Kreuzfahrt in Frankreich : Auf der Loire von Nantes nach Saumur

Auch vor dem Städtchen Ancenis, etwa 50 Kilometer östlich von Nantes, gibt es einige Untiefen – eine Herausforderung für den Kapitän. Fotos: dpa
1 von 4
Auch vor dem Städtchen Ancenis, etwa 50 Kilometer östlich von Nantes, gibt es einige Untiefen – eine Herausforderung für den Kapitän. Fotos: dpa

Eine Kreuzfahrt auf Frankreichs längstem und wildesten Fluss vorbei an Schlössern und Weinbergen

svz.de von
27. Mai 2017, 16:00 Uhr

Benoît sitzt konzentriert hinter seinem riesigen Steuerrad. Sein Blick wandert auf die Sandbänke und seine Instrumententafel. „Der Wasserstand ist nicht sehr hoch. Doch das dürften wir problemlos schaffen“, erklärt er. Der Mittdreißiger hat als Kapitän schon die kurvenreiche Seine befahren, den Rhein und die Rhône. Doch die Loire sei wegen ihrer Untiefen und Strömungen besonders schwierig.

Seit April 2015 steuert Benoît die „MS Loire Princesse“ auf Frankreichs längstem Fluss. Die Reise beginnt in Nantes an der französischen Atlantikküste und endet rund 150 Kilometer weiter in der Pferdestadt Saumur.

Nantes ist Heimatstadt des Autors von „In 80 Tage um die Welt“. Jules Verne wurde nur wenige Straßen vom Anlegeplatz entfernt auf der Insel Feydeau geboren. Als Nantes noch von den französischen Kolonien profitierte, errichteten reiche Kaufleute und Reeder auf dieser kleinen Insel in einem Nebenfluss der Loire prächtige Herrenhäuser. Heute ist der Nebenfluss aufgefüllt, die Fassaden der Häuser jedoch noch mannigfach mit Steinskulpturen verziert.

Nantes ist reich an Geschichte. Ein Tag ist für die Stadt eigentlich viel zu wenig. Zum Pflichtprogramm gehören das imposante Schloss der Herzöge der Bretagne mit seinen sieben Türmen und der 500 Meter lange Wehrgang, die eindrucksvolle gotische Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul, deren Bauzeit mehrere Jahrhundert dauerte (von 1434 bis 1891) oder die Pracht-Einkaufspassage Pommeraye aus dem 19. Jahrhundert, die ursprünglich den Hafen mit den neuen Stadtvierteln verband. Zu einem weiteren Anziehungspunkt für Touristen zählt seit 2007 der Tiermaschinenpark „Les Machines de l’île“ auf dem Gelände der ehemaligen Werften. Hinter dem Namen verbirgt sich eine imaginäre Welt à la Jules Verne mit Meeresungeheuern, Flugsauriern und einem haushohen Elefanten.

Die Loire ist mit mehr als 1000 Kilometern nicht nur der längste Fluss Frankreichs, sondern auch einer der letzten ungezähmten Flüsse Europas. Starke Strömungen, niedriger Wasserstand und Sandbänke machen die Navigation zu einem kleinen Abenteuer. Früher war die Loire auf 880 Kilometern noch schiffbar, angefangen bei La Noirie im Zentralmassiv bis zu ihrer Mündung bei Saint-Nazaire am Atlantik. Heute fahren auf der Loire fast nur noch kleine Fischerkähne und Kanus. Ausflugsboote können nur im letzten Flussabschnitt zwischen Angers, Nantes und Saint-Nazaire verkehren – und seit April 2015 auch die „MS Loire Princesse“. Mit 48 Kabinen ist sie das einzige Kreuzfahrtschiff auf der Loire.

Kapitän Benoît kann sich nur allzu gut an den 10. Juli 2015 erinnern. „Da traf beides zusammen: eine besonders starke Strömung und ein niedriger Wasserstand.“ Dann lief das Schiff auf eine Sandbank auf. Kein Drama, nur ein kleines Abenteuer sei das gewesen, meint er. Nach sieben Stunden wurden sie schließlich abgeschleppt. Die Zeit überbrückten die Passagiere bei einem Sonnenbad auf dem Deck.

Auf der sechstägigen Reise stehen auch einige Landausflüge auf dem Programm, darunter die Weinstraße „Route de Muscadet“, die bis zum Schloss Cassemichère zu einer Weinprobe führt und von dort aus nach Clisson. Die mittelalterliche Stadt liegt im Herzen der Weinberge von Nantes. Aus ihrer Blütezeit wenige Jahrhunderte später stammen neben mehreren Kirchen und den Markthallen aus dem 15. Jahrhundert auch sein befestigtes Schloss. Das Schiff legt auch im Städtchen Ancenis an. Die Sandbänke, an denen Benoît vorbeigesteuert ist, sind noch zu sehen. Die Gemeinde zählt rund 7400 Einwohner und liegt etwa 50 Kilometer nördlich von Nantes. Was es in Ancenis zu sehen gibt? Eines der zahlreichen Schlösser des Loire-Tals. Ancenis wird erstmals im Jahr 984 erwähnt und liegt direkt am Ufer der Loire, an der Frankreichs Könige und Adlige über 400 Schlösser und Burgen errichten ließen.

Die „MS Loire Princesse“ gehört der französischen Reederei CroisiEurope mit Sitz im elsässischen Straßburg. Um die flachen Gewässer der Loire befahren zu können, hat sie einen Tiefgang von nur 70 Zentimetern und wird von Schaufelrädern angetrieben. „Jedes Stück des Bootes wurde gewogen, um es so leicht wie möglich zu machen“, sagte der Chef des 1976 gegründeten Familienbetriebs, Patrick Schmitter. Die Kreuzfahrten auf der „MS Loire Princesse“ beginnen im Frühling und enden im Herbst, je nach Wetter- und Navigationsbedingungen.

Ursprünglich fuhren die schwimmenden Hotels von CroisiEurope überwiegend auf dem Rhein. Heute besteht die Flotte aus über 25 Kreuzfahrtschiffen der Mittelklasse. 2018 soll ein weiteres Schiff mit Schaufelrad-Antrieb auf der Elbe zwischen Berlin und Prag zum Einsatz kommen.

Anne hat die Reise vor einem Jahr gebucht als Geburtstagsgeschenk für ihren Mann. Denn Claude ist Pferdenarr und Saumur, das letzte Ziel der Reise, eine Pferdstadt, die für ihre Kavallerieschule „Cadre Noir“ weltbekannt ist. Ihr Mann habe selber jahrelang an Reitturnieren teilgenommen, erzählt die 58-Jährige. Die traditionelle französische Reitschule geht auf das Jahr 1824 zurück und zählt seit 2011 zum Weltkulturerbe der Unesco.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen