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Reise und Tourismus

13. Dezember 2017 | 17:57 Uhr

Sète - Frankreich : Das große Fischerstechen

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Im südfranzösischen Sète dreht sich alles um die Schätze des Meeres.

Nein, es wird nicht mehr geschrien bei der Criée, die ja wortwörtlich so heißt: Die „Ausschreiung“ nämlich. Der Letzte, der seine Stimme bei der Fischauktion strapazierte, war der Großvater von Éric Monte, der heute an dem Fließband steht, auf dem die Schätze des Meeres nach Sorten gruppiert direkt von den Kuttern in die Halle rollen. Konzentriert sitzen die Großhändler auf den Rängen, während die Digitalziffern auf der Anzeigetafel nach unten zählen, bis jemand auf den Knopf seines Senders drückt und das Gebot abgegeben ist. Der Kilopreis reicht von weniger als einem Euro für kleine Felsenfische bis zu mehr als zwanzig Euro für besonders schöne Exemplare von Goldbrassen.

Sète ist noch immer der zweitwichtigste Fischereihafen der französischen Mittelmeerküste und der wichtigste für den Roten Thunfisch, der nur begrenzt gefangen werden darf. Letztes Jahr war er reichlich vertreten und die Quote bereits nach zwei Tagen erreicht. Den Rest der Schwärme mussten die Männer des Meeres davonschwimmen lassen.

Der Sonnenkönig machte Sète einst groß. Er ließ den Canal du Midi bauen, an dessen Ausfluss ins Mittelmeer die Stadt liegt. Salz, Wein, Stoffe, Fisch: Alles wurde gehandelt, und wer hier Geschäfte machte, kam zu Einfluss und Wohlstand. In der guten alten Zeit gab es hier fünf Theater, heute geht es bescheidener zu. Vom Fischfang wird auch hier niemand mehr reich.

Einmal im Jahr zieht Sète Zehntausende von Gästen an, wenn beim Stadtfest im Canal royal das Fischerstechen zelebriert wird, wenn die Mannschaften mit ihren „Joutes“ genannten Heroen mit Schild und Speer antreten und sich gegenseitig von den Plattformen am Bug der Schiffe zu stoßen versuchen. Wer ins Wasser fällt, hat verloren. Schon die Kinder üben für den zukünftigen Auftritt beim Spektakel, vor allem im Viertel La Pointe Courte, das erst vor zwei Generationen an Strom und Kanalisation angeschlossen wurde. Längst sehen die Katen gepflegt aus, denn das einst verrufene Viertel ist angesagt bei Künstlern und Intellektuellen.

Es ist Zeit für ein Bier und Pommes Frites dazu. So halten es die Sétois gern zum Feierabend. Oder sie nehmen eine „Tielle“ zum Apéritif, Pastete mit Tintenfisch und Tomaten. Die besten gibt es bei Sophie Cianni nahe dem Canal royal, wo das hochsommerliche Fischerstechen stattfindet.

Anreise: Hin- + Rückflug mit Air France von Hamburg nach Montpellier (über Paris) ab ca. 290 Euro. Von dort per Leihwagen oder Zug 30 km bis Sète. Mit dem Auto sind es rund 1600 km von Flensburg nach Sète.
Unterkunft: Le Grand Hôtel (3 Sterne), charmantes Traditionshaus, DZ ab ca. 90 Euro, www.legrandhotelsete.com

L’Hôtel de Paris (3 Sterne) ebenfalls mit Charme, DZ ab ca. 100 Euro, www.hoteldeparis-sete.com
Fischauktionen und Fischerstechen: Besuche der Criée (Mo + Mi 16 Uhr) nach Anmeldung im Tourismusbüro (7 Euro, Familien 14 Euro).
Das Stadtfest mit dem Fischerstechen findet vom 21.-25.8.2015 statt.
Auskunft: www.tourisme-sete.com (auch auf Deutsch)

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