Reisebuchungen : Buchungssysteme: Adieu Privatsphäre!

Im Urlaub immer dabei: das Handy.
Im Urlaub immer dabei: das Handy.

Mail-Adressen und Mobilfunknummern sind ein begehrtes Gut, mit dem später gehandelt werden könnte.

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31. August 2019, 16:00 Uhr

Wer in diesen Tagen einen Flug oder eine Reise bucht, der muss immer öfter seine Handynummer nennen. Die Reisekonzerne Tui und Alltours akzeptieren seit diesem Sommer keine Buchungen mehr ohne Angabe des Mobilfunkkontakts. Das gilt sowohl bei Buchung im Reisebüro als auch im Internet. Als Grund geben die Reiseunternehmen an, dass sie dann ihre Kunden im Notfall noch schneller benachrichtigen können. Konkret gehe es etwa um kurzfristige Flugzeitänderungen, Streiks, Naturkatastrophen und politische Unruhen.

Veranstalter widersprechen Missbrauch

Der Befürchtung, die Handynummern könnten zu Werbezwecken missbraucht werden, widersprechen die Veranstalter vehement. Es gehe nur um Notfälle, Krisen und Unregelmäßigkeiten, teilt Tui mit. Und die Nachricht aufs Handy komme auch nur zum Einsatz, wenn der Gast „nach menschlichem Ermessen nicht mehr anders erreicht werden kann“.

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Was aber tun, wenn man kein Handy hat oder es nicht in den Urlaub mitnehmen will? Dann darf das Reisebüro laut Tui eine eigene Mobilfunknummer in das entsprechende Formularfeld eintragen. Und der Urlauber wird wie gehabt doch wieder von der Reiseleitung vor Ort oder vom Hotel informiert.

Reisegesellschaften verlangen Angabe der Handynummer

Neben Tui verlangt neuerdings auch Alltours die Angabe der Handynummer. Als Grund gibt der Veranstalter eine neue Regel des Airline-Verbandes Iata zur Datenerfassung an. Tatsächlich gibt es eine Resolution 830d des Weltluftverbands, die Reiseagenturen verpflichtet, Rufnummern und E-Mail-Adressen der Flugticketkäufer zu erfassen und im Buchungssystem zu hinterlegen.

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Seit Juni sind Reisebüros und Online-Portale danach stets und immer verpflichtet, den Airlines Mobilfunknummer und/oder Mailadresse mit der Buchung zur Verfügung zu stellen. Die Daten müssen im sogenannten Passenger Name Record (PNR) hinterlegt werden. Diese PNR wird unter anderem seit Sommer 2018 im Rahmen der Fluggastdatenspeicherung automatisch an europäische und US-Sicherheitsbehörden weitergegeben.

Reisebranche gegen Vorgaben

Auch der Airline-Verband Iata begründet seine Vorschrift damit, dass Passagiere so bei Annullierung oder Verspätung direkt informiert werden können. Für Reisebüros sind Iata-Resolutionen bindend. Wenn sie sich nicht daran halten müssen sie Strafe zahlen und ggf. auch Schadenersatz.

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Die Reisebranche läuft allerdings Sturm gegen die Vorgaben. Einerseits könnten die Vorschriften der EU-Datenschutzgrundverordnung widersprechen. Das prüft der europäische Reisebüroverband momentan. Zum anderen befürchten die Reiseverkäufer, dass die Passagiere mit Werbung drangsaliert werden könnten.

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