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Reise und Tourismus

18. Dezember 2017 | 21:41 Uhr

Fragen und Antworten : Air Berlins tiefer Fall

vom
Aus der Onlineredaktion

Mitten in der Ferienzeit: Insolvente Fluggesellschaft will weiter fliegen

Am Ende kommt es doch überraschend. Air Berlin schreibt zwar seit Jahren tiefrote Zahlen. Doch der starke arabische Partner Etihad hielt die deutsche Airline in der Luft. Jetzt steigt Etihad aus, Air Berlin muss Insolvenz anmelden. Noch haben Fluggäste, Mitarbeiter und betroffene Flughäfen eine Galgenfrist. Hintergrund von Theresa Münch

Was passiert mit meinen gebuchten Flügen? Komme ich noch von Mallorca weg?

Wer jetzt mit Air Berlin im Urlaub ist, muss sich um den Rückflug laut Fluggesellschaft keine Sorgen machen. Alle Flüge von Air Berlin und der Tochter Niki fänden weiter statt, versichert das Unternehmen. Gebuchte Tickets bleiben gültig. Auch neue Air-Berlin-Flüge kann man weiterhin buchen. Sichergestellt wird das durch einen 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung.

Wie lange reicht das Geld?

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geht davon aus, dass der Flugbetrieb damit für ungefähr drei Monate gesichert ist. Verkehrsminister Dobrindt (CSU) sprach von einem gesicherten Flugbetrieb bis Ende November.

Und danach?

Der Kredit soll den Rahmen für eine Übernahme schaffen. Denn allein sieht sich Air Berlin nicht mehr als überlebensfähig.

Warum kommt die Insolvenz gerade jetzt?

Jahrelang hat der arabische Großaktionär Etihad Airways Air Berlin mit Finanzspritzen in der Luft gehalten. Jetzt aber habe Etihad mitgeteilt, „dass sie nicht mehr beabsichtigt, Air Berlin finanziell zu unterstützen“, teilte die Fluggesellschaft mit. Am vergangenen Mittwoch habe der arabische Partner eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht überwiesen. Am Freitagabend habe Etihad dann mitgeteilt, dass sie nicht mehr helfen wollten.

Wie begründet Etihad das?

Das Geschäft Air Berlins habe sich rapide verschlechtert, teilte Etihad mit. Dadurch könnten „entscheidende Herausforderungen nicht bewältigt und alternative strategische Optionen nicht umgesetzt werden“. Etihad könne unter diesen Umständen die eigenen Verbindlichkeiten nicht erhöhen. Damit hält der Großaktionär seine bisherige Zusage nicht ein. Noch im April hatte Etihad schriftlich versichert, Air Berlin weitere 18 Monaten finanziell zu unterstützen.

Was ist das Ziel der Insolvenz?

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung zielt darauf, das Unternehmen weiter am Leben zu erhalten. Es soll nicht abgewickelt werden, stattdessen soll der Flugbetrieb in einer soliden neuen Struktur weitergehen. Der bereits begonnene radikale Umbau soll fortgeführt werden. Erster Anwärter auf die Übernahme von Teilen Air Berlins ist die Lufthansa, aber nur wenn die Schulden zuvor getilgt sind.

Was ist mit den Schulden?

Die sind noch da. Der vorläufige Sachwalter, der dem Management an die Seite gestellt wird, muss nun in Verhandlungen mit den Gläubigern eine Lösung finden. Die müssen auf viel Geld verzichten. Letztlich kommt es darauf an, was die Gläubigerversammlung entscheidet. Da dürfte vor allem Etihad ein entscheidendes Wort mitsprechen.

Welches Interesse hat die Lufthansa an einer Übernahme weiterer Unternehmensteile?

Die Lufthansa würde mit der Übernahme eines Großteils von Air Berlin ihre wichtigste Rivalin aus dem Inland schlucken – und könnte ihre eigene Billigtochter Eurowings stärken. Der Kranich-Konzern hat bereits sehr gute Erfahrungen bei der über Leasing organisierten Teil-Übernahme von 38 Flugzeugen für ihre Töchter Austrian und Eurowings gemacht. Die Airbus-Maschinen der Air Berlin seien in einem guten Zustand, die Crews operativ bestens unterwegs, ist aus dem Konzern zu hören. Vor allem die 17 Langstreckenjets, die vorwiegend ab Düsseldorf unterwegs sind, wären für die Tochter Eurowings interessant. Der Vorteil des Deals: Lufthansa bekäme Flieger und Personal, aber nicht die Verwaltung und Tarifverträge von Air Berlin. Denn bei Eurowings verdienen vor allem die Piloten deutlich weniger.

Hätte das Kartellamt etwas dagegen?

Aus Sicht Dobrindts wäre eine Übernahme durch die Lufthansa kartellrechtlich unproblematisch, weil es nur um Teile des Geschäfts gehe. Gespräche für Teil-Übernahmen gebe es mit mehreren Airlines.

Was bedeutet der Schnitt für die Beschäftigten der Air Berlin?

Bei den Gewerkschaften schrillen alle Alarmglocken, denn bei einer Zerschlagung drohen nicht nur Entlassungen während des Insolvenzverfahrens. Es soll mindestens ein weiterer Investor zum Zuge kommen.

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