Skifahren : Alles auf Anfang

Die Aussicht von der Terrasse des Café 3440 ist fantastisch.
Die Aussicht von der Terrasse des Café 3440 ist fantastisch.

Angeblich ist es beim Skifahren wie beim Fahrradfahren: einmal gelernt, vergisst man es nie. Ein Wiedereinsteig im Selbstversuch nach zwanzig Jahren.

von
30. Januar 2016, 16:00 Uhr

Gleißend hell ist die Sonne und lässt die Schneekristalle auf der weiß überpuderten Landschaft glitzern. Teller- und Sessellifte rattern, dazwischen wedeln bunte Punkte die Pisten hinab. Eigentlich eine Postkartenidylle, und trotzdem: Nervosität und Zweifel machen sich breit, als wir aus der Bergstation aussteigen. Hier im Pitztal gibt es nicht nur das höchste Skigebiet Österreichs, sondern auch eine der wenigen Skischulen in der Alpenrepublik, die sich auf Wiedereinsteiger spezialisiert haben. Ich wage den Neustart, mit dem Skilehrer Rudi Tangl. Er versprüht Zuversicht und gute Laune: „Kein Stress, du sollst das genießen.“ Als Mitfünfziger hat er viel Erfahrung mit Wiedereinsteigern gesammelt und macht sich schlau über meinen Wissensstand: „Wie oft bist Du schon Ski gefahren, wie lange ist das her?“ Das war in meiner Studienzeit vor zwanzig Jahren, nur zwei Winter lang. Ob das reicht?

Ungeschickt stakse ich rüber zur Anfängerpiste, Rudi trägt die Skier, ich die Stöcke. Oben angekommen fühle ich mich ein wenig wackelig, erinnere mich noch an den Schneepflug. Aber alles ist noch wahnsinnig verkrampft. „Solltest Du Dir noch einmal einen Skilehrer für Wiedereinsteiger nehmen und er fängt mit Parallelfahren an: Such Dir gleich einen neuen“, sagt Rudi. Der Schneepflug muss zuerst sitzen. Abfahrt für Abfahrt kommen die Fortschritte, Rudi ist voll des Lobes. Langsam machen sich die Beinmuskeln bemerkbar, mein Lehrer hat feine Antennen dafür: „Brauchst du eine Pause? Lieber eine Abfahrt zu früh als zu spät.“ Verschnaufen tut wirklich gut, dazu gibt es hier auf der Anfängerpiste im Hochzeiger-Skigebiet extra eine gemütliche Relax-Lounge.

Hinkommen
Der nächste Flughafen liegt in Innsbruck, von dort geht es per Bahn oder Hotel-Shuttle weiter. Die günstigste Bahnverbindung führt nach Imst, der Postbus bringt alle Gäste vom Bahnhof aus gratis ins Pitztal. Wer mit dem Auto anreist, fährt über die A7 in Richtung Süden bis Füssen und anschließend über die Bundes- und Landstraße in das kleine Tal.

Rudi erklärt mir, dass ich dazu neige, den Oberkörper zu drehen. Wir fangen an, an Grundlagen zu arbeiten, die ich schon vor zwanzig Jahren eigentlich hätte lernen müssen. In den nächsten Tagen üben wir weiter: Fahren ganz ohne Skistöcke, Gewicht auf dem Talski, langsam aufrichten, Gewicht umverlagern. Die Ski laufen immer paralleler und dazu lacht die Sonne auf die weiße Puderlandschaft. „So“, sagt Rudi. „Jetzt bist Du soweit, um es auf der echten Piste zu probieren!“

Wir lassen den Kurs gemächlich ausklingen, Abfahrten ohne Hausaufgaben, einfach nur genießen. Und heimlich still und leise ist sie wiedergekommen: Die Freude am Gleiten über den weißen Pulverschnee, so wie damals, vor zwanzig Jahren.

Einkehrtipp
Das Café 3440 liegt über dem Skigebiet des Pitztaler Gletschers und ist das höchstgelegene Café Österreichs – mit fantastischer Aussicht.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Mehr Informationen erhalten Sie in unserem Leserreisen-Portal, oder über Ihrer Anfrage über das folgende Formular:

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen