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Reise und Tourismus

12. Dezember 2017 | 09:34 Uhr

Der blaue Nil : Auf heiligen Wassern

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Der Blaue Nil entspringt im Hochland von Abessinien und ist einer der Hauptstränge des Flusses Nil.

svz.de von
erstellt am 21.Feb.2015 | 09:02 Uhr

Es gibt Geräusche, die spürt man im ganzen Körper. Die donnernden Wasserfälle des Blauen Nils fühlen wir – lange, bevor wir nach einer Wanderung durchs malerische Hochland von Abessinien atemlos vor ihnen stehen. „Tisissat“ (rauchendes Wasser) nennen die Äthiopier das gewaltige Naturwunder im Nordwesten ihres Landes.

Bevor sich die schlammbraunen Fluten in die Tiefe stürzen, vermischen sie sich mit dem Wasser von über 30 anderen Flüssen im Tanasee, dem mit 1  830 Meter über Null höchstgelegenen See Afrikas. Ausgangspunkt für Bootsausflüge zu seinen 37, oft von Klöstern besiedelten Inseln, ist Bahir Dar am Südufer. In der mit 200  000 Einwohnern drittgrößten Stadt Äthiopiens wächst der Tourismus spürbar.

Der Motorkahn legt ab und tuckert über das graue Wasser. Nur die Papyrusboote der Fischer sind noch langsamer. Auf der Insel Kebran empfangen uns Mönche und zeigen uns ihr Kloster Sankt Gabriel. Mittelpunkt der kleinen Abtei ist ein rundes Gotteshaus. Bauwerke dieser Art sind typisch für die äthiopisch-orthodoxe Tewahedo-Kirche, der vorherrschenden im Land. Seit dem 4. Jahrhundert verbreitete sich hier der christliche Glaube. Wie fast alle äthiopischen Rundkirchen ist St. Gabriel voller farbiger Wandmalereien. Wertvolle handgeschriebene Bücher und Sakralkunst gibt es im klösterlichen Schatzhaus.

Das Kloster von Zeghie ist das nächste Ziel. Ein hölzerner, strohbedeckter Rundbau – die Kirche Ura Kidane Mehret – steht auch hier im Zentrum. Um sie herum sitzen Hunderte weiß gekleidete Männer, Frauen und Kinder und lauschen der Predigt. Manche Worte des Priesters werden vom Gezwitscher der Vögel und den Geräuschen des Dschungels übertönt. Schon im 14. Jahrhundert hatte der Heilige Betre Mariyam das Kloster gegründet. Der heutige Kirchenbau wurde vor rund 500 Jahren errichtet. Nach dem Gottesdienst dürfen wir ihn betreten. Stolz präsentiert uns der Abt die prachtvollen Wandmalereien, die biblische Motive in leuchtenden Farben zeigen. Sie entstanden vor 250 bis 100 Jahren. Die bedeutendsten dieser Werke stammen aus der Regierungszeit von Kaiser Menelik II. (1844 – 1919).

Unweit der Kirche überrascht uns ein windschiefes, eher armselig wirkendes Häuschen mit prunkvollem Inhalt: Im flackernden Licht einer Glühbirne, die offenbar selbst schon viele Epochen erlebt hat, bestaunen wir historische Roben, Jahrhunderte alte Handschriften und Ikonen sowie die echten Kronen äthiopischer Kaiser!

Mehr imperialen Prunk finden wir im nahe gelegenen Gonder, der ehemaligen Hauptstadt des äthiopischen Reiches. Da jeder Herrscher sein eigenes Märchenschloss bauen ließ, entstand die Palaststadt „Fasil Ghebbi“. Mit ihren einzigartigen Architekturdenkmalen gehört sie seit 1979 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Anreise: Ethiopian Airlines bietet wöchentlich fünf Flüge von Frankfurt nach Addis Abeba.
Einreise: Deutsche benötigen ein Visum.
Auskunft: www.aethiopien-botschaft.de/tourism_main.html.

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