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Reise und Tourismus

17. Oktober 2017 | 22:47 Uhr

Rioja : Beste Weine und bizarre Architektur

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

In der Weinbauregion Rioja lassen sich nicht nur die Trauben Spaniens genießen – es gibt dort auch beeindruckende Bauten

Bis zum Horizont ziehen sich die Rebstöcke über die sanfte Hügellandschaft der Rioja Alavesa. Wein, so weit das Auge reicht. Doch plötzlich blitzt in der Sonne ein bizarres Gebilde auf. Was aus der Ferne wie ein Bündel geschwungener, farbiger Bänder aus Titan wirkt, ist das Hotel des Weinguts Los Herederos del Marqués de Riscal im verschlafenen Weindorf Elciego.

Wer zuvor das weltbekannte Guggenheim-Museum im nahen Bilbao besucht hat, weiß sofort, wer 2006 dieses architektonische Kunstwerk erschaffen hat: Frank Gehry, der amerikanische Stararchitekt. Die weinrot, golden und silbern schimmernden Titanschleifen fügen sich elegant und harmonisch, aber gleichzeitig auch irgendwie chaotisch in die umliegenden Weinberge.

Im Restaurant des zur Bodega gehörenden Luxushotels verwöhnte Sterne-Koch Francis Paniego schon Hollywood-Stars wie Brad Pitt und Angelina Jolie mit seiner verfeinerten Regionalküche. Weinpapst Hugh Johnson kürte das bereits 1862 vom Grafen de Riscal gegründete Weingut zur besten Bodega der Rioja Alavesa. Auch König Felipe bestellt hier gerne die fünf Jahre in Eichenfässern gereiften Gran Reservas, die in den Weinkellern neben dem Luxus-Hotel schlummern.

Das Weingut Marqués de Riscal ist nicht die einzige Bodega in der Rioja, die im Kampf um Besucher versucht, sich mit hauseigener Spitzengastronomie und außergewöhnlicher Architektur von der Konkurrenz abzuheben.

Das Weinbaugebiet der Rioja erstreckt sich entlang des Ebro-Flusses über drei Regionen. Neben der Rioja Baja gelten vor allem die baskische Rioja Alavesa und die Rioja Alta im oberen Gebiet des Ebros als besonders gute Weinbauregionen. Mit fast 61  000 Hektar Rebfläche und 20  000 Winzern handelt es sich um eine der bedeutendsten Weinregionen Europas. Das Problem: Die Rioja-Weine sind zwar landesweit und international sehr beliebt. Doch Touristen verirren sich kaum in die landschaftlich traumhafte Region im Norden Spaniens. Deshalb eröffneten zahlreiche Bodegas Luxushotels und Toprestaurants. Sie ließen architektonische Touristenmagnete bauen, in denen Besucher bei den Weinproben kaum wissen, ob sie sich auf den exzellenten Wein oder die spektakuläre Architektur konzentrieren sollen. „Am besten sie genießen beides gleichzeitig“, meint María José vom Weingut López de Heredia in Haro. In der Weinhauptstadt der Rioja Alta befinden sich 20 namhafte Bodegas.

Die spanische Winzerin empfängt die Besucher an einer Verkaufstheke im Jugendstil aus dem Jahre 1910, die in eine modern geschwungene Stahl- und Glaskonstruktion eingebettet wurde. „Mein Urgroßvater gründete die Bodega bereits vor 138 Jahren“, erklärt María José.

Einige der besten Gran Reservas der Welt reifen nur wenige Kilometer weiter in den Kellern der Bodegas CVNE. Der berühmte französische Architekt Philippe Mazières fertigte in der Bodega Viña Real eine moderne Weinfabrik in Form eines gigantischen Weinfasses.

Einen ähnlichen „Industrie-Stil“, aber viel moderner, hat sich die Bodega Baigorri in Samaniego in der Rioja Alavesa vom baskischen Architekten Iñaki Aspiazu hochziehen lassen. Vielmehr müsste man herunterziehen sagen, denn oben auf dem Weinhügel sieht man von der Bodega nur einen modernen Glaswürfel, unter dem sich acht Etagen über 35 Meter den Hang hinunterarbeiten. „Wir können sogar auf Pumpen verzichten, weil die Produktion der Schwerkraft nach unten folgt“, erklärt Isabel Miralles, die über die Etagen hinabführt.Wenige Kilometer weiter hat Victorino Eguren Ugarte seine Bodega in die Höhe gebaut. Stolz zeigt er von einem Aussichtsturm über ein Meer aus Weinreben. „Sie sind bis zu 100 Jahre alt“, versichert er. Die geführten Segway-Touren durch das 130 Hektar große Weingebiet der Bodega überlässt der 81-jährige Winzer Roberto Pizarro, der sogar bei Vollgas zwischen den Rebstöcken erklären kann, was den Rioja-Wein so speziell macht. Auf der anderen Seite der Kleinstadt Laguardia erhebt sich imposant die Bodega Ysios aus den Weinreben. Sie wirkt wie ein modernes Gotteshaus, dessen Dach einer Orgelpfeife ähnelt. Raffiniert übernahm der spanische Stararchitekt Santiago Calatrava die Silhouette des dahinterliegenden Kantabrischen Gebirges.

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