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Reise und Tourismus

21. August 2017 | 10:13 Uhr

Camping : Bulli, Troll und Mikafa

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Reisen mit dem Wohnmobil haben etwas Romantisches. Als Variante mit besonderem Reiz gilt das Oldie-Camping.

Wer im Urlaub Luxus braucht, ist beim historischen Camping falsch. Hier geht es auf wenig Raum ziemlich rustikal zu. Aber bei Reisen im Volkswagen Bulli, im Hanomag 207 oder im Eriba Puck lässt sich die Zeit reizvoll zurückdrehen. Eine wachsende Fangemeinde hat sich dem Erhalt der Vehikel verschrieben.

Der Volkswagen T3 gehört zu den jüngsten und wohl am häufigsten zu sehenden Oldie-Campern. „Dieser sympathische Ziegelstein ist das letzte Modell der Typ2-Baureihe“, erklärt Rüdiger Schneider von der Interessengemeinschaft T3 (IG-T3). „Er wurde noch mit Heckmotor und -antrieb hergestellt.“ Der Bulli T3 verkaufte sich von 1979 bis 1992 erfolgreich in den verschiedensten Varianten – ob als Pritsche, Bus oder Wohnmobil.

Das Spektrum der Bullis der dritten Generation ist groß. Es gibt rund 300 Modelle des T3, darunter zahlreiche Wohnmobil-Varianten. „Unsere Mitglieder fahren den T3 in allen möglichen Ausführungen“, sagt der T3-Spezialist – zum Beispiel Westfalia, Reimo, Karmann Gipsy, Tischer oder Dehler. Rund 270 Mitglieder und wesentlich mehr Fahrzeuge zählt die IG-T3, mit steigender Tendenz. Das Lebensgefühl T3, sagt Schneider, zeichne sich durch Minimalismus und Improvisationstalent aus. Wer also auf Luxus steht, dem wird ein Urlaub im T3 schnell unkomfortabel erscheinen.

Jürgen Scherb vom Camping-Oldie-Club schwärmt noch von anderen Modellen: „Ein Hanomag 207 auf Basis des Tempo Matador oder ein luxuriöses Mikafa-Wohnmobil (Mindener Karosseriefabriken), das sind echte Raritäten.“ Die 427 Mitgliedsfamilien des Vereins decken eine Altersspanne von 2 bis 85 Jahren ab und besitzen zusammen rund 900 Fahrzeuge. Sie verbindet die Leidenschaft für historische Technik.

Technikverständnis und handwerkliches Geschick seien von Vorteil, denn eine in Auftrag gegebene Restaurierung könne teuer werden. „Reist man weiter zurück bis in die Wirtschaftswunderzeit, so lassen sich alternativ zu den Wohnmobilen auch Caravans finden“, sagt der Vorsitzende des bereits 1988 gegründeten Vereins. Unternehmer Erwin Hymer und Konstrukteur Erich Bachem (Eriba) lösten 1957 mit dem Ur-Troll einen Reisetrend aus. „Die Faszination des Reisens beispielsweise mit meinem Sportberger von 1959“, erzählt Scherb, „liegt in der Leichtigkeit des Fahrzeugs und an seinem Flair.“ Viele der Caravans lassen sich zusammenklappen und dürfen oft auch von Oldtimern gezogen werden. „Entscheidend dafür ist das Gewicht des Zugfahrzeugs und des Anhängers“, erklärt der Experte. „Die Tüv-Abnahme ist relativ einfach: Bremsen, Achse, Reifen, Lichter und Stoßdämpfer müssen in Ordnung sein.“ Und dann kann es losgehen. Der Komfort sei gut, man kaufe die Toiletten und Duschen im Prinzip auf den Campingplätzen dazu und habe alles, was man braucht. Praktisch sei auch, dass man den Anhänger einfach abstellt und mit dem Zugfahrzeug vor Ort flexibel unterwegs sein kann.

Die asketische Lebensart hat Christian Steiger, Chefredakteur des Fachmagazins „Auto Bild Reisemobil“, in einem Wohnmobil selbst erfahren. „Im T2 Westfalia habe ich eine Reise zum Mondsee gemacht. Für ein Paar ist das sicher romantisch, aber meiner vierköpfigen Familie könnte ich das nur eingeschränkt anbieten.“ Jeder solle erstmal ausprobieren, ob und wie lange er auf den Alltagskomfort verzichten kann. Abstriche müsse man beim Schlafplatz, den Koch- und Waschgelegenheiten und – ganz wichtig – beim Fahrkomfort und der Reisegeschwindigkeit machen.

Schwieriger als einen VW T2 zu finden, ist sicher, ihn zu bezahlen. „VW Busse waren nie selten, auch wenn die Preise heutzutage explodieren.“ Sammler kauften schon immer gern Bullis.

Dementsprechend teuer sind sie. „Es sind auch das Lifestyle-Gefühl und die Faszination der Hippie-Epoche, welche transportiert werden.“ Derzeit kommen viele Youngtimer-Wohnmobile auf den Markt, die während der 80er Jahre in größeren Serien gebaut wurden. „Man kann beim Kauf noch Schnäppchen machen“, weiß Steiger, „besonders dann, wenn man sich unter den ungewöhnlicheren Modellen umsieht.“ Vor kurzem hat sein Team einen gepflegten Bedford Blitz mit Alkoven-Aufbau für 3400 Euro aufgetrieben. „Natürlich wird noch etwas daran gemacht werden müssen, aber wenn er fertig ist, dann hat er mit H-Kennzeichen deutlich unter 10  000 Euro gekostet.“ Wer also ein erschwingliches Modell sucht, sollte sich jenseits des Bullis umschauen. „Auch Ford Transit oder die Mercedes TN-Modelle der 70er und 80er Jahre sind oft noch günstig zu bekommen“, sagt der Experte. „Und bei den kompakten Campern nicht zu vergessen sind Modelle wie der kleine Mercedes-Benz-Transporter MB 100, der Ende der 1980er Jahre auf den Markt kam, Mitsubishi L 300 oder auch Toyota Hiace.“ Allesamt Modelle, die bestens geeignet sind, um in die Welt des Oldie-Campings einzusteigen.

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