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Reise und Tourismus

20. November 2017 | 09:02 Uhr

Festa de la Mercè : Das Fest der Katalanen

vom
Aus der Onlineredaktion

Vom 22. bis 25. September feiern in Barcelona mehr als eine Million Menschen auf den Straßen.

Der Aufschrei der Frau klingt panisch. Sie brennt. Fast unbeweglich sitzt sie, eingequetscht von 30 Spaniern, auf einem völlig überfüllten Container. Auf ihrer Nylonjacke mutiert ein kleiner Funke in Windeseile zur Flamme. Kinder springen auf und schreien lauthals in die Menge. Männer reißen sich die Pullover vom Leib und stolpern über die Umhersitzenden auf die menschliche Fackel zu. Teufel und angsteinflößende Bestien schieben sich durch die flüchtenden Menschenmassen auf der Avinguda de la Catedral. Aus ihren Mistgabeln sprühen Funken, aus den aufgerissenen Mäulern lodern Flammen. Rauch liegt in der Luft, man sieht die Hand kaum vor den Augen.

Dieser befremdliche, fast unheimliche Wahnsinn ist in Barcelona einmal im Jahr völlig normal. Er beschreibt den Correfoc, den Feuerlauf, die Hauptattraktion der Festa de la Mercè. Mehr als eine Million Katalanen feiern sie im September auf den Straßen der Metropole. Rund 4000 Aktive stellen mehr als 600 Veranstaltungen auf die Beine. Gehuldigt wird der Muttergottes der Gnade, der Mercedes – oder, auf katalanisch, der Mercè.

Das Fest hat eine jahrhundertelange Tradition. Im Jahre 1218 hatte der junge spanische König Jakob I. eine Vision. Ihm erschien die Muttergottes, weiß gekleidet, in gleißendes Licht gehüllt. Sie gebot ihm, einen religiösen Orden zu gründen, der sich der Seelsorge der christlichen Gefangenen der Sarazenen annehmen sollte.

Dies war die Geburtsstunde des Bildnisses der späteren Stadtheiligen Mercè. Nachdem ihr die Rettung der Stadt vor der Pest und ein Regen nach einer langen Dürrezeit zugeschrieben wurden, erklärte sie der Pabst 1868 zur Schutzpatronin Barcelonas. In dem Jahr feierten die Einwohner die Mercè zum ersten Mal. Heute können die Besucher die regionalen Weine und landestypischen Gerichte probieren oder die pyromusikalischen Aufführungen und die Konzerte am Montjuic, Barcelonas Hausberg, genießen.

Vor allem aber sind es die traditionellen Veranstaltungen wie der Correfoc und der Tanz der Riesen, die die Massen anlocken. Dabei führen überdi-mensionale Figuren von Adeligen und Heiligen auf den Straßen königliche Hoftänze vor. Am frühen Morgen versetzen die Trabucaires mit ihren Donnerbüchsen die Besucher zurück in das Mittelalter. Wenn dann am Nachmittag die Castellers mit rund Hundert Personen ein Castell – einen Menschen-turm von neun Stockwerken Höhe – bauen, ist jeder Zuschauer begeistert.


 

Reise-Informationen

Anreise: Air France/KLM fliegt ab Hamburg über Paris nach Barcelona (ab 140 Euro, www.klm.com).
Weitere Infos: http://merce.bcn.cat, www.catalunya.com

 

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