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Radeln in den Bergen : Aller Anfang ist anstrengend

vom
Aus der Redaktion der Zeitung für die Landeshauptstadt

Radfahren in den Bergen wird immer beliebter: In der Tiroler Zugspitzregion können sich Anfänger im Mountainbiken probieren.

svz.de von
erstellt am 30.Apr.2016 | 16:00 Uhr

Ich kann Rad fahren, seit ich fünf Jahre alt bin. Natürlich. Doch hier auf der Tiroler Seite der Zugspitze muss ich es noch einmal lernen – denn diese Radtour führt ins Gelände. „Vom Sattel hoch, Pedale waagerecht, Gewicht nach hinten verlagern“, erklärt Biketrainer Walter Haas. Seit 18 Jahren bringt er Urlauber mit dem Mountainbike in die Berge – ob Anfänger, Fortgeschrittene oder Könner. Und das bedeutet: Techniktraining. Vollbremsungen, enge Kurven, die 20-Gang-Schaltung ausprobieren. Wir versuchen, eine steile Almwiese herunterzufahren. „Nicht zu fest bremsen, sonst blockieren die Räder“, ruft Walter. „Und wenn das passiert, Bremsen leicht lösen, Lenker gerade halten.“

Noch ein paar Startübungen, dann folgt am Ende des Trainings der wichtigste Tipp: „Geh’ im Gelände immer mit dem Körper mit. Du musst immer wieder deinen Schwerpunkt verlagern, mal mehr nach hinten, dann wieder in die Mitte.“

Ob das als Ratschlag reicht? Die Radtour ist zunächst eher beschaulich: Wir fahren von Lermoos über üppige Wiesen und schmale Bretter, die über kleinen Bächen liegen. „Mit Schwung drüberfahren, sonst kommst du ins Schlingern und landest im Bach“, rät Walter. Dann geht es über Feld- und Waldwege, Kuh- und Pferdeweiden auf zur Drei-Seen-Tour – immer wieder mit Blick auf das zerklüftete Wettersteingebirge und die Zugspitze.

Die erste Erkenntnis des Flachlandradlers: Bergaufstrecken sind auch im niedrigsten Gang ganz schön anstrengend. Ich komme schnell aus der Puste. Da hilft nur noch Absteigen und Schieben.

Auf 1093 Metern Höhe wartet die Belohnung für die Mühen: der Blindsee. Kristallklares Wasser vor herrlicher Bergkulisse. Und nur wenige Bike-Minuten entfernt befinden sich schon der Mitter- und der Weißensee. Hier lohnt es sich, länger Pause zu machen.

Der Weg bergauf ist allerdings erst die Hälfte des Weges. Zuerst geht es über einfache Trails hinab und dann auf einer Skipiste runter ins Tal. „Beim Wandern läuft man ja im Zickzack bergab, beim Biken nimmst du die direkte Linie“, lautet Walters Anweisung. Mein Glück: Es handelt sich um eine blaue, also einfache Piste.

Am folgenden Tag geht es wieder an einen See: von der Ehrwalder Alm zum Seebensee, einem Hochgebirgssee auf 1657 Metern Höhe in der Mieminger Gebirgskette. Experten fahren die Tour   vom Tal in Ehrwald aus, Anfänger wie ich nehmen erst einmal den Lift bis zur Ehrwalder Alm und starten von dort. Aber die knapp 200 Höhenmeter von der Alm bis zum See haben es trotzdem in sich.

Einen Teil der Strecke schiebe ich auch dieses Mal, zu meinem Trost steigen auch ein paar andere Mountainbiker ab. Doch auch hier werden die Radausflügler mit einem Bilderbuch-Panorama beschenkt: Der See, schimmernd in verschiedensten Blau- und Grüntönen, wird umgeben von der Sonnenspitz im Westen und dem Tajakopf im Osten. Im Süden blickt man auf die Mieminger Kette und den Drachenkopf, Richtung Norden erhebt sich das Wettersteingebirge mit dem Zugspitzmassiv.

Auf dem Rückweg legen wir eine Rast auf der Seeben-Alm ein, bei Knödel und Kaiserschmarrn. Danach fahren wir auf einer asphaltierten Straße zügig Richtung Tal. Immer wieder werde ich von Mountainbikern überholt, die noch dazu Serpentinen abkürzen und auf engen Pfaden durch den Wald sausen – doch ich lasse es langsam angehen.

Erschöpfung steckt im Körper. Das Mountainbiken in den Bergen ist für einen Anfänger noch anstrengender als ohnehin schon. Und es erfordert Konzentration, um bei viel Gefälle und auf schmalen Pfaden nicht aus der Bahn zu fliegen.

Noch einmal höre ich Walters Worte in meinem Kopf: „Gewicht nach hinten verlagern, aus dem Sattel hoch, Pedale waagerecht.“ Doch mein Körperschwerpunkt geht jetzt nicht mehr mit dem Gelände mit, sondern sinkt tiefer und tiefer. Zeit für eine wohlverdiente Auszeit im Tal.

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