Mit dem Zelt in die Wildnis : Wildcampen in Europa: Wo das Übernachten in der freien Natur erlaubt ist

Irgendwo in Norwegen: Wildcampen kann wunderschön sein – doch wo ist es erlaubt?
Irgendwo in Norwegen: Wildcampen kann wunderschön sein – doch wo ist es erlaubt?

Beim Thema Wildcamping hat jedes Land in Europa seine eigenen Regeln. Ein Überblick über die unterschiedlichen Gesetzte:

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19. Mai 2019, 08:05 Uhr

Hamburg | Das Jedermannsrecht macht es möglich: In Norwegen, Schweden und Finnland sorgen Allemannsrett, Allemannsrätt und Jokamiehenoikeus dafür, dass Camper ihr Zelt fast überall in der freien Natur aufstellen und dort übernachten, teilweise sogar Feuer machen dürfen. So soll jedermann der freie Zugang zur Natur zugesichert werden.

Doch längst nicht überall in Europa sind die Regelungen so – und auch in den Nordländern gibt es Grenzen. Pincamp, die digitale Camping-Plattform des ADAC, gibt einen Überblick:

In Deutschland gibt es regionale Unterschiede, aber grundsätzlich verbietet das Bundeswaldgesetz das Wildcampen auf öffentlichem Grund. Wer sein Zelt trotzdem in der freien Natur aufstellen möchte, kann das mit Einverständnis des Eigentümers auf Privatgrundstücken machen. Ausnahmen bilden Flächen, die nicht unter Naturschutz stehen und nicht durch Zäune oder Hecken eingegrenzt sind. Dort wird zumindest das "Lagern" oder "Biwakieren" toleriert. Wie lange diese Pause dauern darf, ist nicht eindeutig festgelegt. Nur sollte auch dann kein offenes Feuer oder unnötig viel Lärm gemacht werden. Wer gegen die genannten Regeln verstößt, riskiert ein Bußgeld, das bei Schäden bis zu 500 Euro betragen kann. Zudem gibt es in einigen Regionen spezielle Biwak- und Naturzeltplätze.

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In Dänemark ist das Wildcampen generell verboten – dafür gibt es sogenannte Naturlagerplätze, auf denen es kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr erlaubt ist. Allerdings gibt es auch dort Einschränkungen: Es ist nur eine Übernachtung in maximal zwei Zelten für höchstens sechs Personen erlaubt, verboten sind offenes Feuer, das Übernachten in Sichtweite von Gebäuden, Straßen oder anderen Zeltplätzen sowie das Zelten an Stränden und Dünen, die an Wälder angrenzen. Für Schäden in der Natur werden auch hier Bußgelder verhängt.

Für Norwegen und Schweden gilt das bereits erwähnte Jedermannsrecht. In Norwegen ist das Wildcamping nur dort nicht erlaubt, wo es explizit verboten ist. Zudem sind offene Feuer von Mai bis September untersagt. Auch in Schweden sind stellenweise lokale Vorschriften zu beachten – beispielsweise kann das Wildcamping an Badestränden untersagt sein, außerdem kann es beim Thema Lagerfeuer in trockenen Sommern Einschränkungen geben. Entsprechende Ausschreibungen weisen darauf hin.

Das Jedermannsrecht sorgt dafür, dass das Wildcamping beispielsweise in Norwegen grundsätzlich erlaubt ist – so wie hier auf den Lofoten.
imago images/Westend61
Das Jedermannsrecht sorgt dafür, dass das Wildcamping beispielsweise in Norwegen grundsätzlich erlaubt ist – so wie hier auf den Lofoten.

Sowohl in den Niederlanden als auch in Belgien ist das Übernachten abseits von Campingplätzen verboten. Ausnahmen bildet das sogenannte "Pfahlcamping", das mit den dänischen Naturlagerplätzen vergleichbar ist. Im zehn-Meter-Umkreis dieser gekennzeichneten Pfähle darf das Zelt aufgebaut werden, ebenfalls mit regionalen Einschränkungen. Meist gilt, dass der Aufenthalt nicht länger als drei Tage beziehungsweise 72 Stunden dauern darf, in manchen Gebieten ist auch nur der Aufenthalt für eine Nacht erlaubt. Es dürfen maximal drei kleine Zelte gleichzeitig aufgestellt werden und offenes Feuer ist verboten. Gaskocher sind meist zugelassen und auch hier muss der Abfall nach Abreise wieder mitgenommen werden.

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In Frankreich ist das Wildcamping nur auf Privatgrundstücken – mit entsprechender Genehmigung – erlaubt. Die französische Tourismuszentrale bewirbt unter anderem "Camping auf dem Bauernhof". Wer gegen die Richtlinien verstößt, riskiert Bußgelder von bis zu 1500 Euro. Zudem gelten regionale Einschränkungen, beispielsweise in Nationalparks und Naturreservaten.

Besonders hohe Bußgelder verlangt Österreich: Das Wildcampen ist dort komplett verboten, beispielsweise in Salzburg, Tirol und Kärnten werden Bußgelder bis 500 Euro fällig. Festgelegt werden die Höhen von den Bundesländern. Bei besonders schweren Verletzungen der Vorschriften können Strafen von bis zu 14.500 Euro drohen.

Auch in Italien ist das Wildcampen komplett verboten, besonders in den touristischen Regionen muss mit entsprechenden Kontrollen gerechnet werden. Wer sich nicht daran hält, zahlt in der Regel Bußgelder zwischen 100 und 500 Euro. Auf Privatgrundstücken ist das Campen mit dem Einverständnis des Besitzers erlaubt.

In Italien darf das Zelt mit Einverständnis des Besitzers auf Privatgrundstücken aufgestellt werden.
imago images/Westend61
In Italien darf das Zelt mit Einverständnis des Besitzers auf Privatgrundstücken aufgestellt werden.

Spanien untersagt Wildcamping zwar grundsätzlich ebenfalls – allerdings hat jede der autonomen Gemeinschaften hierzu eigene Regelungen. Manche davon sind etwas lockerer, andere sehr strikt. Unterschiede gibt es auch bei der Höhe der Strafen, die vor allem bei Verstößen in Naturschutzgebieten mit bis zu 600 Euro pro Person recht hoch ausfallen können.

In der Schweiz gibt es keine generellen Vorschriften, die Kantone oder Gemeinden haben eigene Bestimmungen. Im Gebirge oberhalb der Waldgrenze ist es grundsätzlich erlaubt, auf Privatgrundstücken mit dem Einverständnis des Besitzers. Immer verboten ist es in Naturschutzgebieten und Nationalparks sowie in eidgenössischen Jagdgebieten und Wildruhezonen.

Auch in Polen ist das Wildcamping in Naturschutzgebieten verboten, ebenso an der Küste. Auf Grundstücken ist es mit der Genehmigung des Besitzers erlaubt, im öffentlichen Raum, wenn es von der örtlichen Behörde genehmigt wurde. Für das Biwakieren gibt es speziell ausgewiesene Plätze.

Der "Scottish Outdoor Access Code" regelt den Aufenthalt in der Natur von Schottland. Dieser besagt etwa, dass kein Müll zurückgelassen werden darf, Gatter und Tore stets wieder zu schließen und Lärm vermieden werden muss. Hält man sich an den Verhaltenskodex, der in den meisten Touristenbüros ausliegt, ist das Wildcamping erlaubt.

Für Wohnmobile und Wohnwagengespanne gelten meist andere Regeln. In Deutschland beispielsweise dürfen sie im öffentlichen Raum oder auf Parkplätzen überall dort halten, wo es durch Hinweisschilder nicht ausdrücklich verboten ist. Speziell auf Autobahnparkplätzen und -rastanlagen gilt es, Rücksicht auf den Güterkraftverkehr zu nehmen.

Für Campingmobile und Wohnwagengespanne gelten meist andere Regeln als für das Zelten.
imago images/Westend61
Für Campingmobile und Wohnwagengespanne gelten meist andere Regeln als für das Zelten.

In Norwegen gilt das Jedermannsrecht nicht für Campingmobile. Diese dürfen dort nur entlang öffentlicher Straßen stehenbleiben, zudem maximal für eine Nacht. Ein campingähnlicher Betrieb – etwa das Aufstellen von Vorzelt, Tisch und Stühlen – ist dabei nicht erlaubt.

Unterschiede gibt es in den verschiedenen Länder,n aber auch für die Art von Camper – ob Wohnwagengespann, Wohnmobil bis 3,5 oder bis 7,5 Tonnen. Einen detaillierten Überblick bietet Pincamp.

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