Moderne Reisemobile : Caravaning für Einsteiger

Gespanne brauchen naturgemäß mehr Platz im Straßenraum, auch deshalb erfordert das Fahren mit ihnen einige Übung.

Gespanne brauchen naturgemäß mehr Platz im Straßenraum, auch deshalb erfordert das Fahren mit ihnen einige Übung.

Mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen in den Urlaub zu fahren, ist für viele Deutsche ein Traum. Soll der nicht als Alptraum enden, gilt es einiges zu beachten

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23. Juni 2018, 16:00 Uhr

Unabhängig und frei: Wer mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil unterwegs ist, muss keine Hotels oder Pensionen suchen – die Wohnung fährt ja quasi mit. Praktisch und unkompliziert: „Reisen mit modernen Reisemobilen und Caravan ist heute komfortabel und einfach. Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit an das größere Fahrzeug fühlen sich selbst Neulinge schnell wohl“, sagt Marc Dreckmeier vom Caravaning Industrie Verband (CIVD). Vor der ersten Fahrt gibt es aber ein paar Dinge zu beachten.

Dazu zählt zuerst ein Blick in den Führerschein. Wer seinen Pkw-Führerschein ab 1999 bestanden hat, darf Reisemobile bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht fahren. Davor abgelegte Prüfungen machen bis 7,5 Tonnen möglich. „Etwa 85 Prozent der Reisemobile wiegen aber weniger als 3,5 Tonnen“, sagt Dreckmeier.

Pkw-Wohnwagen-Gespanne bis 3,5 Tonnen dürfen Besitzer der Führerscheinklasse B bewegen. Mit der Zusatzeignung B96 darf ein Gespann mit einem maximalen zulässigen Gesamtgewichts von bis zu 4,25 Tonnen unterwegs sein.

Entscheiden sich Urlauber für ein Mietfahrzeug, empfiehlt Dreckmeier dafür einen Fachhändler oder professionellen Vermieter: „Er wird bei der Fahrzeugübergabe in einer detaillierten Einweisung alle Fahrzeugfeatures erläutern, berät zu sinnvollem Zubehör und beantwortet viele Fragen.“ Eine Probefahrt unter Anleitung sollte die erste Angst nehmen. Wer sich weiter unsicher fühlt, kann seine Fahrweise bei einem speziellen Fahrsicherheitstraining verbessern.

Wichtig für die Fahrt ins Ausland: In der EU gelten Reisemobile bis 3,5 Tonnen als Pkw und unterliegen denselben Regeln. Für schwerere Fahrzeuge können andere Gesetze gelten. Praktisch: Camper-Navis berücksichtigen Maße und Gewicht des Fahrzeuges und suchen dazu passende Routen wie Brücken oder Unterführungen aus. „Am Urlaubsziel empfiehlt es sich, enge Straßen in kleinen Städten zu meiden. Besser ist es, dass Fahrzeug außerhalb zu parken und dann mit Fahrrädern oder ÖPNV in die Stadt zu fahren“, sagt Dreckmeier.

Dem Risiko des Aufschaukelns eines Caravans wird heute effektiv mit einer Anti-Schlinger-Kupplung entgegengewirkt. Verlängerte Außenspiegel sorgen für bessere Sicht. Beim Abstellen auf dem Campingplatz helfen heute Rangiersysteme den Wohnwagen in die richtige Ecke zu rücken.

Auch bei Fahrzeugen professioneller Vermieter schadet es nicht, diese gründlich zu inspizieren. Denn Wohnwagen und Wohnmobile stehen mehr, als dass sie fahren. Thorsten Rechtien, Kraftfahrzeugexperte beim Tüv Rheinland, rät dazu, Reifen auf Risse, Alter und Luftdruck zu kontrollieren. „Wenn die Reifen älter als sechs Jahre sind, darf das Gespann auch bei einem Wohnwagen mit 100-km/h-Zulassung nur noch 80 km/h fahren“, sagt er. Ein Blick in den Fahrzeugschein gibt Auskunft darüber, ob das Zugfahrzeug für den Anhänger überhaupt geeignet ist.

Ebenso wichtig: Vor der Fahrt prüfen, ob das zulässige Gesamtgewicht nicht überschritten wurde und die Ladung ausreichend gesichert ist. Wassertanks nicht komplett zu füllen und nur eine Gasflasche mitzunehmen hilft Gewicht sparen. In der EU gilt übrigens die Anschnallpflicht auf allen Sitzplätzen. Die Anzahl der möglichen Mitfahrer richtet sich nach der Zahl der Sitzplätze, die mit Sicherheitsgurten ausgerüstet sind.

Bei Wohnwagen sollten Urlauber vor Fahrtantritt die Auflaufbremse und die Gasanlage kontrollieren. „Für mehr Sicherheit sorgen Fahrer, wenn sie vor der Tour das Gas am Absperrhahn im Innenraum unterbrechen, die Gasflasche zudrehen, den Gasregler von der Flasche entfernen und Transportsicherung anbringen“, sagt Rechtien. Der Gaskasten bei Wohnanhängern sei nur für die Gasflaschen bestimmt.

Elektronische Bauteile wie Steckdosen oder Innenbeleuchtungen und funkenschlagende Metallwerkzeuge wie Hammer haben darin nichts zu suchen. Gasflaschen und Adapter sind innerhalb Europas nicht einheitlich. Auch das Reisegepäck gehört sicher verstaut – gleiches gilt für Tiere. Schweres Gepäck gehört nach unten, denn das trägt zur Stabilität während der Fahrt bei.

Sind am oberen Bereich und am Dach Kratzer, sollte man den Bereich um die Fenster auf Undichtigkeiten überprüfen. „Auch die Leichtgängigkeit von Scharnieren und Feststellern gehört überprüft, bevor unterwegs das Reparaturmaterial außer Reichweite ist“, sagt Anja Smetanin vom Auto Club Europa.

Riecht es im Mobil oder Anhänger muffig oder quillt das Holz auf, sollte ein Fachmann die Ursache finden. Auch elektrische Geräte wie Lampen oder Kühlschrank sowie die Wasserhähne und die Bordtoilette können einen Vorab-Check vertragen.

„Camper-Neulinge sollten einige grundsätzliche Dinge beachten. Dazu zählt das Herantasten ans Gespannfahren“, rät Rechtien. Wer seit seiner Führerscheinprüfung nicht mehr mit Anhänger gefahren ist und nun einen großen Wohnanhänger mit sich führt, müsse unter Umständen das Fahren neu lernen. „Der Bremsweg verlängert sich mit Anhänger, die Beschleunigung verschlechtert sich, und das Gespann reagiert empfindlich auf Seitenwind“, sagt Rechtien. Generell braucht ein Auto mit Anhänger mehr Raum zum Ein- und Ausscheren, etwa beim Überholen.

Auch das Tempo kann Neulingen Geduld abverlangen: „Die Fahrt auf der Autobahn mit kontinuierlichen 100 oder 80 km/h kann ermüdend und eintönig sein“, sagt Rechtin. „Hier hilft nur ausreichend Schlaf vor Fahrtantritt in Verbindung mit reichlich Pausen zwischendurch.“ Sein Tipp: Das Bett ist ja nicht weit weg – natürlich nur im Stand.

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