig über Bögen. Lilien, Hortensien und Mohn betören das Auge. Im Herbst darf die von Monet geliebte Kapuzinerkresse mit ihren gelb-orange-roten Blüten die Wege flammend überwuchern.

Aber damit nicht genug. Einen Steinwurf vom Haus entfernt schafft Monet ein Feuchtbiotop. Er zweigt Wasser vom nahen Bach ab, sorgt für einen stetigen Durchfluss durch Kanälchen und Weiher, stellt Gärtner ein, die sich eigens um die Seerosen kümmern. Monet ist ein Süchtiger des Lichts, das sich alle Augenblicke verändern kann. Er will es bannen, in all seinen Facetten. Seerosen und Trauerweiden vor Teichwasser werden sein Lieblingssujet.

Haus und Gärten in Giverny, heute im Besitz einer Stiftung, präsentieren sich dem Besucher, als hätte Monet sie nur für einen kurzen Spaziergang verlassen. Im chromgelben Speisesaal steht ein Dutzend Stühle um den Esstisch, in der Küche blinken Kupferkessel vor leuchtend blauen Fliesen. Wie einst sind überall auf dem Anwesen die Gärtner mit der Pflege der Oase beschäftigt. In jedem Monat präsentiert sie sich in einem anderen Blütenkleid. Von Frühjahr bis zum späten Herbst ist das nur eine Stunde von Paris entfernte Paradies für Besucher geöffnet. Sie kommen in Scharen. In Giverny ist man nicht allein. Monet ist für alle da.

Anreise: Von Paris in knapp eine Stunde ab Gare Saint-Lazare mit dem Zug nach Vernon, von dort mit Shuttlebus weiter. Mit dem Auto über die A 13 Richtung Rouen, kostenlose Parkplätze vor Ort.
Übernachten: Viele hübsche B&B, etwa Le Moulin des Chennevières, DZ mit Frühstück ca. 95 Euro, www.givernymoulin.com, La Musardière, DZ mit Frühstück ab 100 Euro, www.lamusardiere.fr
Essen & Trinken: Tolles Ambiente, Essen und Service im Ancien Hotel Baudy mit historischem Rosengarten, www.restaurantbaudy.com
Monet-Haus und Garten: Täglich von 9.30-18 Uhr, Eintritt 9,50 Euro, Kombi mit dem Museum des Impressionismus 16,50 Euro, www.claude-monet-giverny.fr
Auskünfte: www.normandie-giverny.fr

 

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