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Reise und Tourismus

14. Dezember 2017 | 22:06 Uhr

Polen : Auf Spurensuche in Stettin

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Einst zur Hanse gehörig, hat Polens westlichste Hafenstadt „magische Orte“ für jeden Geschmack.

An einer Promenade der Oder mitten im Zentrum stehen Angler. Die Oder teilt Stettin. Östlich erstreckt sich der Industriebereich mit bemerkenswerter Architektur. Die meisten historischen Gebäude und Baudenkmäler aber liegen im mittelalterlichen Stadtkern, direkt am westlichen Flussufer. Wer den 110 Meter hohen Turm der gotischen Jakobikirche erklimmt – ein Lift erspart die 400 Stufen –, hat die Übersicht: zahlreiche Kirchen, Galerien, Museen. Da das jüngste Zentrum für zeitgenössische Kunst in Polen „Trafo“, dort das barocke Königs- und das Berliner Tor. Die weiße Aluminium-Außenhaut der erst 2014 fertiggestellten neuen Philharmonie macht neugierig auf den Kunstgenuss im Innern. Anderswo erinnert eine Haustafel daran, dass hier 1729 die spätere russische Zarin Katharina die Große geboren wurde. Spaziergänger führt die „Rote Route“ in einer sieben Kilometer langen Schleife zu 42 Sehenswürdigkeiten.

Im Laufe der wechselhaften Geschichte hätten Polen, Dänen, Schweden, Preußen und während der napoleonischen Kriege die Franzosen ihre Spuren hinterlassen, meint Marcin Kuta. Vor allem der deutsche Einfluss auf Stettin sei noch sichtbar. Nach 80-prozentiger Zerstörung im Zweiten Weltkrieg wurden etliche Kirchen und die Altstadt mit einem Marktplatz in Barock und Gotik wieder aufgebaut. Dabei vergisst der Stadtführer nicht zu erwähnen, dass hier im 16. Jahrhundert ein Beamter aufgehängt wurde, weil er eine Biersteuer erhoben habe.

Berühmt sind die einst nach dem langjährigen Oberbürgermeister benannten Haken-Terrassen. Mit ihren großen Treppen, Springbrunnen und Aussichtspavillons, Museen und Hochschulen gelten sie als Visitenkarte der Stadt. Gegenüber der etwa 500 Meter langen Flaniermeile finden Wassertouristen maritimes Flair.

Mit einer im Sommer 2015 auf der Insel Schlächterwiese fertiggestellten Marina wurde die Westpommersche Segelroute komplettiert. Sie verbindet das Stettiner Haff mit der Oder. Und wer Marcin Kuta aufmerksam lauscht, hört Zukunftsmusik: Die neue innerstädtische Marina ist Teil des Stadtplanungskonzeptes „Floating Garden 2050“ und macht dann Stettin noch mehr zum „Venedig des Nordens“. Doch schon 2017 wird die Stadt zum 3. Mal Zielort der Tall Ships Races sein, wenn die Route der Großsegler-Regatta von Halmstad in Südschweden über Finnland und Litauen nach Stettin führt.

In die Erholungsgebiete am Stadtrand werden Besucher auf der auch für Radfahrer ausgelegten „Goldenen Route“ geleitet. Sie beginnt am Schloss der Pommerschen Herzöge, das sich jetzt als Replik des Bauwerks aus dem 16. Jahrhundert mit älteren Mauerresten präsentiert. Es ist zudem wohl das einzige Schloss mit Oper, die nach vierjähriger Renovierung im November 2015 wiedereröffnet wurde. Bemerkenswert die Uhr mit Harlekin und Löwen im Hof – wohl ein Geschenk der Schweden. Unter dem Gefängnisturm findet man das Standesamt. „Schließlich bekommt man hier lebenslänglich“, witzelt Marcin. Aber in Stettin lässt sich auch das aushalten.
 

Infos: www.polen.travel, www.opera.szczecin.pl, www.marinas.pl, www.sailtraininginternational.org. Tall Ships Races 2017: 5.-8.8.2017 in Stettin
 

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