Serengeti : Immer dem Regen nach

Gnus soweit das Auge reicht: Die Tiere überqueren auf ihrer großen Wanderung den Mara-Fluss. Ungefährlich ist das nicht für sie.  Foto: Michael Juhran
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Gnus soweit das Auge reicht: Die Tiere überqueren auf ihrer großen Wanderung den Mara-Fluss. Ungefährlich ist das nicht für sie. Foto: Michael Juhran

Weißbartgnus und Zebras sorgen mit ihrer Wanderung in der Serengeti für ein Naturerlebnis der Superlative

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01. Dezember 2018, 15:55 Uhr

Serengeti | Ende August. Tausende Gnus säumen das südliche Ufer des Mara-Flusses im Nordwesten der Serengeti. Plötzlich beginnt es in dem riesigen Meer an braunen Leibern und spitzen Hörnern unruhig zu rumoren. Gerade noch bedächtig grasend, setzt sich die Herde in Bewegung, überquert kleine Gräben und galoppiert auf den Mara-Fluss zu. In eine Staubwolke gehüllt ziehen die Gnus in einer endlos scheinenden Schlange durch den Seitenarm des Stromes und erklimmen die steile Uferböschung einer Insel im Fluss, um sich zur Überquerung des letzten großen Hindernisses zu versammeln.

Immer mehr Tiere drängen auf die Insel, auf der es langsam eng wird. Erst nach längerem Zögern entschließt sich die Leitkuh, der Herde mit einem kühnen Sprung in die Fluten den Weg durch den reißenden Strom des Mara-Hauptarmes zu weisen.

Ein hoffnungsloser Kampf

Ein Entschluss, der sich als tödlicher Fehler erweist. Gierig stürzen sich drei Nilkrokodile auf das Tier. Eine Riesenechse schlägt seine Zähne in das Hinterteil, eine zweite attackiert das Gnu von vorn. Ein hoffnungsloser Kampf. Von der Seite nähert sich das dritte Krokodil und bekommt den Hals des Gnus zu fassen, um es schließlich unter Wasser zu ziehen. Panikartig tritt die Gnuherde den Rückzug ins Hinterland an. Morgen wird sie es wieder versuchen.

Etwa 250 Kilometer Luftlinie entfernt sind jetzt im Ngorongoro-Krater zum Höhepunkt der Großen Wanderung nur wenige Herden der zottigen Kuhantilopen zurückgeblieben. In der Regenzeit von Dezember bis Mai hatten sich Zigtausende Gnus hier aufgehalten, die im Februar rund um den Ndutu-See nahezu gleichzeitig ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Nun bestimmen andere Antilopenarten, Gazellen, Giraffen, Zebras, Elefanten, Büffel, Nilpferde und bunte Vogelscharen das Landschaftsbild. Das in diesem Jahr aufgrund ergiebiger Regenfälle noch immer mit saftigem Gras und randvollen Teichen gesegnete Kraterinnere wäre ein Tierparadies schlechthin, gäbe es nicht die zahlreichen Löwen, Geparden und Hyänen.

Zwei bis drei Monate sind vergangen, seit mit dem eigentlichen Beginn der Trockenzeit die meisten Gnus den Krater in Richtung Masai Mara verlassen haben, aber noch immer finden die Raubtiere reichlich Beute, um wiederum ihren Nachwuchs zu versorgen. Halten sie nach erfolgreicher Jagd ein Festmahl, so lassen sie sich auch von den über hundert Land Cruisern nicht stören, in denen Touristen aus aller Welt mit ihren Kameras auf Fotosafari unterwegs sind. Von den Menschen haben die Wildtiere nichts zu befürchten, denn auch die um die Caldera herum lebenden 87 000 Maassai essen kein Wildfleisch.

Die Spur der Tiere

Folgt man der Spur der Gnus vom Ngorongoro aus weiter in Richtung Nordnordwest, so gelangt man über den Serengeti-Nationalpark zur Grumeti Game Reserve. Dort arbeitet Siatoi Kasiaro als Guide. Seit fünf Jahren führt der Maassai Gäste aus Europa zu Fuß durch die Savannenlandschaft, um ihnen die Tiere und Pflanzen seiner Heimat näher zu bringen und ihre Sinne für die Wunder der Natur zu schärfen. Besonders gern ist er auf den Ebenen am Grumeti-Fluss unterwegs, wenn die Gnus, Zebras und Antilopen auf ihrer großen Wanderung zur Masai Mara im Juni/Juli zu Tausenden das Grasland rund um die Grumeti Hills Lodge bevölkern.

„Es ist faszinierend zu beobachten, wie sich die Arten gegenseitig ergänzen“, erklärt er seinen Gästen. „Die Zebras sehen und riechen ganz ausgezeichnet, die Gnus hören gut und so warnen sie sich bei ihrer gemeinsamen Wanderung gegenseitig vor Gefahren. Da die Zebras langes Gras bevorzugen und die Gnus lieber die kürzeren Halme fressen, kommen sie sich auch bei der Nahrung nicht ins Gehege.“

Siatoi lernte schon als kleiner Junge von seinem Vater, wie sich die Tiere verhalten. Dabei interessierte er sich insbesondere für die Zebras. „Die sind weitaus klüger als die Gnus“, meint er. „Oft führen Zebragruppen die Gnuherden an und spähen den besten und sichersten Weg aus. Sie sind quasi die Scouts auf der Großen Wanderung.“ Im August dieses Jahres halten sich noch immer große Zebraherden am Grumeti auf. Vielleicht erachten sie es aufgrund der Regenfälle nicht für nötig, die Reise in Richtung Norden fortzusetzen?

Die Gnus ziehen weiter

Die meisten Gnus hingegen kann auch das saftige Gras nicht aufhalten. Sie ziehen weiter wie jedes Jahr. Auf dem Weg vom Grumeti zum Mara müssen sie dabei auch Trockengebiete durchqueren, in denen es längere Zeit keinen Tropfen Regen gab. Wie ein gelber Teppich breitet sich die Savanne der nordwestlichen Serengeti bis zum Horizont aus. Manche Flächen sind schwarz. Sie wurden von Parkrangern kontrolliert abgebrannt, um Platz für nachwachsendes frisches Gras zu machen und Parasiten zu dezimieren.

Nur die Schirme der Akazien beleben als grüne Tupfer die Ebenen. Im Schatten der Akazien suchen Gnugruppen Schutz vor der unbarmherzigen Sonne. Immer größer werden diese Gruppen, je weiter man in Richtung Norden vordringt. Ab und an trifft man auf junge Löwen, die ein Gnu oder ein Zebra verzehren. Geier, Hyänen und Schakale stürzen sich als Gesundheitspolizei auf die Fleischreste oder verstorbene Tiere, was den Ausbruch von Seuchen verhindert.

Am Mara angekommen, wimmelt es überall von Gnus, unter denen nur noch vereinzelt Zebras auszumachen sind. Selbst dem erfahrenen Guide Mustapher Samson, der seit zehn Jahren in der Serengeti unterwegs ist, fällt es streckenweise schwer, mit seinem Land Cruiser einen Weg durch die Herden zu bahnen.

Hungrig: Diese Löwenkinder warten auf die Beute ihrer Eltern.
Hungrig: Diese Löwenkinder warten auf die Beute ihrer Eltern.
 

Kurz hinter dem Flugfeld gibt er plötzlich Gas. Kollegen haben über Funk gemeldet, dass am Abschnitt Vier des Mara gerade eine Herde den Strom überquert.

Als Mustapher die Stelle erreicht, säumen bereits 15 bis 20 Fahrzeuge beide Seiten des Flusses. Zwischen ihnen zieht laut blökend eine Gnuherde vom südlichen zum nördlichen Ufer. Diesmal lauern keine Krokodile, aber die glitschigen Felsen in der Flussmitte erweisen sich für einige Tiere als Falle, in der sie steckenbleiben oder sich ein Bein brechen.

„Wissenschaftlern zufolge verlieren bis zu 200 000 Gnus auf der jährlichen Wanderung ihr Leben. Die Zahl relativiert sich, wenn man bedenkt, dass 500 000 junge Gnus zur Welt kommen“, lässt Mustapher seine Gäste wissen. Nachdem nahezu die gesamte Herde das andere Ufer erreicht hat, geschieht etwas Sonderbares. Plötzlich ändert ein Großteil der Herde die Richtung und strömt wieder zurück zum südlichen Ufer. Mustapher ist perplex: „So etwas habe ich noch nie gesehen.“

Was hat die Tiere bewogen umzukehren? Auch Mustapher hat keine Erklärung. „Gnus sind manchmal völlig kopflos“, meint er und zuckt die Achseln. Normalerweise kehren die Tiere erst im November oder Dezember aus der Masai Mara zur tansanischen Serengeti zurück.

Tansania

An- und Einreise Zum Beispiel mit Condor, Äthiopian Airlines, KLM oder Kenya Airways nach Arusha ab ca. 800 Euro hin und zurück. Deutsche Staatsbürger benötigen ein Visum und einen Pass, der noch mindestens sechs Monate gültig ist. Das Visum ist bei der Einreise auf dem Flughafen erhältlich und kostet 50 Euro.

Veranstalter SKR Reisen, Die 16 Tage Rundreise „Tansania mit Flair“ (ab 4.999 Euro p. P.) folgt u. a. den Spuren der Großen Wanderung vom Lake Manyara Nationalpark über Ngorongoro, Grumeti, Serengeti bis zum Mara-Fluss. www.skr.de

Tipp Am besten lassen sich die beeindruckenden Naturschauspiele mit einem Fernglas beobachten und mit einer Kamera mit Teleobjektiv festhalten. Im Internet gibt es Informationen darüber, wo sich die meisten Gnu-Herden aktuell aufhalten: www.discoverafrica.com/ herdtracker

Nach der Safari-Rundreise lässt es sich bei einem anschließenden Strandaufenthalt auf Sansibar ausgezeichnet entspannen.

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