Reise nach Harderwijk : Das andere Holland lockt

Romantik pur: Die warme Abendsonne taucht den Hafen von Blokzijl mit seinen historischen Backsteingebäuden in ein warmes Licht.
Romantik pur: Die warme Abendsonne taucht den Hafen von Blokzijl mit seinen historischen Backsteingebäuden in ein warmes Licht. Fotos: Thomas Gerstner

Tradition und Moderne: Wer abseits der Großstädte unser Nachbarland bereist, wird angenehm überrascht.

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03. August 2019, 16:00 Uhr

Die Sonne meint es gut mit uns an diesem Abend. Gab es noch vor Kurzem einen kleinen Regenschauer, taucht sie nun die Silhouette des Hafens in ein warmes, gelborangefarbenes Licht. Die historischen Häuserfassaden aus roten Backsteinziegeln am Kai verwandeln sich in eine magische Theaterkulisse. Doch alles ist echt und real hier in Blokzijl, einem kleinen niederländischen Städtchen mit reicher Geschichte.

Gefühl der vollkommenen Entspannung

Eine Segeljacht gleitet lautlos heran; der Skipper macht an der Hafenmauer fest. Mehr braucht es nicht, um ein Gefühl der vollkommenen Entspannung zu entwickeln. Aber es gibt noch mehr an diesem wunderbaren Urlaubsabend. Auf der Terrasse des Grand Cafés und Restaurants „Prins Mauritshuis“ wird ein rassiger Rotwein serviert, andere nehmen das handgebraute Pils. Echt lekker, wie die Holländer sagen.

Lecker: Viele Restaurants sind sehr experimentierfreudig.
Thomas Gerstner
Lecker: Viele Restaurants sind sehr experimentierfreudig.
 

Das historische Gebäude selbst, das früher einmal als Waisenhaus fungierte, wurde vom Besitzer liebevoll renoviert und um moderne Segmente ergänzt, die sich in einer tollen Symbiose in das Gesamtensemble der Stadt einfügen.

Zudem räumt das Restaurant, wie so viele zeitgemäß aufgestellte Gastronomiebetriebe des Landes, mit dem Vorurteil auf, in unserem Nachbarland könne man in puncto Essen ausschließlich auf Frites und Automatenkost setzen. Weit gefehlt!

Das Mauritshuis lockt mit einer umfangreichen Speisekarte, die vom Snack bis zum ausgefeilten Mehr-Gänge-Menü mit frischen Zutaten aus der Region keine Wünsche offenlässt.

Der Blick auf den Hafen lässt echtes Urlaubsfeeling aufkommen. Immer wieder finden Jachten ihren Weg nach Bokzijl; rund 30 000 sollen es über das ganze Jahr hinweg sein, ist zu hören. Die meisten Bootseigner zieht es natürlich in der warmen Jahreszeit hierher. So gibt es immer etwas zu sehen, zum Beispiel auch an der Schleuse in unmittelbarer Hafennähe.

Kaufmannshäuser zeugen von Blütezeit des Handels

Das Städtchen selbst lohnt einen Rundgang. Die einstige Siedlung, die sich im Laufe der Jahrhunderte zur Festung an der Zuiderzee entwickelte, um der spanischen Armada Paroli bieten zu können, zeigt sich zu großen Teilen noch immer in ihrem historischen Erscheinungsbild. Die prächtigen Kaufmannshäuser in Backsteinoptik zeugen von der Blütezeit des Handels dort.

Gut vorstellen kann man sich auch das rege Leben und Treiben in früheren Epochen, als es in der Stadt noch zahlreiche kleinere Brauereien gab, die das Volk mit dem anregenden Gerstensaft versorgten. Straßennamen wie Bierkade oder Brouwersgracht erinnern daran.

An der Kaimauer des Hafens finden sich noch ein paar mächtige alte Kanonen. Diese werden heute natürlich nicht mehr gebraucht. Sie erinnern aber bis heute an gefährliche Situationen in der Vergangenheit. Denn diese Geschütze wurden nicht in erster Linie zur Verteidigung gebraucht. Sie dienten als Warnkanonen, die die Bevölkerung der Stadt vor drohenden Überschwemmungen warnte.

Dieses System funktionierte meistens, aber nicht immer. Noch heute wird in Blokzijl die Erinnerung an die Nacht vom 4. auf den 5. Februar 1825 wachgehalten. Damals kam die Warnung für viele Einwohner der Stadt zu spät. Eine Springflut und stürmischer Wind sorgten dafür, dass der Seedeich an vielen Stellen durchbrach.

Die Koexistenz mit dem ständig präsenten Wasser ist etwas, das die Menschen in der Provinz Overijssel bis heute prägt. Es hat in früheren Jahrhunderten viel Wohlstand ins Land gebracht, indem es Möglichkeiten für den Handel mit Schiffen in ferne Länder ermöglichte. Ein positiver Effekt, von dem auch die Hansestadt Hasselt bis heute profitiert.

Genügend Plätze zum Ausruhen in der Idylle

Die „Lichtstadt des Nordens“, wie sie sich selbst nennt, wuchert mit urigen Straßenzügen voller prächtiger Häuser entlang der Straßen und Grachten, die die Stadt für Fußgänger, Rad- und Autofahrer und natürlich auch Bootseigner erschließen. Ihr Prädikat „Lichtstadt“ hat Hasselt, das früher für seinen Handel mit Butter und Heu bekannt war, durch zahlreiche Feste erhalten, die Besucher von nah und fern anlockten. Für diese Feste wurden die Straßen stets festlich erleuchtet. Solche und andere Episoden aus der Stadtgeschichte erfährt man bei einem geführten Stadtrundgang, den es zu buchen lohnt. Denn auf diesem Rundgang sieht man so geschichtsträchtige Bauten wie die alten Muschelkalköfen, Bürgerhäuser mit prächtigen Treppengiebeln oder das alte Rathaus, dessen noblen Ratssaal man auch besichtigen kann.

Sehenswert: der Ratssaal im historischen Rathaus von Hasselt.
Thomas Gerstner
Sehenswert: der Ratssaal im historischen Rathaus von Hasselt.
 

Mitten in dieser historischen Idylle findet man immer wieder Plätze zum Ausruhen. Damit sind nicht nur gemütliche Parkbänke gemeint, sondern erneut gastronomische Betriebe mit ausgefeiltem Ambiente und vielfältiger Speisekarte. Dazu zählt das Restaurant und Grandcafé de Linde mit Blick über den Kanal. Abends lockt das Restaurant De Herderin mit frischer, einfallsreicher Küche, die von Einflüssen aus ganz Europa inspiriert ist.

Für Freunde der vielfältigen Kulinarik hat sich das schmucke Hansestädtchen Harderwijk zu einem echten Geheimtipp entwickelt. Rund um das quirlige Zentrum Harderwijks, dessen Ursprünge bis in das 13. Jahrhundert zurückgehen, haben sich Bistros, Cafés und Restaurants angesiedelt, die einen Streifzug lohnen. Dazu zählt etwa das Restaurant de Boterlap am Marktplatz im Zentrum der Stadt, wo das Sehen und Gesehenwerden zum Tagesprogramm gehört.

Auch ein Einkaufstrip lohnt in Harderwijk; die Auswahl an Mode-, Einrichtungs- und Lebensmittelgeschäften ist sehr groß. Doch alles liegt im übersichtlichen Zentrum nah beieinander. Nach einer ausführlichen Stadtbesichtigung zu Fuß ist ein Glas Wein oder Bier in der Bar Walhalla mit eigenem Strand ein Genuss.

Fast schon malerisch: der Sonnenuntergang in Harderwijk.
Thomas Gerstner
Fast schon malerisch: der Sonnenuntergang in Harderwijk.
 

Und wenn dann noch die Sonne scheint, ist es wieder da, das richtig entspannte Urlaubsgefühl. Das andere Holland macht es möglich und lohnt einen Besuch auf jeden Fall.

Info: Hansestädte

Reiseziel: Wer entdecken möchte, wie vielfältig die Niederlande abseits der bekannten Touristenmetropolen sind, der findet gleich auf der anderen Seite der Landesgrenze viele lohnende Ziele. Besonders attraktiv: Neun Hansestädte sind durch das Wasser miteinander verbunden. Es sind Harderwijk, Elburg, Hasselt, Kampen, Zwolle, Hattem, Deventer, Zutphen und Doesburg.

Übernachten: Hotels, Campingplätze und Ferienwohnungen findet man vielerorts in allen Preiskategorien. In der Hauptsaison empfiehlt sich eine rechtzeitige Buchung.

Infos: hollandsosten.de
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