Reise : Ischia erwandern

Panorama: Die Landschaft auf Ischia ist abwechslungsreich. Im Südosten der Insel führen schmale Pfade durch hohes Gras, wenige Meter weiter wird etwas Wein angebaut. Wegweiser gibt es nur wenige. Dank der weiten Aussicht können sich Wanderer schwerlich verlaufen.  Fotos: Greßhöner
Panorama: Die Landschaft auf Ischia ist abwechslungsreich. Im Südosten der Insel führen schmale Pfade durch hohes Gras, wenige Meter weiter wird etwas Wein angebaut. Wegweiser gibt es nur wenige. Dank der weiten Aussicht können sich Wanderer schwerlich verlaufen. Fotos: Greßhöner

Für Aktivurlauber lohnt sich der Besuch auf der italienischen Insel vor allem im Frühjahr und Herbst

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25. Mai 2019, 16:00 Uhr

Die Hauswand kommt näher und näher. Nach wenigen Sekunden ist sie vorbei. Souverän lenkt der Fahrer seinen Linienbus an ihr vorbei durch die schmale Kurve. Die Gassen Ischias sind schmal für Lkw und Busse, doch in den kühleren Monaten zumindest leer.

Erst im Sommer, wenn die ausländischen Touristen kommen und im Spätsommer die italienischen, wird es ein einziges Stehen und Schieben geben auf den schmalen Straßen der sechs Gemeinden. Außerhalb der Hauptsaison ist die Insel ein Geheimtipp mit ihren schmalen Gassen, dem schroffen Vulkangestein und der tollen Aussicht.

Außerhalb der Hauptsaison ist die Insel ein Geheimtipp

Der Bus stoppt, man steigt aus, es kann losgehen. Die schönsten Wanderwege befinden sich entlang der Küste und rund um die Inselmitte unter rauschenden Baumwipfeln. Abseits der Ringstraße gibt es viel zu entdecken: Unter ihrer Last biegen sich Zitronenbäume am Wegesrand, Schilfgras wiegt sich im Wind, Wein-Reben wachsen an den Hängen. Hinter einer Kurve taucht unvermittelt ein Café auf. Von der Terrasse schweift der Blick weit übers blaue Meer. Ein saures Radler mit frisch gepresstem Zitronensaft sorgt für Erfrischung.

Felsen: Oberhalb Forios führen Wege flach am Hang entlang.
Felsen: Oberhalb Forios führen Wege flach am Hang entlang.
 

Die Insel ist vulkanischen Ursprungs. Zugewucherte, unscheinbare Krater zeugen von urzeitlichen Gesteinsbewegungen. Ischias Inselmitte hat mit dem Monte Epomeo und seiner Nachbarberge ein paar Hundert Höhenmeter zu bieten.

Einen richtigen Vulkankegel gibt es allerdings nur am Horizont zu sehen: In Wolken getaucht ist dort mit bloßem Auge der Vesuv zu erkennen. Der wohl beliebteste Aufstieg führt Wanderer auf die Spitze des Epomeos. Die Pfade sind steil, aber gut zu meistern. Auf dem Gipfel entlohnt wie so oft ein herrlicher Panoramablick über die Insel. Bei klarer Sicht ist das gegenüberliegende Capri gut zu erkennen. Auf der Terrasse der Gastwirtschaft lockt dann eine große Portion Bruschetta. Das Brot mit Tomaten ist auf Ischia ein Klassiker. Und auch Kaninchen nach Ischianer Art stehen auf jeder Speisekarte.

Tuffsteingebilde am Wegesrand

Auf den Ebenen ist Ischia dicht bebaut. Vielerorten bewachen Hunde die Grundstücke und begrüßen Fußgänger mal heiser bellend, mal unsicher schwanzwedelnd. Volle Mülltüten gehören leider zum Straßenbild. Wer wandern will, den zieht es nach oben auf jene Wege, die hinter den letzten Häusern am Hang beginnen, oder auf die Pfade nahe der Weinberge mit Blick aufs Meer.

Über dem Meer: die Kirche Santa Maria del Soccorso.
Über dem Meer: die Kirche Santa Maria del Soccorso.
 

Das gut organisierte Bus-Netz ermöglicht es, sich problemlos fortzubewegen und die Insel kennenzulernen. Abseits der asphaltierten Wege führen schmale Pfade in Pinien-, Steineichen- und Kastanienwälder. Tuffsteingebilde erheben sich am Wegesrand. Plötzlich tut sich ein Loch im Boden auf. Steil und tief sind immer noch die Eiskeller aus vergangenen Zeiten zu erkennen. In der Ferne macht ein Ziegenhirte Pause und genießt mit seinen Hütehunden die Aussicht. Längst haben die besonnenen Hunde die Wanderer wahrgenommen und blicken ihnen ruhig entgegen.

Weiter geht es durch einen Robinienwald. Männer führen ihre Pferde hier entlang. Heute wird Holz geschlagen und abtransportiert. An der Felsenkirche Santa Maria al Monte öffnet sich die Landschaft. Der Panoramablick endet erst am Horizont, irgendwo im strahlend blauen Meer.

Die heißen Sommermonate meiden

Wanderwege sind kaum beschildert auf Ischia. Per GPS-Empfänger und auf Sicht oder per Kompass und Karte kann man sich orientieren, da die Insel dafür klein genug ist. Möglich ist es, einen Wanderführer zu engagieren oder von Beginn an mit einer Wandergruppe zu reisen. Eine der erfahrensten Guides auf Ischia ist Assunta Calise, die seit 15 Jahren Touristen über ihre Heimatinsel führt. „Ich mache das, bis ich eines Tages einen Stock brauche“, sagt sie und lacht. Stets griffbereit hat Assunta, die von allen geduzt wird, eine Gartenschere. Mit dieser zeigt sie auf zahllose Pflanzen und beeindruckt alle mit ihrem Wissen um Flora und Fauna.

Idylle: Mit seinen Hütehunden macht der Schäfer eine Pause. Er blickt auf Sant’Angelo und Panza.
Idylle: Mit seinen Hütehunden macht der Schäfer eine Pause. Er blickt auf Sant’Angelo und Panza.
 

Die besten Monate, um in Ruhe zu wandern, seien von April bis Mai und dann wieder von September bis Oktober, rät Assunta. „Alles blüht, aber es ist nicht so heiß.“ Meiden sollte man die heißen Sommermonate. Und meiden sollte man ab etwa 13.30 Uhr für eine Stunde die Linienbusse, „denn dann fahren die Schulkinder nach Hause.“

Sehenswürdigkeiten sind mit öffentlichen Bussen zu erreichen

In einer Woche lässt sich Ischia gut erkunden. Neben Wäldern und Weinbergen gibt es einige Ausflugsziele: der Mortella- und der Ravino-Garten sind ein Muss für Pflanzenfreunde. Die großen Thermalbäder öffnen Mitte April und laden zum stundenlangen Badevergnügen ein. Beeindruckend sind auch die Gewölbe des Castello Aragonese, das auf einer Halbinsel auf einem Felsen thront. Alle Sehenswürdigkeiten sind mit öffentlichen Bussen zu erreichen, die sich durch die schmalen Straßen ihren Weg bahnen. Und wie erreichen die Ischianer ihr Ziel in der Hauptsaison? Assunta lächelt. „Man muss Geduld haben und gelassen sein. Ganz einfach.“

Info: Ischia

Anreise: Ischia ist per Fähre oder Schnellboot ab Neapel oder Pozzuoli erreichbar, die Überfahrt dauert je nach Verbindung 60 bis 90 Minuten. Der nächstgelegene Flughafen ist in Neapel. Vor Ort gibt es mehrere Buslinien, die Linien CD (destra für rechtsherum) und CS (sinistra für linksherum) umrunden die Insel auf der Ringstraße.

Thermalwasser: Die berühmten Thermen öffnen im Frühjahr, ein Tagesticket kostet mehr als 30 Euro. Preiswerter ist es, ein Hotel zu buchen mit eigenem Thermalwasser-Pool. Das Wasser ist nach dem Wandern ein Genuss!

Klassiker: Der Wanderreisen-Anbieter Wikinger verzeichnet seit mindestens fünf Jahren eine gleichbleibend hohe Nachfrage von Aktivurlaubern. Dafür sorgen laut einer Sprecherin das Image Ischias als Gesundheitsinsel, das Preis-Leistungs-Verhältnis, das familiär geführte Hotel Belvedere in Forio und die engagierte Betreuung durch Assunta Calise.

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