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Reise und Tourismus

25. November 2017 | 01:18 Uhr

Golf von Mexiko : Amerikas dritte Küste

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Die Ost- und die Westküste der USA kennt jeder, doch es gibt noch eine dritte Urlaubsküste: am Golf von Mexiko in Texas

Andy Hancock ist ein kerniger Typ. Man könnte sofort glauben, er fahre Trucks quer durch die USA. Aber sein Beruf ist ein anderer: Andy ist Bildhauer. Der Australier hat viele Jahre in Wales gelebt und gearbeitet. Seit einigen Jahren nennt er South Padre Island, eine langgezogene Insel vor der Südküste von Texas, sein Zuhause. „Hier ist es immer warm, immer sonnig – und der Sand ist einmalig“, sagt er. Das ist wichtig: Sand ist der wichtigste Werkstoff für Andy – der Auswanderer baut Sandburgen. Mit seinem Hobby ist Andy ein ziemlicher Exot an der sogenannten texanischen Riviera. Wo bitte?

Die langen Strände an der Westküste und die oft felsigen Küstenabschnitte der Ostküste kennen viele USA-Besucher. Doch das Land hat noch eine dritte Küste: in Texas, am Golf von Mexiko. Kreuzfahrtschiffe legen hier ab, und eine ganze Reihe kleiner, schöner Städte sind auf den knapp 600 Kilometern zwischen Galveston und der Grenze nach Mexiko zu finden. Hier gibt es viel Ruhe und frischen Fisch. Und überall weiße, feine Sandstrände.

An einem solchen Strand hat Andy sein Büro und seine Werkstatt, unter einem Holzdach. Er gibt jedem Gast nicht nur eine Werkzeugkiste, sondern auch eine Getränkeflasche – die Sonne brennt hier den ganzen Tag. Andy Hancock bringt seinen Gästen bei, wie man Kunstwerke aus Sand baut.

Auf der kleinen South Padre nahe der mexikanischen Grenze können Besucher aber natürlich nicht nur Sandschlösser bauen. „Hierher kommen viele Menschen, die Sportfischen und dazu weit aufs Meer hinaus fahren“, sagt Bürgermeister Robert Pinkerton jr.. Mit ihren eigenen Booten oder auf geführten Touren warten sie oft den ganzen Tag darauf, einen dicken Fisch an die Angel zu bekommen. Das ist nicht Jedermanns Sache – doch man kann sich am Strand und auf dem Wasser noch anders die Zeit vertreiben: auf dem Pferderücken zum Beispiel, bei einem Ritt am Strand vor Corpus Christi. Auch das Wellenreiten kann man an vielen Stellen entlang der Küste lernen - allerdings ist die Brandung nicht mit den großen Surfrevieren der USA zu vergleichen. „Aber das macht nichts“, sagt Lehrer Jeff von der Ohana Surf School in Galveston. „Man hat seine Ruhe und kann die Bewegungen lernen.“

Man kann nicht so recht glauben, dass die größte Stadt in Texas nur einen Katzensprung entfernt ist. „Von Houston braucht man mit dem Auto etwa eine Stunde hierher“, sagt Jeff. Doch viele, die am Meer leben, wollen gar nicht mehr in die Stadt. „Hier sind die Highways und Hochhäuser weit weg, das gefällt mir gut“, sagt der leidenschaftliche Surfer. Die Besucher zieht es in Scharen in den historischen Teil von Galveston, das bereits im Jahr 1836 auf einer Sandbank gebaut wurde. Der Ort war reich, das sieht man noch heute. Ende des 19. Jahrhunderts hatte man den drittgrößten Tiefseehafen der Nation errichtet – und ein florierendes Finanzviertel noch dazu. Mit der Arbeit und den wohlhabenden Einwohnern kamen nicht nur die viktorianische Architektur und hübsche Villen, sondern auch die Kultur an den Golf von Mexiko: Das Opernhaus aus dem Jahr 1894 ist noch heute in Betrieb – ein echtes architektonisches Juwel.

Doch es gab und gibt ein Problem in Galveston: die Hurrikans. Am 9. September 1900 zerstörte ein Wirbelsturm weite Teile der florierenden Stadt. Und gut 100 Jahre später, am 13. September 2008, verwüstete Hurrikan Ike den Ort wieder. Doch die Amerikaner wären nicht die Amerikaner, wenn sie nicht die Ärmel hochkrempeln und nach einer Katastrophe alles wieder soweit herstellen würden, wie es eben geht.

Galveston gilt als nördliches Ende der texanischen Riviera. Wer von dort Richtung Süden fährt, immer entlang der TX 35, kann sich einfach das Stückchen Strand aussuchen, das ihm am besten gefällt. Viele der Inseln, ob Galveston, Mustang Island oder die Padre Island National Seashore, sind gänzlich von den großen amerikanischen Hotelketten verschont geblieben. Hier gibt es noch kleine Motels und Pensionen, auch die Restaurants sind eher die Stammkneipen der Einheimischen.

Einsam ist es hier überall, nur wenige Menschen verirren sich an die feinsandigen Strände und genießen das Wasser, das ganzjährig eine angenehme Badetemperatur hat. Nur an „Spring Break“ wird es lauter, in den Frühjahrsferien der Studenten, in denen es überall drunter und drüber geht und man in Bikini und Shorts herumläuft. Dieser Ausnahmezustand dauert allerdings nur eine Woche, meist im März. Danach gehören Strand und Meer wieder Vögeln und Fischen – und den wenigen Besuchern, die hier die Sonne genießen. Oder mit Andy Hancock eine Sandburg bauen.

 

 

 

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