Klettersteige : An der Wand dem Gipfel entgegen

Über Eisenstifte  geht es auf dem Höllental-Klettersteig auf die Zugspitze.
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Über Eisenstifte geht es auf dem Höllental-Klettersteig auf die Zugspitze.

Eiserne Steige meißeln Wege in Felsen und ermöglichen Freizeit-Bergsteigern eine Mischung aus Klettern und Wandern.

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24. Juni 2016, 21:00 Uhr

Den Berg hinauf, da, wo eigentlich kein Weg ist? Klettersteige machen es möglich. Via Ferrata, „Eisenweg“, werden die Routen auch genannt. Denn statt über Pfade und Wanderwege führen sie den Bergsteiger über Eisentritte und Drahtseile hinauf zum Gipfel. Die Bandbreite reicht von Touren im alpinen Gelände bis zu abwechslungsreichen Panorama-Steigen, die auch für Kinder geeignet sind. Eine Auswahl der schönsten Routen im Alpenraum:

>  5-Gipfel-Klettersteig im Rofangebirge in Österreich: Ein Steig, fünf Gipfel - und Abwechslung pur. „Die Klettersteige bilden einen Kranz, man umrundet also die ganze Rofanalm“, erklärt Bergführer Chris Semmel, Geschäftsstellenleiter beim Verband Deutscher Berg- und Skiführer (VDBS), die Route. Vom leichten Einstieg bei der Haidachstellwand bis zum anspruchsvollsten Teilstück auf die Seekarlspitze sind fast alle Schwierigkeitsgrade dabei. Da man Teile der Runde einzeln begehen kann, kommen auch Kinder und weniger Geübte zum Zug. Den Einstieg erreicht man mit der Rofanseilbahn vom Achensee aus und folgt dann der Beschilderung über die Alm bis hin zum Startpunkt.

>  Höllental-Klettersteig auf der Zugspitze: Dieser Klassiker führt über Eisenstifte auf Deutschlands höchsten Berg. Da er mit etwa sieben Stunden Gehzeit sehr lang ist und sich über 2000 Höhenmeter hinzieht, sind hier vor allem ausdauernde Bergsportler angesprochen. Dass es hoch hinaus geht, merkt man auch am Gletscher: Für die Überquerung des Höllentalferners, der am Ende der Route liegt, braucht es Steigeisen. Da der Weg bis zum Schluss am Hang entlang führt, hat man erst ganz oben die volle Aussicht, sagt Stefan Winter vom Deutschen Alpenverein. Wegen ihrer Bekanntheit herrscht auf der Route meist Hochbetrieb.

>  Stuibenfall und Lehner Wasserfall in Österreich: Obwohl nicht im alpinen Gelände gelegen, befriedigen diese talnahen Steige im Ötztal die Abenteuerlust. Hinauf geht es vom Parkplatz am Ötzidorf aus zunächst im Wald entlang der Wasserfälle – und dann auch hinüber. „Es sind spektakuläre Hängebrücken eingebaut“, erklärt Bergführer Semmel die Besonderheit. Mit der richtigen Sicherung und Anleitung können auch Kinder diese Passagen meistern. Zwischendrin gibt es Bänke und Rastplätze, auf denen man sich für den Weiterweg stärken kann. Für ambitionierte Kletterer gibt es am Lehner Wasserfall außerdem eine Variante mit Höchstschwierigkeiten, die auch Stellen mit Überhang enthält.

>  Pidinger Klettersteig: Dieser lange und verhältnismäßig anspruchsvolle Steig liegt zwischen Salzburg und Bad Reichenhall und ist daher sehr gut erreichbar. Bis zum Einstieg muss man vom Örtchen Urwies aus über Forstwege wandern. Semmel empfiehlt dafür das Mountainbike: Damit ist man schneller oben und kommt nach dem Klettern auch bequem wieder nach unten. Der Steig führt gleich zu Beginn recht steil hinauf – wer hier schon die Arme spürt, sollte danach besser über den Notausstieg auf den Normalweg wechseln, rät Semmler. Denn das letzte Stück über eine steile Platte hat es in sich. Wer oben ist, kann nach der abwechslungsreichen Kletterei die Aussicht auf dem 1771 Meter hohen Hochstaufen genießen.

>  Hindelanger und Mindelheimer Klettersteig: Zwei Tourenmöglichkeiten von Oberstdorf aus, die fantastische Aussicht ermöglichen. „Beide verlaufen über große Grate, und man hat super Ausblicke ins Alpenvorland und die Allgäuer Alpen“, erklärt Stefan Winter vom DAV. Der Hindelanger Klettersteig führt östlich von Oberstdorf vom Nebelhorn aus bis auf den 2280 Meter hohen Großen Daumen und ist auch für Anfänger geeignet. Der Mindelheimer Steig ist anspruchsvoller, durch seine interessante Routenführung über die drei Schafalpenköpfe aber bei entsprechendem Können ein Genuss mit Panoramablick.

>  Tälli Klettersteig (Schweiz): Der älteste Klettersteig der Schweiz liegt unweit des Brienzer Sees. „Das ist kein Anfängersteig“, macht der Berg- und Skiführer Thomas Stephan klar. Mit Auf- und Abstieg ist man hier schnell sieben Stunden unterwegs, knapp 1400 Höhenmeter sind zu überwinden. Stephan rät, eine Übernachtung auf der Tällihütte vorzuschieben und dann früh aufzubrechen. Viel Wasser mitzunehmen, ist wichtig. Denn in der Südwand kann es im Sommer schnell warm werden. „Von oben hat man einen tollen Blick auf das Sustenhorn und die Gletscher der Berner Alpen“, rechtfertigt der erfahrenen Alpinist Stephan die Quälerei.

>  Jägihorn Klettersteig (Schweiz): Hier geht es hoch hinaus. Umgeben von Viertausendern ist dieser Klettersteig einer der höchsten im Alpenraum. Je nach Zeitplan können Bergsteiger direkt vom Talort Saas Grund aus mit der Seilbahn nach oben fahren und zum Einstieg wandern. Oder man legt vorher eine Übernachtung auf der Weissmieshütte ein. Dort lassen sich auch öfter Steinböcke beobachten, erklärt Stephan. Der Steig selbst führt über roten Gneis auf das 3206 Meter hohe Jägihorn. Er ist anspruchsvoll und spannend: Der Weg führt über Seilbrücken und zum Ende über eine Art Strickleiter. Für die anspruchsvollsten Schlüsselstellen gibt es aber jeweils auch eine leichtere Variante. Der Lohn kann sich dann allerdings sehen lassen: Von oben kann man dann die umliegenden Viertausender von Saas Fee bewundern.

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